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Aufwachsen in der Militärkaserne: Neue Einrichtung bietet Platz für bis zu 140 unbegleitete minderjährige Migranten auf Mallorca

Die neue Unterkunft in der ehemaligen Kaserne Son Tous kostet den Staat rund 40 Prozent weniger als bisherige Einrichtungen – und soll Mallorca bei der Aufnahme minderjähriger Migranten entlasten

Die Zimmer der Minderjährigen in der ehemaligen Kaserne Son Tous.

Die Zimmer der Minderjährigen in der ehemaligen Kaserne Son Tous. / Ana B. Muñoz

Die mallorquinische Sozialbehörde IMAS hat am Mittwoch (7.1.) ein neues Aufnahmezentrum für unbegleitete minderjährige Migranten in der ehemaligen Militärkaserne Son Tous vorgestellt. Direkt neben der Einrichtung befindet sich das Zentrum für die vorübergehende Aufnahme von Ausländern (CATE), in dem die Migranten die ersten 72 Stunden auf den Balearen verbringen, bevor sie auf das Festland weiterreisen.

Das zweistöckige Gebäude mit vier Flügeln wurde für die Nutzung als Notunterkunft umgebaut, bislang ist nur ein Flügel in Betrieb. Als Erstes betritt man ein schlichtes, funktionales Foyer. Weiße Wände mit einigen Bildern auf der rechten Seite und einem Regal mit Plastikpflanzen auf der linken Seite lockern den ansonsten nüchternen Raum etwas auf. Der Terrazzoboden unterstreicht die vorherrschende Schlichtheit. Vom Eingangsbereich aus gelangt man sowohl in ein kleines Nebenzimmer, das als Büro mit Schreibtisch und einer weiteren Zierpflanze eingerichtet wurde.

So sieht es im neuen Aufnahmelager für die unbegleiteten minderjährigen Migranten aus.

So sieht es im neuen Aufnahmelager für die unbegleiteten minderjährigen Migranten aus. / Ana B. Muñoz

Fehlende Heizung und WC vor dem Haus

Die Ausstattung ist schlicht, es fehlt noch an Mobiliar, Heizungen und einer gründlichen Reinigung. Die Schlafräume sind bereits mit Etagenbetten ausgestattet, daneben gibt es Aufenthaltsräume, eine kleine Wäscherei und provisorisch aufgestellte Sanitärcontainer vor dem Haus. Auch ein Gelände von rund 5.000 Quadratmetern gehört zum Objekt.

Die provisorisch aufgestellten Sanitäranlagen.

Die provisorisch aufgestellten Sanitäranlagen. / Ana B. Muñoz

Guillermo Sánchez, Präsident des IMAS, besichtigte das Zentrum gemeinsam mit anderen Behördenvertreterinnen. Er erklärte, dass die neue Einrichtung eine geordnete Aufnahme der nach Mallorca kommenden Minderjährigen ermögliche. Vorerst seien 16 Plätze vorgesehen, das Zentrum sei jedoch ausbaubar und könne bei Bedarf bis zu 140 Kinder und Jugendliche aufnehmen. Die Bauarbeiten zur vollständigen Inbetriebnahme wurden als von regionalem Interesse eingestuft, was eine beschleunigte Umsetzung erlaubt.

Günstigere Unterkunft

Die Nähe zum CATE erleichtere laut Sánchez die Zusammenarbeit mit der Nationalpolizei, etwa bei der Altersfeststellung und Registrierung der Neuankömmlinge. Sánchez verwies zudem auf die finanziellen Vorteile des neuen Angebots, das eine Kostenreduzierung von rund 40 Prozent ermögliche. Der Tagessatz pro Platz liege normalerweise bei etwa 239 Euro, sinke jedoch durch die Verfügbarkeit des Gebäudes auf rund 140 Euro, da Mietkosten entfallen.

In dem Zentrum sollen interkulturelle Vermittler, Psychologen, Sozialpädagoginnen und pädagogische Fachkräfte tätig sein. Die minderjährigen Migranten erhalten dort eine erste Betreuung, grundlegende Bildung und Sprachunterricht. Für je 16 Kinder sind vier Betreuungspersonen sowie ein Psychologe und ein interkultureller Mediator vorgesehen. Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach dem Alter und dem individuellen Verlauf jedes einzelnen Jugendlichen – einige könnten sogar in der Einrichtung volljährig werden.

430 unbegleitete minderjährige Migranten auf Mallorca

2025 kamen laut IMAS 267 unbegleitete Minderjährige nach Mallorca – 27 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 50 Prozent mehr als 2023. Derzeit sind rund 430 Minderjährige in Obhut der Sozialdienste – etwa sieben bis achtmal mehr, als die eigentliche Kapazität der Sozialbehörde.

Die neue Unterkunft in Son Tous soll zur Entlastung beitragen. „Für uns war es wichtig, das Angebot verfügbar zu haben“, sagte Sánchez. Er räumte ein, dass die Kapazitäten knapp werden könnten, sollte die Zahl der Neuankömmlinge weiter steigen. Zugleich betonte er, dass das System flexibel sei: Weitere Flügel könnten bei Bedarf geöffnet oder falls nötig, durch die Nutzung zusätzlicher Immobilien. /slr

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