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"Es wird praktisch jeden Tag gestohlen": Anwohner des alten Gefängnisses in Palma gehen auf die Barrikaden

Rund 150 Menschen leben laut Schätzung der Nationalpolizei in der früheren Haftanstalt von Palma – unter prekären Bedingungen und zunehmend im Konflikt mit den Nachbarn

Der Konflikt um das alte Gefängnis im Norden von Palma droht zu eskalieren. Die Nationalpolizei von Mallorca hat festgestellt, dass sich im besetzen Gebäude derzeit rund 150 Personen aufhalten. Das ist weniger als bei der letzten Zählung – damals hatte die Stadtverwaltung von Palma noch von mehr als 200 Menschen gesprochen. Dennoch sind Konflikte mit den Nachbarn an der Tagesordnung. Diese haben nun die Faxen dicke und planen für Ende Januar eine Demonstration.

Wie die Vertretung der Zentralregierung auf den Balearen mitteilte, handelt es sich bei dieser Zahl um eine Schätzung, nicht um einen exakten Bevölkerungszensus. Die wechselnde Belegung durch Neuankömmlinge und Wegziehende mache eine genaue Zählung nahezu unmöglich. Die Nationalpolizei betritt das Gelände regelmäßig – insbesondere wegen der zunehmenden Beschwerden von Anwohnern über Konflikte, die einige der Besetzer in der Ruine selbst, aber auch in der Umgebung des Gebäudes verursachen.

Demo gegen das Gefängnis

„Es wird praktisch jeden Tag gestohlen“, sagt Biel González del Valle, Vorsitzender der Nachbarschaftsvereinigung von Cas Capiscol, der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Seine Initiative plant für den 30. Januar eine Demonstration, um die Stadtverwaltung endlich zum Handeln aufzufordern. Ausgangspunkt der Protestaktion ist die Grundschule CEIP Cas Capiscol, nur wenige Meter von der ehemaligen Strafanstalt entfernt. Von dort aus soll die Kundgebung durch mehrere Straßen des Viertels führen und schließlich auf dem Schulhof enden.

Für González del Valle gehören Diebstähle bereits zum Alltag: „Kürzlich wurde jemand bestohlen, während er Möbel auslud. Mir selbst wurde auf dem Parkplatz am Supermarkt Carrefour das Auto aufgebrochen.“ Das Problem breite sich bereits in angrenzende Stadtteile wie Son Oliva oder die Gegend um das Konservatorium aus. Menschen durchkämmten dort Straßen und Viertel in der Nähe des Gefängnisses auf der Suche nach Geld, um sich eine „papelina“ – eine kleine Dosis Kokain oder Heroin – zu kaufen.

Kriminelle Netzwerke und Drogen

Besonders kritisch sieht der Nachbarschaftsvertreter, dass aus seiner Sicht verstärkt kriminelle Netzwerke das Gebäude einnehmen und dort mit Kleindealerei sowie der illegalen Vermietung von Zimmern Geld verdienen. Er habe Bürgermeister Jaime Martínez und den Stadtrat bereits in der Plenarsitzung im Dezember darauf hingewiesen.

Das Rathaus von Palma sieht sich nach eigenen Angaben zum Handeln gezwungen: Die Lebensbedingungen der Besetzer seien unzumutbar, das Gebäude sei einsturzgefährdet, und das Zusammenleben mit der Nachbarschaft sei hoch problematisch. Zudem sei in Kooperation mit dem Inselrat ein Infrastrukturprojekt geplant, bei dem die Zufahrtsstraße zur Ringautobahn in diesem Bereich erweitert werden soll – ein Vorhaben, das das alte Gefängnis teilweise betrifft.

Eine Bleibe für die Bewohner finden

Trotzdem hat die Stadt seit März 2025 keine konkreten Maßnahmen mehr ergriffen. Damals hatten Beamte der Ortspolizei Räumungsbescheide verteilt.

„Das Problem besteht schon lange“, sagte am Mittwoch (14.1.) die Rathaussprecherin Mercedes Celeste. Es gebe zwei Gruppen unter den Bewohnern: zum einen Menschen, die sich aus Gründen der Wohnungsnot gezwungen sehen, dort zu hausen und sich unauffällig verhielten – zum anderen solche, die sowohl untereinander als auch in der Nachbarschaft für Probleme sorgten. Die Sozialdienste seien dabei, die Situation zu erfassen, um wirklich hilfsbedürftigen Personen eine alternative Unterkunft anbieten zu können.

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