Europas größte illegale Schildkrötenzucht: So lief die Durchsuchung bei den deutschen Betreibern auf Mallorca ab
Auf Mallorca läuft ein brisanter Prozess gegen ein deutsches Paar: Es geht um Europas mutmaßlich größte illegale Schildkrötenzucht

Diese Schildkröten sollen zwei Deutsche auf Mallorca illegal gezüchtet haben / Nele Bendgens
Der Prozess um Europas mutmaßlich größte illegale Schildkrötenzucht geht weiter. Am Donnerstag (22.1.) sagte ein Beamter der Guardia Civil aus, der die Finca der deutschen Betreiber auf Mallorca durchsuchte.
„Der erste Tag der Durchsuchung war am 27. Juni 2018. Es gab Unmengen an Schildkröten“, sagte der Ermittler. „Der Angeklagte war sehr nervös. Er konnte oder wollte nicht verstehen, warum wir dort waren. Er identifizierte zwar einige Arten, die meiste Arbeit machten aber unsere Experten.“
Überall hätten sich auf der Finca Land- und Wasserschildkröten befunden. „In über einen Meter großen Wassertanks schwammen je fünf oder sechs Exemplare. Die Sonne prasselte darauf hinab. Ich dachte, das Wasser müsse heiß sein“, sagte der Beamte.
Nervosität bei der Durchsuchung und widersprüchliche Expertisen
Der 54-jährige Besitzer sei deutlich angefressen gewesen, sagte ein anderer Ermittler der Tierschutzeinheit Seprona der Guardia Civil aus. „Wir hatten einen Dolmetscher dabei und der Deutsche beschwerte sich die ganze Zeit über die Übersetzung. Ihm war gar nicht wohl dabei.“
Die Vielzahl an Schildkröten erschwerte die Identifikation der Tiere. „Einige Exemplare waren in keinem guten Zustand, meinte einer unserer Experten“, sagte der Ermittler. Andere vor Gericht befragte Experten bescheinigten den Tieren jedoch einen tadelosen Zustand.

Geschützte Schildkrötenarten wurden in der Finca gefunden. / Nele Bendgens
Mehrere Tage durchstöberten die Beamten die Finca und brachten sogar einen Spürhund mit, der Bargeld auffinden sollte. Die Suche schlug fehl.
Wie die Ermittlungen begannen
Die Polizei kam den Deutschen auf die Fährte, als ihnen eine Schildkrötenlieferung ins Netz ging. Die Zollbehörde am Flughafen beschlagnahmte im März 2017 acht Exemplare, die an eine Tierarztpraxis an der Playa de Palma geliefert werden sollten.
„Die Leiterin der Praxis sagte aus, dass die Schildkröten ihrem Mann gehören. Wir machten einen Termin auf der Polizeiwache aus“, sagte einer der Polizisten. Die beiden Deutschen wurden vorstellig. „Sie hatten Jungtiere dabei, die allerdings nicht mit den Unterlagen der Lieferung übereinstimmten. Das Gericht in Inca hatte erst kürzlich eine Durchsuchung angeordnet. Zudem gab es einen weiteren auf Tiere bezogenen Einsatz der Polizei. Wir nahmen die Deutschen daher fest.“
Absender in Barcelona und Strafmaß-Forderungen
Die Polizei befragte auch den Absender der abgefangenen Postsendung. Dabei handelte es sich um einen Betreiber einer Reptilienhandlung in Barcelona. Der Spanier sagte aus, dass die fraglichen Schildkröten nie länger bei ihm gewesen seien. Er habe sie nur aus Freundschaft zu dem Deutschen verschickt, der zuvor wohl bei einer wichtigen Konferenz als Redner auftrat und die Tiere zu Vorführungszwecken dabei hatte.
Anders als der Deutsche habe der Spanier ohne Einwände mit der Polizei kooperiert. Auch er sitzt auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn zwei Jahre Haft, für das deutsche Paar fünfeinhalb Jahre Haft. Zudem sollen die Angeklagten anderthalb Millionen Euro Strafe zahlen.
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