Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Ein Schandfleck an exponierter Stelle auf Mallorca: Wie es jetzt mit der Stadtmauer Baluard del Príncep in Palma weitergehen soll

Nachdem die Arbeiten wegen der Insolvenz der Baufirma gestoppt wurden, soll das spanische Wohnungsministerium nun eine neue Ausschreibung abschließen und die Fertigstellung bis 2027 anstreben

Viele Spuren von Besetzungen in den Bögen der Stadtmauer.

Viele Spuren von Besetzungen in den Bögen der Stadtmauer. / Miguel Vicens

Miguel Vicens

Miguel Vicens

Was ist eigentlich am Baluard del Príncep los? Das östliche Ende der Stadtmauer von Palma ist seit Jahren fast fertig restauriert, die letzten paar Prozent fehlen aber noch. Und inzwischen befinden sich weite Bereiche der hergerichteten Mauer schon wieder in einem bemitleidenswerten Zustand. Seit mehr als zwei Jahren wird nicht weitergebaut, nachdem die Arbeiten wegen der Insolvenz der beauftragten Firma gestoppt wurden.

Nun soll am 16. Februar das spanische Wohnungsministerium die neue Ausschreibung abschließen und endlich eine neue Baufirma mit der Fertigstellung beauftragen. Der Bau der beiden Architekten Elías Torres und José Antonio Martínez Lapeña ist zu 93 Prozent fertiggestellt, die Arbeiten könnten im März oder spätestens im April wieder aufgenommen werden – mit einem Budget von 1,6 Millionen Euro.

Graffiti, Müll und Besetzer

Die neue Baufirma wird jedoch eine böse Überraschung erleben: Der Zustand des Baluards ist stark verfallen – nicht nur in den unvollendeten Bereichen, sondern auch in jenen, die zwischen 2013 und 2017 eröffnet wurden. Der helle Sandstein und die weißen Mauern sind kaum wiederzuerkennen.

Sieht nicht gerade einladend aus: Die Stadtmauer am Baluard del Príncep.

Sieht nicht gerade einladend aus: Die Stadtmauer am Baluard del Príncep. / Miguel Vicens

Graffiti bedecken die Wachposten, Laternen, Steinbänke, Wände und Treppen. Überall liegt Müll – im Graben und unter den Brückenbögen. Wildwuchs breitet sich unkontrolliert an der Mauer und auf den Wegen aus. Feuchtigkeitsflecken schwärzen die einst makellosen Treppen und Mauern.

Spuren von Besetzungen sind allgegenwärtig: Matratzen, Decken, Schlafsäcke, alte Heizkörper und Schutt liegen in den ehemaligen Bauzonen. Eigentlich hatte eine Gruppe Obdachloser nach einer Räumungsdrohung durch die Stadt Palma die Besetzung im Februar 2025 aufgegeben. Umgestürzte Absperrungen und verstreutes Baumaterial erinnern an den abrupten Baustopp.

"Ein einziges Desaster"

„Es gibt sehr unzivilisierte Menschen“, beklagt Pedro Juan Llompart, seit mehr als 60 Jahren Bewohner des Viertels Sa Calatrava in Palma, während er mit seinem kleinen, aufmerksamen Ratero-Hund rund um das Baluard del Príncep spaziert. „Das hier ist ein einziges Desaster“, sagt er. „Ich sehe jeden Tag Leute, die ihre Müllsäcke einfach in den Graben werfen, als wäre das ein offener Container. Das darf doch nicht sein.“

„Überall ist Schmutz. Haben sie gesehen, wie es hier aussieht?“, fragt er und zeigt auf einen Haufen Bauschutt. „Unter der Brücke hat sich jemand eingerichtet und über 20 Meter Kabel verlegt, um Strom zu seiner Schlafstelle zu leiten“, erzählt er. „Ich glaube, er hat sogar Canal+“, fügt er ironisch hinzu.

Obdachlose haben sich eingerichtet

Der Verfall und das Fehlen von Absperrungen haben dazu geführt, dass das Baluard del Príncep zu einem Zufluchtsort für Obdachlose geworden ist. Unter den überdachten Bereichen der alten Stadtmauer suchen sie Schutz vor Wind und Wetter. Tagsüber sitzen sie auf den Bänken der Porta del Camp, der Plaça de Santa Fe oder in der Carrer Bala Roja, nachts kehren sie unter die Bögen des Baluards zurück.

Umgestürzte Zäune, Unkraut: So sieht es auf der halbfertigen Stadtmauer aus.

Umgestürzte Zäune, Unkraut: So sieht es auf der halbfertigen Stadtmauer aus. / Miguel Vicens

Unter der Brücke sind Matratzen, Decken, Teppiche, ein provisorischer Tisch, ein Wäscheständer, eine Schüssel zum Sammeln von Regenwasser und ein alter Heizkörper zu sehen. Ein Kabel zieht sich über den Boden bis zu einer der Lampen an der Mauer – vermutlich die einzige Stromquelle.

In einem weiteren, unvollendeten Innenraum – halb offen, ohne Tür – haben sich ebenfalls Menschen eingerichtet. Zwei Matratzen, Decken und einige Habseligkeiten liegen dort, teils in einer großen Pfütze vom Regen der letzten Tage.

Fertigstellung soll 2027 erfolgen

Das Baluard del Príncep wurde in mehreren Phasen eröffnet – erstmals 2013, erneut 2017 –, doch seine Ursprünge reichen drei Jahrzehnte zurück. Das Projekt wurde ursprünglich vom ersten demokratisch gewählten Bürgermeister Ramón Aguiló initiiert und später von Joan Fageda fortgeführt, der mit den Familien verhandelte, deren Militärwohnungen 2006 abgerissen wurden.

Die beiden letzten Bauphasen sollen innerhalb von zwölf Monaten abgeschlossen werden, sodass die Fertigstellung bis 2027 vorgesehen ist – vorausgesetzt, die Vergabe erfolgt im März oder April.

„Ich komme gerne hierher, um den Blick aufs Meer zu genießen“, sagt Margalida, eine Bewohnerin Palmas, auf der höchsten Plattform des alten Bollwerks. „Wenn nur der Autobahnlärm nicht wäre – es wäre perfekt.“ Sie bewundert die Arbeit des Architekten Elías Torres und hofft: „Wenn die Bauarbeiten jetzt wirklich wieder aufgenommen werden, wird das für Palma ein großer Gewinn sein.“ /jk

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents