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Flughafen-Coup erfolgreich: Sechs der neun Migranten dürfen vorerst auf Mallorca bleiben

Der Transport in ein Aufnahmelager auf dem Festland scheiterte. Einer der Marokkaner wurde sogar gleich zweifach festgenommen

Einer der festgenommenen Migranten.

Einer der festgenommenen Migranten. / Guillem Bosch

Der Flughafen-Coup auf Mallorca ist für die Migranten erfolgreich gelaufen. Sechs der neun Marokkaner, die die Guardia Civil am 11. Dezember am Airport festnahm, dürfen nun doch vorerst in Spanien bleiben. Das Gericht stellte die Verfahren gegen die Migranten ein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der medizinische Notfall, der zur Zwischenlandung in Palma führte, nicht gespielt war. Dennoch nutzten die Migranten die Gunst der Stunde und erreichten ihr Ziel: den Eintritt in die EU.

Nachdem das Untersuchungsgericht die neun Personen am Tag nach der Festnahme laufen gelassen hatte, stellte die Polizei die Migranten vor zwei Alternativen: Sie können noch in derselben Nacht einen Flug in die Heimat nehmen. Oder in ein Aufnahmelager auf dem spanischen Festland gebracht werden.

Drei von ihnen entschieden sich für die zweite Möglichkeit. Allerdings konnte die Polizei ihr Versprechen nicht halten. Schnell stellten die Beamten fest, dass alle Lager überfüllt sind. Die Polizisten ließen die Migranten daher ziehen. Einer von ihnen machte sich auf nach Ibiza, wo Familienmitglieder wohnen. Die anderen beiden wollten sich aufs Festland begeben.

Ein anderer Migrant attackierte noch auf der Wache die Polizei und wurde ein zweites Mal festgenommen. Die Zeit in Gewahrsam war erneut kurz. Der Mann ist mittlerweile illegal in Spanien auf freiem Fuß.

Die restlichen fünf Personen sollten eigentlich den Flug nach Marokko nehmen. Zwei von ihnen baten jedoch um politisches Asyl, was ihnen vorübergehend gewährt wurde. Nur drei flogen daher zurück.

Was war passiert?

Bei einem Air Arabia-Flug von Rabatt nach Istanbul platzte bei einer schwangeren Frau die Fruchtblase. Wie Augenzeugen berichten, blieb die Maschine mehrere Stunden auf dem Rollfeld in Palma stehen, wohl weil die Besatzung ihre erlaubte Arbeitszeit überschritten hatte. Als der Fliegen abheben sollte, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Crew und Passagieren. Der Pilot rief die Guardia Civil, die sieben Männer und zwei Frauen festnahm.

Erinnerungen an den Flughafen-Coup

Der Vorfall weckt Erinnerungen an den sogenannten Flughafen-Coup, der sich am 5. November 2021 ereignete. Auf einem Flug von Casablanca nach Istanbul brach ein Passagier an Bord einer Air-Arabia-Maschine plötzlich zusammen. Die Piloten entschieden sich für eine Notlandung in Palma.

Am Flughafen wurde der angebliche Diabetiker von einem Krankenwagen abgeholt. Eine Gruppe junger Männer nutzte die Gelegenheit, um an der Besatzung vorbei aus dem Flugzeug zu stürmen und in der Nacht zu verschwinden. Die Bilder der Männer auf dem Rollfeld machten tagelang nationale und internationale Schlagzeilen. Die 24 Flüchtigen wurden nach und nach in den folgenden Tagen und Monaten aufgespürt – teils auf der Insel, teils auf dem spanischen Festland. Im Dezember 2024 wurden sie zu einem geringen Bußgeld verurteilt. Es stellte sich heraus, dass sie die Aktion in einer Facebook-Gruppe geplant hatten.

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