Deutscher Supermarkt in Santa Ponça: "Es ist kein Problem, die Kühlkette zu garantieren"
Sascha Funk betreibt den Mundi Culinario in Santa Ponça. Die geplante Schließung des SAM an der Playa de Palma kommt für ihn wenig überraschend

Im Mundi Culinario in Santa Ponça finden deutschsprachige Residenten und Urlauber viele Produkte aus ihrer Heimat. / Nele Bendgens
Der deutsche Supermarkt SAM an der Playa de Palma steht vor dem Aus. Zumindest kündigte das Betreiberin Silla Voigt gegenüber der MZ an. Für Sascha Funk kommt die Entscheidung nicht überraschend. Er betreibt den deutschen Supermarkt Mundi Culinario in Santa Ponça. "Ich kann es nachvollziehen. Es nagt an einem, wenn man ständig von Kunden beschimpft wird", sagt er der MZ.
Der SAM und Mundi Culinario haben den gleichen Ursprung. Deli Mallorca in Campos machte den Anfang. "Ein Herr Schüchen suchte Partner für weitere deutsche Supermärkte. Das war vor über 20 Jahren", sagt Funk, dessen Vater dann den Mundi Culinario gründete.
Über die Jahre habe der Deutsche immer geschaut, wie es denn bei der Konkurrenz laufe. Er will nicht ausschließen, dass einige der Vorwürfe stimmen. SAM-Kunden und eine ehemalige Mitarbeiterin haben über systematische Mogeleien mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum berichtet. So seien abgelaufene Produkte weiter verkauft worden, ohne gekennzeichnet zu sein. In manchen Fällen sei sogar einfach das Etikett überklebt worden. Die Betreiberin bestreitet diese Vorwürfe.
So läuft das Geschäft im Mundi Culinario
Bis zur Corona-Pandemie hatte Mundi Culinario neben Santa Ponça noch Filialen in Cala Ratjada und Campos. "Sie brachten kleine Gewinne ein, waren aber nicht sonderlich lukrativ", sagt Funk. "Ich lebe in Deutschland und habe für Santa Ponça eine Filialleiterin. Es war eine persönliche Entscheidung, Campos und Cala Ratjada aufzugeben." Besonders bei der Filiale im Nordosten ist ihm der Wehmut anzuhören. "Das war ein geiles Lokal, das mit dem SAM vergleichbar war."
In Santa Ponça sind es überwiegend deutsche Residenten, die ihren Heißhunger auf deutsche Produkte stillen. "Es braucht keinen deutschen Supermarkt auf Mallorca. Aber es gibt viele Produkte, die man in den spanischen Filialen von Aldi und Lidl nicht findet", sagt Funk und nennt verschiedene Biermarken und Molkereiartikel als Beispiel. Die Urlaubssaison habe keinen Einfluss auf das Geschäft. "Im Winter läuft es meist sogar besser."

Einst gab es auch einen Mundi Culinario in Campos und Cala Ratjada, mittlerweile gibt es nur noch das Geschäft in Santa Ponça / Nele Bendgens
Wie die Ware auf die Insel kommt
Wie der SAM, arbeitet auch Mundi Culinario mit Edeka zusammen. "Wir haben zudem ein Abkommen mit Rewe und einzelnen Herstellern direkt." Funk bestellt die Ware, die dann zwei bis drei Tage mit einem Laster unterwegs ist. "Flugfracht hatten wir mal in Betracht gezogen, das lohnt sich aber nicht." Die Kühllaster werden auf der Fähre an den Strom angeschlossen und fahren auf der Insel den Spediteur Benzinger an. Dort wird in einem Kühlhaus umgefrachtet.
Mit einem kleineren Laster geht es dann nach Santa Ponça. "Der hat eine Trennwand. Ein Teil wird auf minus 20 Grad herabgekühlt, der andere knapp über dem Gefrierpunkt. Es ist kein Problem, die Kühlkette einzuhalten", sagt Funk. In 20 Jahren sei es nur einmal vorgekommen, dass die Trennwand nicht hochgezogen war. "Fehler können passieren. Die Produkte gingen umgehend zurück. Das Vanilleeis kam mir schon entgegen geflossen."
Vor Ort werden die bestellten Produkte kontrolliert. "Je nach Ware haben wir mit den Lieferanten ein Abkommen, dass entsprechend Zeit mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum übrig ist", sagt Funk. Hin und wieder passiert es, dass diese Frist unterschritten wird. "In dem Fall bekomme ich eine Teilgutschrift, biete die Produkte aber weiter im Laden an." Mundi Culinario habe den Vorteil, ein Kühlhaus zu besitzen. "Ich kann daher erst die Ware verkaufen, bei der das Datum bald abläuft, ehe ich neue nachlege."
Tägliche Kontrollen
Täglich kontrollieren die Mitarbeiter die Ablaufdaten. "Zwei bis drei Tage vor Ablauf reduzieren wir die Ware. Am Tag selbst nehmen wir sie aus den Regalen. Da gibt es keine Ausnahmen", sagt Funk. "Auch wir können aber mal Fehler machen und ein Produkt übersehen."
Den SAM nach einer möglichen Schließung zu übernehmen, plane Funk nicht. "Ich habe im vergangenen Jahr viel Geld in meinen Laden gesteckt und weiß, was eine Renovierung kostet. Im SAM stehen einige Dinge an: Regale und Kühlgeräte müssten erneuert werden. Mir tut es aber für Silla leid, dass sie ihren Traum verliert."
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