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Trauer auf Mallorca: Deutscher Auswanderer Ronald B. stirbt über ein Jahr nach Prügelattacke

Nach dem brutalen Angriff zweier Jugendlicher erliegt der zum Tatzeitpunkt 58-Jährige in einem Krankenhaus in Palma seinen Verletzungen

Ronald B. zeigte in den sozialen Medien gerne sein Leben auf Mallorca

Ronald B. zeigte in den sozialen Medien gerne sein Leben auf Mallorca / privat

Der in der deutschen Auswandererszene bekannte und beliebte Ronald B., den zwei Jugendliche im November 2024 in Palma bewusstlos prügelten, ist mehr als ein Jahr nach dem Angriff am Samstag (3.1.) im Alter von 59 Jahren im Krankenhaus Son Espases in Palma verstorben. "Unser Sohn, Bruder und Freund ist friedlich im Kreise seiner Liebsten eingeschlafen", hieß es am Sonntagnachmittag aus Kreisen der Familie gegenüber der MZ. Ronald B. hatte seit dem Vorfall, der auf Mallorca für viel Bestürzung gesorgt hatte, im Koma gelegen.

Anders als zunächst von dem früheren Freund des Verstorbenen, Ricardo E., gegenüber der MZ berichtet, haben die Eltern laut der Familie die lebenserhaltenden Maschinen nicht abstellen lassen. Vielmehr hätte sich der Zustand von Ronald B. wegen eines Lungeninfekts verschlechtert. Ricardo E. widerrief seine Darstellung zudem am Montag (5.1.). Er habe das falsch verstanden.

Anklage jetzt wegen Tötungsdelikts

Zuvor hatte auch Ronald B.s Anwältin Maria Barbancho auf MZ-Anfrage den Tod ihres Mandanten bestätigt. "Ich werde meine Anklageschrift ändern und wegen eines Tötungsdelikts anklagen", so die Juristin. Bislang war von versuchtem Totschlag die Rede. Der Fall soll Anfang des Jahres vor Gericht kommen.

Der brutale Überfall auf den 59-Jährigen ereignete sich in der Nacht des 30. Novembers 2024. Die jugendlichen Angreifer, die B. wohl nicht kannten, hatten den Deutschen angegriffen, als er nach einem Weihnachtsessen alleine zu Fuß auf dem Heimweg in seine Wohnung in Palma war. Den Polizeimeldungen zufolge war B. auf dem Carrer Manacor auf Höhe des sogenannten "Parc Wifi" unterwegs, als die damals 17-Jährigen ihm unvermittelt ins Gesicht schlugen. Der Deutsche kippte um und schlug mit dem Genick an den Gittern des Parks auf. Der damals 58-Jährige blieb bewusstlos am Boden liegen. Laut Polizeibericht prügelten und traten die Angreifer weiter auf das reglose Opfer ein. „Es ist nicht klar, ob sie ihn umbringen wollten. Sie haben seinen Tod aber zumindest mutwillig in Kauf genommen“, heißt es in dem Protokoll, das der MZ vorliegt.

Die Angreifer nahmen dem Deutschen Handy und Brieftasche ab, danach flohen sie, ohne Hilfe zu holen. Ein Passant fand ihn mit einer blutenden Kopfwunde auf dem Boden liegend und wählte um 3.18 Uhr den Notruf. Ronald B. kam mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus.

Angreifer erst später geschnappt

Die Polizei ortete anfangs das gestohlene Smartphone, konnte die Diebe aber nicht ausfindig machen. Erst eine Woche später meldeten sich zwei Zeugen, die laut Protokoll unter Zeugenschutz stehen. Medienberichten zufolge handelt es sich um zwei minderjährige Mädchen, die in der Tatnacht mit den Angreifern zusammen waren. Mutmaßlich wollten die Jugendlichen ihren Freundinnen mit der Gewaltattacke imponieren. Ende Dezember 2024 nahm die Polizei die zwei Minderjährigen fest.

Schon kurz nach dem Überfall machten die Ärzte wenig Hoffnung auf eine Genesung. „Sollte er aus dem Koma aufwachen, gehen die Ärzte davon aus, dass er sein Leben lang in einem vegetativen Zustand bleiben wird“, hieß es schon damals im Polizeibericht. Dazu ist es nun nicht gekommen.

Von Mallorca begeisterter Auswanderer

Ronald B. arbeitet als Projektleiter in einem Callcenter und versuchte, in der Welt des Online-Marketings Fuß zu fassen. Was bleibt, sind auch auf Mallorca die Erinnerungen seiner zahlreichen Freunde und Bekannten, die der Auswanderer unter anderem dadurch kennengelernt hatte, dass er auf Facebook eine Urlaubergruppe und eine Jobbörse leitete. "Ronald hat einen großen Freundeskreis. Er hat immer geholfen, wo er nur konnte, und die schönen Seiten Mallorcas gezeigt“, so sein früherer Lebensgefährte Ricardo E. bei einem MZ-Interview im März 2025. Für ihn ist der Verlust besonders schmerzlich.

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