"Garage voller Mäusebabys": Neue Details im Prozess um Schildkrötenzucht auf Mallorca
Die Guardia Civil entdeckte in der Finca der Angeklagten eine Mäusezucht, die als Futter für die Schildkröten diente

Geschützte Schildkrötenarten wurden in der Finca gefunden. / Nele Bendgens
Im Prozess um eine mutmaßlich illegale Schildkrötenzucht zweier Deutscher auf Mallorca haben Ermittler der Guardia Civil am Mittwoch (21.1.) vor dem Landgericht in Palma neue Details geschildert.
„In der Finca, in der sich eine große Zahl von Schildkröten befand, fanden wir auch eine Mäusezucht – Hunderte von Tieren, die als Futter für die Schildkröten dienten“, erklärte ein Beamter. Die Nagetiere seien in einer Art Garage mit starkem Gestank untergebracht gewesen. „Ein Teil der Schildkröten wurde mit sogenannten Pinkys gefüttert – neugeborenen, haarlosen Mäusen“, ergänzte der Beamte.
Auch der leitende Ermittler der Umwelteinheit Seprona bestätigte den Fund auf der Finca im Gemeindebereich Llucmajor: „Ein Garagenraum wurde zur Mäusezucht genutzt, um die Schildkröten zu füttern.“
Verbindungen nach Asien und Afrika
Nach Angaben der Ermittler unterhielt das deutsche Paar, das auf der Anklagebank sitzt, kommerzielle Kontakte nach Asien. „In ihren Chatverläufen fanden wir zahlreiche Geschäftsverbindungen nach Hongkong – dort ging es um Geld und den Handel mit Tierarten“, sagte ein Beamter.

Eines der Tiere. / Nele Bendgens
Ein weiterer Ermittler sprach von „deutlichen Spuren in Richtung Asien“ und bestätigte, dass die Angeklagten Besucher aus Hongkong empfangen hätten. Die Guardia Civil fand zudem Telefonnummern mit Ländervorwahlen aus Uganda, Kamerun, Ägypten und dem Kongo. „Sie sprachen über Bestellungen“, hieß es.
Einer der Verdächtigen habe außerdem Kontakte nach Nicaragua und anderen afrikanischen Staaten gepflegt – stets mit dem Ziel, „Tierexemplare für den Handel zu beschaffen“.
Geld- und Tiertransporte über Paketdienst
Nach Angaben der Ermittler nutzten die Angeklagten ein Kurierunternehmen im Gewerbegebiet Son Noguera, um Geld und Tiere zu verschicken. „Über diesen Dienst wurden sowohl Zahlungen als auch Sendungen mit lebenden Tieren abgewickelt“, bestätigte ein Beamter.
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Deutschen vor vor, in den Jahren 2012 bis 2018 geschützte Schildkröten auf einer Finca in der Gemeinde Llucmajor gezüchtet und verkauft zu haben. Dabei sollen sie hohe Einnahmen erzielt haben, die sie nicht versteuerten.
Die beiden Deutschen bestreiten die Vorwürfe. Die Schildkrötenzucht sei für sie nur "ein Hobby", sagten sie 2019 gegenüber der MZ.
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