Mallorca: Familienvater berichtet von dramatischer Rettung bei Wohnhausbrand
Joseph Rajhi floh aus seiner verqualmten Wohnung in Sa Coma – und rettete im Chaos eine Nachbarin samt Kind. Jetzt steht er mit seiner Familie vor dem Nichts

Das Auto der Nachbarin löste den Wohnungsbrand aus. / Joseph Rajhi
Als Joseph Rajhi vom Brand im Mehrfamilienhaus in Sa Coma, in dem er wohnt, mitbekam, heulten in der Ferne schon die Sirenen der Feuerwehr. Der Tunesier, der mit einer Deutschen zusammen ist, filmte mit dem Handy, wie er aus der Wohnung entkommt. Die Tür zum Treppenhaus öffnen zu wollen, stellte sich als Fehler heraus - zu viel Rauch. Hustend rannte er zur Terrassentür hinaus. "Me cago en la puta" (Verdammter Mist), sagte er und musste immer wieder husten.
"Ich bin als einer der ersten Anwohner aufgewacht", sagt er der MZ. "Meine Partnerin und unsere beiden Kinder waren zum Glück schon im Urlaub in Berlin." Da er im Erdgeschoss wohnt, konnte er einfach dem Flammenmeer entkommen. "Im ersten Stock sah ich meine Nachbarin mit ihrem kleinen Kind. Sie waren völlig erschöpft und schrien um Hilfe. Ich habe mir zuerst das Kind geschnappt und danach ihr heruntergeholfen."

Das Auto der Frau brannte zuerst
Er kannte die Nachbarsfamilie nur vom Sehen. Seine Lebenspartnerin ist mit ihr besser befreundet. Das Hybridauto der Nachbarin hat den Brand in der Tiefgarage verursacht, der auf den zweiteiligen Gebäudekomplex übergriff. Zwischenzeitlich ging die Polizei von Brandstiftung aus. Das Gericht hatte erst einen Tag zuvor ein Näherungsverbot gegen den Ex der geretteten Nachbarin ausgesprochen, der allerdings ein Alibi vorbrachte, das die Polizei nun prüft. "Ich persönlich kenne ihn nicht mal", sagt Joseph Rajhi.

Joseph Rajhi. / Privat
Der Tunesier reiste seiner Familie in den Urlaub hinterher. "Am Freitag kommen wir zurück und müssen schauen, wo wir bleiben", sagt er. Das Rathaus der zuständigen Gemeinde Sant Llorenç hat 24 Personen, die nicht bei Familie oder Freunden unterkommen konnten, in eine Apartmentanlage gebracht. Ab Freitag müssen die Leute aber selbst dafür bezahlen.
"Wer kommt dafür auf?"
"Ich habe mit dem Rathaus gesprochen. Sie rieten mir, meinen Urlaub zu verlängern. Wir zahlen in Berlin aber 200 Euro pro Nacht. Wer kommt dafür auf?", fragt der Tunesier. Seine Wohnung ist schwarz vom Rauch. "Der Strom funktioniert, das Wasser aber nicht." Sein Auto steht noch in der Tiefgarage, die die Polizei momentan für die Ermittlungsarbeiten abgesperrt hat. "Es ist nicht verbrannt, dafür stürzten Deckenteile darauf. Zudem könnte die Hitze den Wagen beschädigt haben. Ich weiß nicht, ob er noch funktioniert."
Wie auch seine Familie betraf der Brand weiter Eltern mit Kindern und ältere Leute. "Die müssen den Jahreswechsel nun außerhalb ihrer vier Wände verbringen", sagt er. Wie es nun weitergeht, weiß er nicht. "Wir wohnen zur Miete. Für die Reparatur wäre der Vermieter zuständig." Eine Versicherung, die jetzt aber für eine Notunterkunft aufkommt, hat er nicht.
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