Haustierbetrug und Sklaverei: Guardia Civil befreit Rentner aus Fängen krimineller Bande
Die Polizei hat eine Bande zerschlagen, die mit fingierten Anzeigen im Netz über 120 Menschen betrogen hat – darunter auch Betroffene auf den Balearen

Moment der Festnahme bei der Operation "Magna-Vallis" / Guardia Civil
Die Guardia Civil hat in der baskischen Provinz Bizkaia einen 80-jährigen Mann aus den Fängen einer kriminellen Organisation befreit, die ihn systematisch ausgebeutet hatte. Die Bande zwang den Senior nicht nur zum Betteln, sondern missbrauchte seine Identität für groß angelegte Internetbetrügereien mit Haustieren – auch Menschen auf den Balearen fielen auf die Masche herein.
Bei der Befreiung fanden die Ermittler den Mann in einem erschütternden Zustand vor: ungepflegt, unterernährt, sozial isoliert und eingesperrt in einem Zimmer, sobald er nicht zum Betteln eingesetzt wurde. Der Senior war spanischer Staatsbürger und stand unter der vollständigen Kontrolle eines kriminellen Familienclans, den er nach dem Tod seiner Ehefrau kennengelernt hatte. Die mutmaßlichen Täter übernahmen schrittweise sein gesamtes Leben, inklusive der Kontrolle über seine Rente.
Bislang 121 Betrugsopfer ermittelt
Neben der physischen Ausbeutung war der Rentner für die Organisation besonders wertvoll, weil seine persönlichen Daten zur Eröffnung zahlreicher Bankkonten verwendet wurden. Über diese Konten schleuste die Bande die Gelder aus ihren Betrügereien – oftmals in Form kleiner Beträge ("Smurfing"), um die Geldflüsse zu verschleiern.
im Rahmen der Operation "Magna-Vallis" hat die Guardia Civil nun die kriminelle Organisation zerschlagen, die mit fingierten Online-Anzeigen für Haustierverkäufe und -adoptionen arbeitete. Laut einer Pressemitteilung der Polizei wurden 18 Personen in Bizkaia und eine Person in Burgos festgenommen, drei weitere werden strafrechtlich verfolgt. Zu den bislang 121 ermittelten Betrugsopfern zählen auch mehrere Betroffene auf den Balearen. Zusätzlich wurden zehn Fälle von Identitätsdiebstahl festgestellt.

Insgesamt hat die Guardia Civil 19 Personen festgenommen. / Guardia Civil
Mit günstigen Angeboten gelockt
Die Ermittlungen begannen im Februar 2025, nachdem eine betroffene Person gemeldet hatte, für die angebliche Adoption eines Welpen 280 Euro gezahlt, das Tier aber nie erhalten zu haben. Die Guardia Civil stellte daraufhin fest, dass die Täter ein betrügerisches System über verschiedene Online-Portale betrieben: Sie lockten Interessierte mit günstigen Angeboten zur Adoption oder zum Kauf von Haustieren, forderten im Anschluss wiederholt Zahlungen – etwa für Impfungen, Transport oder Ausstattung – und nutzten gefälschte oder fremde Identitäten, verschiedene Telefonnummern sowie ein Netzwerk aus Bankkonten.
Zur Geldwäsche griff die Organisation auf das sogenannte "Smurfing" zurück – dabei werden größere Geldsummen in viele kleinere Zahlungen aufgeteilt, um die Herkunft zu verschleiern. Insgesamt identifizierten die Ermittler 57 Bankkonten und 23 Telefonanschlüsse, die mittlerweile per Gerichtsbeschluss eingefroren wurden. Der entstandene Schaden beläuft sich auf über 36.000 Euro.
Zu Unrecht erhaltene Sozialleistungen
Ein Teil des erbeuteten Geldes sowie unrechtmäßig bezogene Sozialleistungen investierte die Gruppe in Kryptowährungen – der aktuelle Marktwert liegt bei rund 55.000 Euro.
Den Festgenommenen werden unter anderem bandenmäßiger Betrug, Geldwäsche, Identitätsdiebstahl, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel sowie Misshandlung ohne Verletzungsfolge vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern an – es wird nach weiteren Opfern gesucht und versucht, betrügerisch erlangte Gelder zurückzuholen.
Achtung beim Onlinekauf von Haustieren
Der Onlinekauf von Haustieren ist in Spanien grundsätzlich legal, sofern die Tierschutzbestimmungen eingehalten und Transaktionen über anerkannte Züchter oder autorisierte Stellen abgewickelt werden. Die Guardia Civil warnt jedoch eindringlich vor auffällig günstigen Angeboten oder Zeitdruck beim Tierkauf und empfiehlt, keine Vorauszahlungen zu leisten und immer vollständige Unterlagen – etwa Impfpass und Mikrochipnachweis – einzufordern. /bro
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