Bier als Brandbeschleuniger benutzt? Das steht in der Anklageschrift gegen die Kegelbrüder auf Mallorca
Die Staatsanwaltschaft fordert je sieben Jahre Haft für die acht angeklagten deutschen Mallorca-Urlauber, die im Mai 2022 einen Brand an der Playa de Palma gelegt haben sollen

Die am 20.5.2022 abgebrannte Terrasse des unlängst eröffneten Lokals Why not Mallorca. / DM
Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca hat am Montag (26.1.) offiziell Anklage gegen die sogenannten "Kegelbrüder" erhoben. Die acht deutschen Urlauber sollen im Mai 2022 einen schweren Brand in der Bar Why Not Mallorca verursacht haben. Der MZ liegt die Anklageschrift vor.
Die acht Beschuldigten im Alter von 26 bis 30 Jahren haben keine Vorstrafen und saßen vom 21. Mai bis 2. Juni 2022 in Untersuchungshaft in Palma. Sie bestreiten die Vorwürfe. Laut ihrer Darstellung haben sie vielmehr versucht, den Brand zu löschen.
"Die bisherigen Ermittlungen haben keine belastbaren oder eindeutigen Beweise für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten hervorgebracht", heißt es auch in einer Pressemitteilung der Anwälte der Beschuldigten. Wann genau es zu dem Prozess kommt, ist noch ungewiss.
Der vermeintliche Tathergang
Ein Teil der Gruppe soll am 20. Mai 2022 die Zimmer 1204 und 1205 des Hotels Whala Beach in Arenal bezogen haben. Fünf weitere Männer kamen in den Zimmern 1209 und 1216 unter. Im Zeitraum zwischen 14.30 und 15 Uhr sollen die Angeklagten von einem Balkon auf den anderen geklettert und dabei "glühende Zigarettenstummel, Bier und andere Flüssigkeiten" auf die Straße geworfen haben, heißt es in der Anklageschrift.
Dabei sollen die Männer gelacht und sich gegenseitig zu waghalsigen Aktionen angestachelt haben. "Allen war klar, was die anderen taten", schreibt die Anklage. "Sie waren sich der Gefahr bewusst. Ihre Taten gefährdeten das Leben und die Gesundheit der Hotelbewohner."

Gruppenfoto der 13 Kegelbrüder an der Playa de Palma bevor neben ihrem Hotel ein Brand ausbrach. / MZ
Letztlich sollen die Männer auf den Balkon des Zimmers 1202 geklettert sein, das zu dem Zeitpunkt nicht belegt war. Von dort "legten sie mit Zigarettenstummeln und einem Brandbeschleuniger wie Bier oder anderen Flüssigkeiten, die sie tranken, einen Brand auf dem Schilfdach der Bar Why Not Mallorca".
Der Brand brach über der Außenterrasse der Bar aus, in der zu diesem Zeitpunkt keine Gäste saßen. Die Wirtin saß mit weiteren Personen jedoch auf der Terrasse vor der Eingangstür. Das Feuer griff schnell auf das ganze Lokal über. Die Anwesenden "mussten unter Lebensgefahr die Flucht ergreifen", so die Anklage.
Die Schäden und Entschädigungen
In den umliegenden Gebäuden sei wegen der großen Rauchsäule Panik ausgebrochen. Die Einsatzkräfte brachten alle Anwohner und Hotelgäste in Sicherheit. Eine Frau verletzte sich im Tumult an einem Zeh, eine Minderjährige am Kopf und ein Mann durch den eingeatmeten Rauch. Eine Scheibe im Wert von 25 Euro ging zu Bruch.
Der Schaden in der Bar Why Not wird von einem Gutachter auf gut 65.000 Euro geschätzt, die Versicherung zahlte bereits gut 15.000 Euro. Die darunter liegenden Bar Cupido brannte völlig nieder. Der Schaden wurde anfangs auf 129.000 Euro geschätzt, der Gutachter kam jedoch nur auf 7.200 Euro.

Die Kneipe "Why not Mallorca" nach ihrer Schließung im Juli 2024. / mallorcatv.info
Eine Wohnungseigentümerin erlitt Schäden in Höhe von knapp 12.000 Euro (sie bekam gut 42.000 Euro von der Versicherung), und auch die Mieterin der Immobilie stellte nicht näher genannte Ansprüche. Der Schaden des Hotels, in dem die Kegelbrüder untergebracht waren, auf gut 14.000 Euro geschätzt.
Die Deutschen haben bereits gemeinsam 500.000 Euro und zusätzlich pro Person 12.000 Euro an Kaution hinterlegt. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass zwei von ihnen leichte Rauchvergiftungen erlitten.
Die Strafforderung
Den Deutschen wird Brandstiftung und leichte Körperverletzung in zwei Fällen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft pro Angeklagten. Zudem sollen sie ein Bußgeld in Höhe von drei Monaten zu Tagessätzen in Höhe von 10 Euro zahlen. Bei Nichtzahlung würde sich die Gefängnisstrafe entsprechend erhöhen. Zuletzt sollen sie die Geschädigten mit rund 100.000 Euro entschädigen.
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