Drohungen, Rache und Schüsse auf offener Straße: Wie erbarmungslos sich zwei Banden auf Mallorca bekriegen
Mehrere Tatorte, mehrere Urteile: Nach den gegenseitigen Angriffen der Banden „Los Sheriff“ und „Los Pelúos“ zieht die Justiz in Palma Konsequenzen

Polizisten suchen Patronenhülsen nach einem Schusswechsel der beiden Clans (Archivbild) / Guillem Bosch
Straßenkämpfe, Schusswaffengebrauch: Was klingt, wie ein Szenario aus New Yorks Problemvierteln ist auch in Palma Realität - wenn auch in deutlich abgeschwächter Form und nicht alltäglich. Dennoch: Jahrelang haben sich hier zwei Banden gewaltsam in der Inselhauptstadt bekriegt: „Los Sheriff“ und „Los Pelúos“, die seit fünf Jahren immer wieder aufeinander losgehen. Jetzt wird der Kampf vor Gericht ausgetragen; die Justiz hat bereits empfindliche Strafen gegen Mitglieder beider Lager wegen dieser gegenseitigen Attacken verhängt.
Drogenstreit als Ursprung
Der Ursprung des Konflikts reicht bis Anfang 2021 zurück. Die Nationalpolizei verortet den ersten Vorfall in einer Auseinandersetzung um die Kontrolle über eine besetzte Wohnung im Brennpunktviertel Son Gotleu, in der offenbar große Mengen Marihuana angebaut wurden. Die einen warfen den anderen vor, den Beamten einen Tipp gegeben zu haben, und die Reibereien mündeten in eine Spirale der Gewalt mit unvorhersehbaren Folgen.
Die erste Gewalttat ereignete sich am 18. Mai jenes Jahres. Mehrere Mitglieder von „Los Sheriff“ fuhren zu einer Wohnung von „Los Pelúos“ im Carrer Sant Fulgenci in Son Gotleu. Sie waren mit Schusswaffen und Messern bewaffnet und schossen mehrfach auf das Gebäude, in dem sich unter anderem auch drei Kinder und ein Baby befanden. Ein junger Mann aus dem rivalisierenden Clan wurde dreimal in den Rücken geschossen und musste medizinisch behandelt werden. Die Angreifer drangen schließlich in die Wohnung ein, richteten eine Waffe auf das Oberhaupt der Gegenseite und sagten ihm, wenn sie Mallorca nicht verließen, würden sie sie töten. Für diesen Angriff wurden am Dienstag (3.2.) Angehörige von „Los Sheriff“ zu Strafen verurteilt, die sich auf insgesamt 15 Jahre und sechs Monate Haft summieren.
Schüsse auf der Straße
Am 27. Oktober jenes Jahres kam es zu einer weiteren Schießerei. Diesmal waren es „Los Pelúos“, die aus Rache auf ihre Rivalen schossen. Mehrere Mitglieder des Clans begaben sich zu dem Wohnhaus, in dem Angehörige von „Los Sheriff“ lebten, im Carrer Manacor in Palma, und feuerten sechs Schüsse auf die Tür und die Fassade ab. Zwei Männer wurden für diesen Vorfall insgesamt zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Die dritte Schießerei ereignete sich am 6. Juli 2022 im Viertel Son Oliva. Der Anführer von „Los Pelúos“ schoss vom Balkon seines Hauses im Carrer Isaac Peral auf einen Porsche Cayenne, in dem drei Mitglieder von „Los Sheriff“ unterwegs waren. Es gab keine Verletzten, obwohl die Nationalpolizei acht Einschüsse in der Karosserie fand. Der Schütze akzeptierte eine Haftstrafe von fünf Jahren.
Einen Monat später, am 7. August 2022, versuchten mehrere Mitglieder von „Los Pelúos“, einen ihrer Rivalen zu töten. Sie schlugen ihn mit Stöcken und trafen ihn mit einem Stein am Kopf, wodurch er sehr schwere Verletzungen erlitt. Vier Angeklagte akzeptierten für diese Taten jeweils eine Haftstrafe von zwei Jahren. /somo
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