Ein Herz für die Tiere und das Meer – so sieht der Alltag bei den Ehrenamtlichen der Meeresschutzstiftung des Palma Aquariums aus
Die Freiwilligen sind engagiert bei der Sache. Auch wenn es mal dreckig wird

Tecnico Sergí Guasch (li.) mit zwei Freiwilligen bei der Behandlung der verletzten Meeresschildkröte „Rainer Maria". / Nele Bendgens
„Als wir den verletzten Leo aus dem Wasser zogen, sah ich, wie unter der Wunde an seinem Panzer Krabben hervorkrochen, die an seinem Fleisch geknabbert hatten. Das Bild hat sich mir für immer eingebrannt“, erzählt Josefina Galinda (67). Ihre sanfte Stimme geht in dem Brummen der Wasserpumpen fast unter. Hier in einer dunklen und lauten Ecke der Tiefgarage des Palma Aquarium liegt das Wiederherstellungszentrum für verletzte Meeresschildkröten der Meeresschutz-Stiftung des Palma Aquarium. Die auch im Mittelmeer heimischen Unechten Karettschildkröten (Caretta caretta) sind vom Aussterben bedroht und stehen weltweit unter Artenschutz. Verletzte Tiere werden hier mit der Hilfe von Freiwilligen wieder aufgepäppelt und danach wieder freigelassen.

V. l. n. r.: Belen Sans erklärt den Inhalt des „Baby-Breis“, den die heranwachsenden Schildkröten mit der Pinzette gefüttert bekommen. Debora Morrison, die Leiterin der Meeresschutz-Stiftung.
Unermüdlich im Einsatz für die Meerestiere
„Sobald jemand auf den Balearen ein verletztes Exemplar im Wasser oder am Strand antrifft, sollte sie oder er sofort die 112 wählen. Die Notrufzentrale meldet den Fund dann direkt bei uns, vergangenes Jahr waren wir bei 121 Meeresschildkröten im Einsatz“, erklärt Debora Morrison, die Leiterin der Meeresschutz-Stiftung. Sie hilft genauso wie die Freiwilligen an diesem Montagmorgen aktiv mit, um die anwesenden Tiere zu versorgen. „Wir sind hier wie eine Familie, uns eint die Liebe zu den Tieren und dem Meer“, sagt Belen Sans (68), während sie für die Fütterung der Meeresschildkröten Fisch zerschneidet. Sie zerlegt die Sardinen in häppchengroße Teile und wiegt sie dann auf einer Küchenwaage ab. Jede der momentan fünf verletzten Meeresschildkröten auf Station hat ihre eigene Krankenakte. Dort sind alle Medikamente und Anweisungen vermerkt, die das Tier betreffen, so auch, wie viel gefüttert werden soll.

Belen Sans erklärt den Inhalt des „Baby-Breis“, den die heranwachsenden Schildkröten mit der Pinzette gefüttert bekommen. / Nele Bendgens
Auch im Aufzuchtprogramm für Meeresschildkröten wird mitgeholfen
Etwa 65 Freiwillige im Alter von 19 bis 80 Jahren sind momentan für die Meeresschutz-Stiftung aktiv. Sie erhalten zu Beginn eine Schulung für die Pflege der Tiere, aber auch genaue Anweisungen, was bei Strandungen von Meerestieren und anderen Außeneinsätzen zu tun ist. „Unsere Aufgaben sind vielfältig. Wir betreuen nicht nur die Schildkröten, sondern sind auch zuständig, wenn Delfine, Haie oder andere Meerestiere angespült werden“, sagt Morrison. Außerdem gibt es ein Aufzuchtprogramm, in dem momentan dreizehn Meeresschildkröten heranwachsen. Sie sind aus Eiern geschlüpft, die ihre Mutter an Stränden der Balearen abgelegt hat. „Von tausend abgelegten Eiern überlebt in der Natur nur ein Tier“, sagt Morrison. Hier sind es im Verhältnis wesentlich mehr.

Auch Debora Morrison, die Leiterin der Meeresschutz-Stiftung, hilft mit. / Nele Bendgens
Die Freiwilligenarbeit erfordert Engagement und Tierliebe
Die Stiftung engagiert sich auch bei Strandreinigung und Aufklärungsarbeit. Dienste werden wöchentlich über eine WhatsApp-Gruppe verteilt. Vormittags kümmern sich fünf Freiwillige um die Meeresschildkröten. Wenn Röntgenaufnahmen oder OPs anstehen, sind es Zweierteams, die die Tiere zu dem Tierarzt Nacho Serra von der Clínica Veterinaria La Vileta in Palma bringen. Hinzu kommen die Einsätze, sobald ein verletztes Tier gesichtet wird. Dann fährt ein Zweierteam so schnell wie möglich zum Fundort des verletzten oder bereits verendeten Tieres.

Eine heranwachsende Schildkröte die mit der Pinzette gefüttert wird. / Nele Bendgens
„Wir vermessen und fotografieren sie, sammeln alle Daten. Wenn das Tier gerade erst verendet ist, bringen wir es zur Obduktion mit zurück in die Stiftung, um mehr über die Todesursachen zu erfahren“, erzählt Josefina Galinda. Sie ist für solche Einsätze schon öfter mit der Fähre auf eine Nachbarinsel gefahren. „Es ist kein Job für Zimperliche“, sagt sie. Man muss sich dreckig machen und anpacken. Aber es lohnt sich jeden Tag.“
Informationen
Mitanpacken bei der Stiftung Palma Aquarium
Kontakt: info@fundacionpalmaaquarium.org
Abonnieren, um zu lesen
- Warnstufe Gelb: Nach überraschend sonnigem Sonntag kommt zum Wochenstart der Regen wieder
- Hochzeitsglocken bei zwei deutschen Unternehmerdynastien: Mallorca-Hotelier heiratet BMW-Erbin
- Kultrestaurant in Porto Cristo zieht Reißleine: 60 Prozent der Tische werden für Mallorquiner reserviert
- "Wir werden uns heute an der Kuh vergnügen": Gruppenvergewaltiger auf Mallorca zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
- Der Südwesten Mallorcas wird mit Luxusanwesen zugekleistert - in einem Ort brach deshalb die Straße weg
- Legalisierung zum Schnäppchenpreis: Eigentümer von Schwarzbauten fluten die Rathäuser auf Mallorca mit Anträgen
- Keine Lust auf den Mittelsitz? Dieser Ryanair-Hack macht gerade die Runde
- Mallorca im Ausnahmezustand: Die Vorbereitungen für die totale Sonnenfinsternis im August 2026 laufen auf Hochtouren
