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Drogendorf „Las Vegas“, Krokodil in Palma: Diese skurrilen Geschichten haben uns 2025 auf Mallorca bewegt

Drogenclans, die nachts eine beleuchtete Straße bauen. Züchter wilder „Kuschelkatzen“. Und eine Luxusyacht, die plötzlich mit zwei Obdachlosen ablegt: Das war Mallorca 2025

Das hatte 2025 in sich: Wildkatzenzucht, ein Krokodil an der Kathedrale und "Las Vegas" im Drogendorf Son Banya.

Das hatte 2025 in sich: Wildkatzenzucht, ein Krokodil an der Kathedrale und "Las Vegas" im Drogendorf Son Banya. / MZ

Sarah López

Sarah López

Mallorca hat auch 2025 wieder Schlagzeilen geliefert, bei denen man sich ungläubig die Augen reibt: Da züchten Menschen in Ariany wilde „Kuschelkatzen“, im Drogendorf Son Banya wird kurzerhand eine beleuchtete Straße asphaltiert – und zwei Obdachlose stechen mit einer Luxusyacht in See. Die skurrilsten Inselgeschichten des Jahres – eine Auswahl.

Reisen Sie nicht nach Mallorca

Der US-Reiseführer Fodor’s warnt im Januar vor einer Reise nach Mallorca – nicht, weil dort besondere Gefahren lauern, sondern weil die Insel eine Verschnaufpause von den vielen Urlaubern benötige. Andere überlaufene Ziele in Südeuropa wie Barcelona, Venedig, Lissabon sowie die Kanaren schaffen es ebenfalls auf die sogenannte „No List“.

Fodor’s stellt klar, es handle sich bei der Liste keinesfalls um einen Boykottaufruf. Ein solcher schade nur der Wirtschaft und bewirke zudem keinen wirklichen Wandel. Stattdessen wolle man auf Missstände hinweisen.

Las Vegas im Drogendorf

Die acht in Son Banya ansässigen Drogenclans beauftragen Anfang März in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Bauunternehmen damit, ohne Lizenz eine 90 Meter lange Straße zu asphaltieren. Wie eine Landebahn wird sie zudem ringsum beleuchtet. Die Familien schreiben zusätzlich auch noch „Las Vegas“ in großen, bunten Buchstaben auf eine Hütte. Überall wehen Spanienfahnen.

Mit Solarenergie betriebene bunte Laternen leuchten in Son Banya neuerdings den Weg zum Rauscherlebnis in „Las Vegas“.  | FOTO: IB3NOTICIES

Mit Solarenergie betriebene bunte Laternen leuchten in Son Banya neuerdings den Weg zum Rauscherlebnis in „Las Vegas“. / FOTO: IB3NOTICIES

Es ist kein Geheimnis, dass an diesem Ort Drogen aller Art zum Verkauf stehen: von Marihuana bis zu Kamagra, einer indischen Potenzpille mit demselben Wirkstoff wie Viagra. An jeder Einfahrt zur Barackensiedlung stehen Wachmänner der Clans. Als Polizist oder Journalist kommt man nicht einfach ins Drogendorf hinein – was auch ein MZ-Reporter am eigenen Leib erfährt.

Etwa einen Monat nach der „Las-Vegas“-Aktion rücken Bagger und Bulldozer an, um die illegal asphaltierte Zufahrt zur Barackensiedlung sowie die Hütten, in denen Drogen verkauft werden, abzureißen.

Riesige Kuschelkatzen als Haustier

Mitte April nimmt die Guardia Civil auf Mallorca zwei Menschen fest, die in Ariany exotische Katzen züchten. Die Züchter auf der Insel sind nur die Spitze des Eisbergs: Sie gehören zu einem internationalen Netzwerk, an dem Züchter, Transporteure und Tierärzte beteiligt sind und das auch mit anderen geschützten Arten handelt – unter anderem mit weißen Tigern, schwarzen Leoparden, Pumas und Hyänen. Die meisten der zum Verkauf angebotenen Tiere stammen aus Ländern wie Russland, Belarus und der Ukraine und werden illegal in die Europäische Union eingeführt.

Die Katzenartigen wurden bei dem Polizeieinsatz beschlagnahmt.

Die Katzenartigen wurden bei dem Polizeieinsatz beschlagnahmt. / Guardia Civil

In der Finca in Ariany finden Beamte der Tierschutzeinheit Seprona 20 Tiere, darunter Karakale, Servale und andere wilde Katzenarten, außerdem Hybrid-Jungtiere. Die Züchter machen mit den exotischen Tieren viel Geld: Aus Unterlagen geht hervor, dass Hybrid-Jungtiere für 18.000 Euro verkauft werden. Der Verkaufspreis eines Nebelparders soll sogar 60.000 Euro betragen.

Eine legendäre Bootstour

Es ist fast eine filmreife Geschichte: Zwei obdachlose Männer, die für gewöhnlich am Flughafen von Palma übernachten, lassen sich auf ein waghalsiges Abenteuer ein. Einer überredet den anderen zu einer verrückten Idee: eine Bootstour auf dem Meer. Der Initiator des Plans behauptet, nautische Erfahrung zu haben - gemeinsam fahren beide bis nach Can Pastilla, wo sie sich eine unbewachte Luxusyacht schnappen.

Sie stechen in See, genießen für kurze Zeit die ersehnte Freiheit, essen sich satt und trinken Alkohol. Doch der Ausflug aus dem Alltag hält nicht lange: Der „Kapitän“ wird bewusstlos. In Panik ruft der andere die Seenotrettung, die das Boot schließlich mithilfe eines Notfunkgeräts ortet. Die Guardia Civil nimmt beide fest. Der Yachtbesitzer ist not amused, weil das Boot beschädigt ist.

Politischer Ballermann-Hit

Moderatorin Carolin Kebekus präsentiert Anfang Mai in ihrer Late-Night-Show einen Anti-AfD-Song mit dem Titel „Blau“. Mit einem Lied „in der deutschesten aller Musikrichtungen“, dem Ballermann-Partyschlager, will die 45-Jährige eine Gelegenheit schaffen, Haltung gegen rechts zu zeigen.

Kebekus versucht, auch große Ballermann-Künstler mit an Bord zu holen – doch diese zeigen wenig Interesse. Isi Glück etwa sagt ab, wie der Ballermann-Star in den sozialen Medien erklärt. Sie lehne den Song ab „mit der Begründung, dass für mich meine Musik einfach politikfreie Zone bleibt. Punkt!“, sagt sie in einem Video. Der Ballermann sei dafür da, den Kopf auszuschalten.

Kebekus kommt trotzdem an den Ballermann und singt, wie sie im Interview mit der MZ erklärt – doch so richtig kommt „Blau“ am Ballermann nie an.

Ein Krokodil vor der Kathedrale

Ende Juni macht in den sozialen Medien ein ungewöhnliches Bild die Runde: Im Teich vor Palmas Kathedrale schwimmt ein Krokodil. Auch wenn das Reptil täuschend echt aussieht, handelt es sich um eine Skulptur, die an die Legende des „Drac de na Coca“ erinnern soll. Der Legende nach lebte im 17. Jahrhundert ein „Drache“ in den Abwasserkanälen. Das vermeintliche Fabelwesen terrorisierte die Bevölkerung, bis ein Adliger dem Tier ein Ende bereitete: Als er seine Verlobte besuchte, begegnete er dem angeblichen Drachen und tötete ihn mit seinem Schwert.

Ein Krokodil in Palma? Sieht ziemlich echt aus, doch es handelt sich um eine Skulptur.

Ein Krokodil in Palma? Sieht ziemlich echt aus, doch es handelt sich um eine Skulptur. / TikTok @mallorcaentiktok

Letztlich entpuppte sich das „Monster“ als Krokodil, das bis heute im Diözesanmuseum neben der Kathedrale ausgestellt ist. Der Künstler Ricard Chiang hält mit der realitätsgetreuen Darstellung im Teich des Parc de la Mar die mallorquinische Legende am Leben – und erschreckt dabei sicher den einen oder anderen Besucher.

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