Taxifahrer auf Mallorca verprügelt: Deutsche Polizisten kommen um Haft herum und sind weiter im Dienst
Nach dem Angriff auf einen 71-jährigen Taxifahrer auf Mallorca kommen deutsche Polizisten um eine Haftstrafe herum – ein Deal mit dem Opfer macht es möglich

Der von deutschen Polizisten verprügelte mallorquinische Taxifahrer am Mittwoch (22.8.) in seinem Krankenbett. / Bastian Schlüter/mallorcatv.info
Die deutschen Polizisten, die im Sommer 2024 einen 71-jährigen Taxifahrer auf Mallorca krankenhausreif geprügelt haben, kommen um eine Gefängnisstrafe herum. Das bestätigten der Mallorca Zeitung sowohl Ernesto Mestre, der Anwalt einer der Deutschen, als auch Dani Castro, Anwalt des Opfers. Die Beamten können somit wohl auch weiterhin ihren Dienst in Deutschland ausüben.
Die Attacke geschah bereits am 20. August 2024. Deutsche Polizisten fuhren mit dem Taxi ins Hotel und verprügelten nach der Ankunft den Fahrer. Seitdem zog sich die Angelegenheit in die Länge. Beide Seiten wechselten die Anwälte, die nun einen Deal aushandelten. Teil der Vereinbarung ist, dass die Beamten keinerlei Haftstrafe bekommen, damit sie ihre Dienstmarke nicht verlieren.
Einer der Polizisten übernahm die Verantwortung
Die Guardia Civil hatte drei Deutsche festgenommen. Nur einer von ihnen wird nun formell angeklagt. Die Staatsanwaltschaft und der Anwalt des Opfers werfen ihm Körperverletzung und Nötigung vor. "Mein Klient übernimmt die Verantwortung und hat seine Reue zum Ausdruck gebracht. Das Opfer hat die Entschuldigung angenommen", so Mestre gegenüber der MZ.
Der Deal beinhaltet, dass der deutsche Polizist den Taxifahrer mit 40.000 Euro entschädigt und die Anwaltskosten übernimmt. Insgesamt wären das rund 50.000 Euro. Der Amtsarzt hatte die Entschädigungssumme für die Verletzungen des Opfers auf gut 30.000 Euro beziffert.
Wie die MZ erfahren hat, ist der Taxifahrer mit der Entscheidung einverstanden. Kurz nach der Tat sagte er gegenüber der MZ noch, dass er wolle, dass die Polizisten eine gerechte Strafe erhalten. Bei einem Prozess, so heißt es aus Gerichtskreisen, wäre eine langjährige Haftstrafe unwahrscheinlich gewesen. Strafen unter zwei Jahren werden in Spanien auf Bewährung ausgesetzt.
Der Deal muss beim noch nicht feststehenden Gerichtstermin in Palma noch vom Richter abgesegnet werden. "Das ist Sache von einer Minute", sagt Castro. Länger hinziehen könnte sich der zivilrechtliche Prozess. Denn neben der strafrechtlichen Angelegenheit hat auch der Besitzer des Taxis, mit dem der Fahrer unterwegs war, Schadensersatzansprüche gestellt. Auch die Unfallkasse möchte bezahlt werden. Anwalt Castro geht davon aus, dass der Prozess vor dem kommenden Sommer stattfindet.
Polizisten sind weiterhin im Dienst
"Uns liegen nach wie vor keine offiziellen Informationen spanischer Behörden vor. Dadurch haben wir aktuell sehr wenig belastbare Erkenntnisse, die jedoch für die Durchführung eines disziplinarrechtlichen Verfahrens erforderlich sind. Die mutmaßlich beteiligten Polizisten sind weiterhin im Dienst", hieß es noch in der vergangenen Woche auf MZ-Anfrage bei der Pressestelle der Polizei Essen. "Sobald der Polizei Essen offizielle Informationen des spanischen Behörden vorliegen, werden für jeden der Betroffenen disziplinarrechtliche Maßnahmen geprüft bzw. eingeleitet. Das Ergebnis eines solchen Verfahrens könnte auch die Entlassung aus dem Polizeidienst sein."

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Bastian Schlüter / Ralf Petzold
Was war passiert?
Der damals 71-jährige Taxifahrer gabelte die Gruppe an deutschen Polizisten mit einem Kollegen an der Haltestelle in der sogenannten Schinkenstraße auf. Sie wollten nach einem Partyabend zu einem Landhotel nach Petra gebracht werden, schilderte das Opfer damals die Tat aus seiner Sicht.
Nach der Ankunft fehlte von einem der Fahrgäste das Handy. "Daraufhin kamen drei andere Personen aus dem Hotel", rekonstruierte der Taxifahrer. "Wir stellten das Taxi auf den Kopf und suchten nach dem Handy. Da müssen wahnsinnig wichtige Informationen drauf gewesen sein, wenn die so einen Terz darum gemacht haben."
Die Deutschen befahlen dem Mallorquiner, die Polizei zu rufen und unterstellten ihm plötzlich, das Handy geklaut zu haben. Die Polizei kam nicht, die Deutschen wurden ungeduldig und nahmen die Sache offenbar selbst in die Hand. "Sie fingen an, auf mich einzuschlagen und zu treten. Ich habe gefleht, dass sie aufhören, aber es brachte nichts." Vier junge Männer im Alter um die Ende 20 prügelten auf den 71-Jährigen ein. Den Lärm hörte niemand. "Als ich nach der Polizei fragte, meinten sie bloß, sie seien die Polizei", sagte der Mallorquiner.
Schließlich kam die Guardia Civil dann doch. Die Deutschen hätten dann versucht, die Beamten und den Taxifahrer zu bestechen. Die spanischen Polizisten nahmen die Männer fest, ein Untersuchungsrichter ließ sie am selben Tag wieder frei. Vor ihrer Heimreise entspannten die Deutschen noch am Pool. Übrigens fand sich das gesuchte Handy später in einer Tasche der Urlauber wieder.
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