Air-Berlin-Flugtickets auf Mallorca mit Falschgeld bezahlt: Deutscher bekennt sich schuldig
Der Betrug ereignete sich bereits vor elf Jahren. Einer der Angeklagten hatte sich einen Sündenbock gesucht, der nun freigesprochen wurde

Thomas F. wurde freigesprochen, Dominik H. nahm per Videoschalte am Prozess teil. / Petzold
Ein Deutscher hat sich am Dienstag (16.12.) vor einem Gericht auf Mallorca schuldig bekannt, im Jahr 2014 Flugtickets mit Falschgeld auf Mallorca bezahlt zu haben. Im Vorfeld hatten der Anwalt von Dominik H. und die Staatsanwaltschaft einen Deal ausgehandelt. Der Mann zahlt eine Geldstrafe in Höhe von 150 Euro und bekommt eine einjährige Haftstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Die Richterin muss noch das Urteil sprechen. Ein Mitangeklagter wurde freigesprochen, nach einem dritten Mann wird noch gefahndet.
Die drei Angeklagten Dominik H., Thomas F. und Benedikt T. arbeiteten 2014 am sogenannten Ballermann als Ticketverkäufer für das Unternehmen Sunlife Crew, das Bootspartys anbot. "Wir verkauften die Tickets am Strand und kassierten das Geld ausschließlich in bar. Einen Teil davon durften wir als Lohn behalten", sagte Thomas F. vor Gericht aus.
Kommen und Gehen in den Unterkünften
Das Unternehmen stellte den Ticketverkäufern eine Unterkunft. "Wöchentlich wechselten wir je nach Verfügbarkeit die Wohnung", sagte Thomas F. nach dem Gerichtstermin der MZ. Zwischen sechs bis zwölf Personen waren pro Apartment untergebracht. Es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Da die Ticketverkäufer hauptsächlich kleine Scheine bekamen, sei es üblich gewesen, dass sie ihr Geld gegen größere Scheine eintauschten.
"Mehrere Personen hatten mir das angeboten", sagte Dominik H. per Videokonferenz aus. Aus nicht näher erläuterten Gründen habe er sein Geld offen zugänglich auf einer Kommode in der Wohnung liegen gelassen und das Haus verlassen. Als er später wiederkam, habe ihm jemand die Scheine gewechselt.
Fünf falsche Scheine dabei
Am 19. September 2014 wollten Dominik H. und Benedikt T. sich am Ticketschalter von Air Berlin Heimflüge kaufen. Sie hatten fünf 200 Euro-Scheine dabei, die sich später als Falschgeld herausstellten. "Auf den ersten Blick wirkten sie echt", sagte einer der zuständigen Polizisten aus. "Die Air-Berlin-Mitarbeiter hatten uns gerufen, als die Maschine, die die Scheine kontrolliert, Falschgeld signalisiert hatte." Laut Dominik H. hatten die beiden Männer keine Ahnung, dass es sich um Falschgeld handelte.
Die Beamten prüften die Scheine mit weiteren Maschinen, die das Resultat bestätigten. Die beiden Deutschen wurden festgenommen und sagten aus, dass Thomas F. ihnen die Scheine gegeben hatte. Dominik H. widerrief diese Aussage jetzt vor Gericht. "Ich war jung und im Ausland in Gewahrsam. Die Aussage war halb auf Englisch, halb auf Deutsch. Der Dolmetscher war schlecht. Letztlich habe ich einfach Benedikts Aussage zugestimmt", meinte der Deutsche.
Zwei Tage in Gewahrsam
Thomas F. war wohl als Sündenbock auserkoren. Die Männer kannten sich untereinander gar nicht. Am Tag, als Dominik H. auszog, zog Thomas F. ein. Die Polizei durchsuchte die Wohnung und fand im Geldbeutel des Deutschen einen weiteren 20 Euro-Schein, der sich als falsch herausstellte. "Den wird mir ein Urlauber untergejubelt haben. Wir kontrollierten die Scheine beim Erhalt nie", sagte Thomas F. vor Gericht aus.
Die Polizei nahm ihn fest, zwei Tage saß der damals 27-Jährige in Untersuchungshaft. Bis er nun als einziger der drei Angeklagten persönlich vor Gericht erschien, mied er Mallorca. Die Beamten konfiszierten damals bei ihm zudem 534 Euro - echtes Geld.
Da Dominik H. seine anfängliche Aussage wiederrief, zog die Staatsanwaltschaft die Forderung von drei Jahren Haft und 500 Euro Bußgeld gegen Thomas F. am Dienstag zurück. Die Richterin Gemma Robles sprach ihn sofort frei. Die 534 Euro bekommt er zurück. Das Falschgeld ist inzwischen vernichtet. Theoretisch könnte Thomas F. noch gegen die Falschaussage seines früheren Arbeitskollegens vorgehen. Er wird das aber wohl nicht tun. Der Prozess nach elf Jahren hat ihm nicht nur Nerven, sondern auch an die 4.000 Euro für den Anwalt gekostet.
Dominik H. war mit der einjährigen Bewährungsstrafe und dem 150 Euro hohen Bußgeld einverstanden. "Ich bin froh, wenn wir die Sache vom Tisch kriegen", lautete sein Schlusswort. Nach Benedikt T. wird weiter gefahndet. Ohne seine Anwesenheit kann ihm der Prozess nicht gemacht werden. Woher die falschen Geldscheine letztlich kamen, konnte nicht geklärt werden.
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