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Mallorca 2025: Diese Fälle mit deutscher Beteiligung bewegten die Gerichte

Ob Mord, Betrug oder Körperverletzung – 2025 war ein turbulentes Jahr für Mallorcas Justiz. Besonders viele Fälle betrafen deutsche Urlauber

Das Landgericht in Palma.

Das Landgericht in Palma. / Foto: DM

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Daran ändert sich auch 2025 nichts. Ein Streik der Richter und Staatsanwälte sorgt im Juni für noch mehr Verzögerung. In vielen großen Fällen mit deutscher Beteiligung geht es daher kaum voran.

Keine News bei den Kegelbrüdern

So zum Beispiel bei den "Kegelbrüdern", denen Brandstiftung in der Bar "Why not" an der Playa de Palma vorgeworfen wird. Selbst drei Jahre nach dem Feuer warten die Deutschen noch auf eine Anklage. Die Wirte Alice und Bernd Klotz arbeiten mittlerweile in Paguera.

Richterin nimmt Millionärssohn den Reisepass weg

Dennis V. am Montagmorgen (24.2.) vor dem Gericht in Manacor.

Dennis V. am Montagmorgen (24.2.) vor dem Gericht in Manacor. / B. Ramon

Der deutsche Millionärssohn Dennis V. wird beschuldigt, im August 2024 als Steuermann der Yacht "Luna" auf Mallorca den 20-jährigen Angler Guillem C. fahrlässig getötet haben. Am 24. Februar erscheint der Deutsche vor dem Untersuchungsgericht in Manacor und sagt aus. Während der Anhörung erklärt er vor der Richterin, dass er sich der Kollision seiner Yacht mit einem Fischerboot nicht bewusst gewesen sei und bestreitet eine rücksichtslose Fahrweise. Sein Anwalt bezweifelt sogar, dass Dennis V. überhaupt einen Anteil am Unfall hat. Die Richterin entzieht Dennis V. dennoch den Reisepass sowie den Bootsführerschein. Der Anwalt legt Berufung ein.

Medusa-Betreiber entschädigt Opfer

Christian A. antwortete auf Fragen seiner Anwälte.

Christian A. antwortete auf Fragen seiner Anwälte. / Cati Cladera

Im März soll eigentlich der österreichische Unternehmer Christian A. aussagen, dessen Bar "Medusa Beach Club" im Mai 2024 einstürzte. Fünf Mal wird der Termin verschoben, ehe es am 11. November endlich klappt. Eine reichliche halbe Stunde lang beantwortet der Österreicher Fragen seines Anwalts. An den illegalen Umbauarbeiten, die zum Einsturz führten, sei er nicht beteiligt. Als Christian A. das Lokal an der ersten Meereslinie der Playa de Palma im Jahr 2021 übernahm, habe ihm weder das Rathaus noch eine andere Behörde auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht. Bevor er geht, hinterlässt der Österreicher aus eigenem Antrieb noch 250.000 Euro beim Gericht, die bedingungslos an die Angehörigen der vier Todesopfer und die Verletzten ausgezahlt werden sollen.

Deutscher Mörder gesteht Tat am Ballermann

"Wünsche mir, dass er nie wieder aus dem Gefängnis rauskommt": Das sagt die Witwe des ermordeten Deutschen auf Mallorca zum Gerichtsurteil

mallorcatv.info

Noch ehe der Prozess um einen Mord am Ballermann am 27. März beginnt, einigen sich die Anwälte auf einen Vergleich. Der Deal beinhaltet eine 18-jährige Haftstrafe für den Angeklagten Nigel L. sowie eine Entschädigung in Höhe von 500.000 Euro für die Hinterbliebenen des Opfers.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor Beginn der Verhandlung eine Gefängnisstrafe von 25 Jahren sowie einen Schadenersatz von gut 320.000 Euro gefordert. Die Zeit in der U-Haft seit dem 20. Oktober 2023 wird Nigel L. von den 18 Jahren Gefängnis abgezogen. Der Verurteilte hinterlegt zudem eine Wohnung auf Gran Canaria als Pfand.

Nigel L. hatte José M. R. im Oktober 2023 nach einem Streit in einem Restaurant auf offener Straße mit mindestens elf Messerstichen umgebracht. Das 33-jährige Opfer hinterlässt eine Partnerin und zwei kleine Kinder.

"Witz"-Urteil für Schlägerei am Ballermann

Tom Oliver L. (links) nahm mit einem Dolmetscher auf der Anklagebank platz.

Tom Oliver L. (links) nahm mit einem Dolmetscher auf der Anklagebank platz. / Ollés

Wesentlich umstrittener ist das Urteil im Fall einer Schlägerei zwischen Polizisten und einem deutschen Urlauber im Juni. Tom Oliver L. wird zwar des Mordversuchs freigesprochen, dafür sieht ihn das Gericht der Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt für schuldig. Die zweijährige Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Der Deutsche zahlt den Polizisten gut 2.000 Euro Entschädigung.

Der Vater des Deutschen bezeichnete das Urteil gegenüber der MZ als "Witz". "Es gab keinen Mordversuch. Die Körperverletzung ging von der Polizei aus. Tom hat sich nur gewehrt." Er sieht in den Aussagen der Polizisten sehr viele Widersprüche. Zwei deutsche Augenzeuginnen sagten aus, dass die Polizisten im August 2019 auf den Deutschen einschlugen und nicht andersrum.

Gefühlter Freispruch für Porschefahrerin

Porsche Cayenne überrollt neun Radfahrer auf Mallorca

Porsche Cayenne überrollt neun Radfahrer auf Mallorca / DM

Ähnlich überraschend fällt das Urteil im Juli für die Porschefahrerin aus, die am Tod eines deutschen Radfahrers im Jahr 2018 schuldig ist. Die 35-jährige Spanierin muss nun nicht mehr ins Gefängnis und zahlt lediglich 3.000 Bußgeld. Die Entscheidung ist schwer nachvollziehbar und kommt einen Freispruch nahe.

Die 35-Jährige äußert sich während des gesamten Prozesses kein einziges Mal. Kein Zeichen von Reue, keine Entschuldigung, keine Erklärung. Vor einem Jahr hatte ein Gericht sie zu drei Jahren Haft verurteilt. Zudem sollte sie 213.000 Euro Schmerzensgeld an die acht verletzten Radfahrer zahlen. Ihre Versicherung hatte bereits die Angehörigen des Todesopfers mit 1,5 Millionen Euro entschädigt. Letzterer Punkt bleibt bestehen.

Alle anderen Strafen kassiert das Landgericht auch dank einer gesetzlichen Grauzone ein. Zum Zeitpunkt des Unfalls sah das spanische Strafgesetzbuch erst bei sehr schweren Verletzungen eine Straftat bestehen. Von den acht Deutschen verletzten sich zwar zwei schwer, offenbar aber nicht schwer genug. Sie erhalten nun keinerlei Entschädigung.

Die Richter können zwar nicht nachvollziehen, wie eine Autofahrerin bei klarer Sicht derart abgelenkt sein kann, dass sie eine Gruppe Radfahrer überhaupt nicht sieht. "Das Unfallprotokoll beschreibt aber außer der fehlenden Aufmerksamkeit in dem Moment keine größere Schuld der Frau", heißt es im Urteil. Die Polizei testete die Fahrerin positiv auf Marihuana.

Fall um totes Baby wird neugestartet

Die drei Angeklagten vor Gericht.

Die drei Angeklagten vor Gericht. / B. Ramon

Sich noch länger hinziehen wird der Prozess um das tote Baby, das die Ortspolizei in einem Müllcontainer in Porto Cristo fand. Die zuständige Richterin annulliert den Geschworenenprozess am 6. November. Grund sind erhebliche Zweifel an der Qualifikation des gerichtlich bestellten Gutachters, der ausgesagt hatte, das Kind sei bereits tot zur Welt gekommen. Die Magistratin ordnet darüber hinaus ein Ermittlungsverfahren gegen den Sachverständigen an, da dieser bislang keinen Nachweis über eine entsprechende medizinische Ausbildung erbringen konnte. Das Verfahren muss nun vollständig neu aufgerollt werden – mit einem neuen Geschworenengericht und voraussichtlich einem anderen Gutachter.

Im Dezember noch abgearbeitet

Im Dezember geht es bei der Justiz dann Schlag auf Schlag. Am 16. Dezember verurteilt das Landgericht Essen drei deutsche Mallorca-Urlauber wegen einer gemeinschaftlichen Vergewaltigung zu einer Bewährungsstrafe. Sie hatten einem schlafenden Freund beim Ballermann-Urlaub eine Wasserflasche rektal eingeführt.

Das Gericht in Palma verurteilt am gleichen Tag einen anderen deutschen Mallorca-Urlauber, der mit Falschgeld ein Flugticket kaufen wollte. Einen zweiten in dem Fall beschuldigten Mann spricht die Richterin frei.

Zudem findet der größte Immobilienbetrugsfall auf Mallorca am 18. Dezember einen Abschluss. Die drei Verurteilten, die 240 Käufer um mehr als drei Millionen Euro betrogen haben, bekommen 28 Jahre Haft.

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