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Auch weil Ausländer die Häuser aufkaufen: Diese Mallorca-Gemeinden verlieren Einwohner

Experten warnen davor, dass der Verlust der Bewohner in kleinen Gemeinden die ländliche Identität Mallorcas gefährden könnte

Herrlich gelegen, aber mit Demografiesorgen: Banyalbufar an der Westküste.

Herrlich gelegen, aber mit Demografiesorgen: Banyalbufar an der Westküste. / DM

Mallorca wächst weiter: Die Insel kommt laut den neuesten Zahlen von Ende 2025 des spanischen Statistikinstituts INE inzwischen auf 960.270 Einwohner. Fünf Gemeinden allerdings verzeichnen einen Rückgang. Sant Llorenç des Cardassar, Escorca, Estellencs, Mancor de la Vall und Banyalbufar.

Sant Llorenç des Cardassar verlor 100 Einwohner, Mancor de la Vall zehn, Estellencs fünf und sowohl Escorca als auch Banyalbufar jeweils vier. Escorca zeigt seit Jahren eine kontinuierliche Abwanderung: Die Gemeinde schrumpfte von 318 Einwohnern im Jahr 2000 auf heute 199.

Immobilien statt Bewohner

Die Gründe für den Rückgang seien unterschiedlich, erklärt der Geografieprofessor Onofre Rullan von der Universität der Balearen (UIB). „In diesen Orten gibt es viel Bewegung auf dem Immobilienmarkt, aber es gibt keine demografische Entwicklung. Häuser werden gekauft, aber nicht bewohnt – sie dienen als Wochenendhäuser, Anlageobjekte oder werden auf Airbnb angeboten.“

Auf Mallorca gehörten viele Häuser inzwischen Investoren, die sie nur hielten, um sie mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Teure Häuser, leere Dörfer

Fünf Gemeinden der Insel haben laut dem Melderegister weniger als 1.000 Einwohner: Fornalutx, Estellencs, Escorca, Deià und Banyalbufar. „Die Bauernhöfe hier kosten Millionen, niemand aus der Region kann sie sich leisten“, klagt Escorcas Bürgermeister Solivellas. Der günstigste Verkaufspreis liegt derzeit bei rund 375.000 Euro – für ein sanierungsbedürftiges Haus. Die teuersten Anwesen kosten bis zu zehn Millionen Euro. Mietangebote sind selten und meist auf elf Monate begrenzt.

Auch Estellencs verliert leicht an Bevölkerung – von 374 auf 369 Einwohner. „Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist fast unmöglich“, sagt Bürgermeister Bernat Isern. „Unter einer Million Euro ist kaum etwas auf dem Markt, und fast alle Mietobjekte sind vergeben. Wenn überhaupt, kaufen Einheimische nur kleinere, günstigere Häuser, die nie öffentlich ausgeschrieben waren. Die großen Fincas gehen an Ausländer.“

Isern fordert eine Debatte über Steuern auf leerstehende Häuser: „Wenn Eigentümer nur 500 Euro im Jahr zahlen, bleibt das Haus zu. Wären es 5.000, würde sich vielleicht etwas ändern.“

In Banyalbufar ist die Lage ähnlich. Der Ort hat 573 Einwohner, und die günstigste Immobilie auf dem Markt liegt laut Bürgermeisterin Leonor Bosch „bei rund einer Million Euro“. „Die Nachfrage ist da, aber wir dürfen kaum bauen. Das bewahrt den Charakter des Dorfes, erschwert aber jede Entwicklung. Die meisten Käufer sind Ausländer, die sich hier nicht anmelden.“

Andere Dynamik im Inselinneren

In Mancor de la Vall ist der Rückgang minimal – zehn Personen weniger als 2024 –, doch langfristig hat sich der Ort positiv entwickelt. Die Einwohnerzahl stieg seit dem Jahr 2000 von 914 auf 1.692, ein Plus von 85 Prozent. Nur Marratxí, Consell und Sencelles wuchsen im selben Zeitraum noch stärker.

Sant Llorenç des Cardassar verzeichnete den größten absoluten Rückgang (–100 Einwohner), hat seit 2000 aber mehr als 3.000 Einwohner gewonnen. Bürgermeister Jaume Soler sieht die Zahlen gelassen: „Viele leben in den Küstengebieten, das erklärt die Verteilung. Unser Wachstum spielt sich dort ab, nicht im Ortskern. In der Gemeinde haben wir zudem eine der ältesten Bevölkerungen der Balearen.“

Ein fragiles Gleichgewicht

Auch wenn die Rückgänge gering sind, warnen Experten: Wenn es keine Wohnpolitik für Einheimische gibt, könnten kleine Orte ihre Identität verlieren. „Die Zukunft der Dörfer mit weniger als 1.000 Einwohnern zu sichern“, heißt es in einem Fazit des Berichts, „ist entscheidend, um Mallorcas ländliche Seele zu bewahren.“

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