Gerichtsmediziner auf Mallorca: Taser-Pistole der Polizei mitverantwortlich für Tod von 47-jährigem Mann
Der Mann, der in Palma durch einen Taser-Einsatz starb, soll sich in einem Zustand extremer Erregung befunden haben, ausgelöst durch Alkohol, Drogen und psychische Probleme

Ein solcher Taser kam auf Mallorca zum Einsatz. / DM
Die Gerichtsmediziner sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Tod eines Mannes in Palma und dem Einsatz einer Taser-Pistole durch die spanische Nationalpolizei. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nun die Frage, in welchem Ausmaß der Elektroschock zum tödlichen Ausgang beigetragen hat – denn allein die Entladung erkläre nach Einschätzung der Experten den Tod nicht.
Bislang deuten die gesicherten Hinweise darauf hin, dass der 47-Jährige, der in der Nacht auf Donnerstag (19.2.) seine Wohnung verwüstete, sich in einem Zustand extremer Erregung befand und einen Herzstillstand erlitt. Diese massive Unruhe sei vermutlich durch Alkohol- und Drogenkonsum sowie eine schwere psychische Ausnahmesituation ausgelöst worden.
Die am Freitag begonnene Obduktion im Institut für Rechtsmedizin (IML) in Palma umfasst unter anderem umfangreiche toxikologische Analysen auf Alkohol, Drogen und Medikamente. Zudem wird die medizinische Vorgeschichte des Mannes ausgewertet. Parallel überprüft die Mordkommission der Nationalpolizei den Einsatz der Beamten. Nach ersten Erkenntnissen sei das Vorgehen protokollkonform und verhältnismäßig gewesen.
Mögliche Psychose
Quellen aus dem IML erklären, die elektrische Entladung habe den Tod nicht unmittelbar verursacht, könnte aber den Herz-Kreislauf-Stillstand mit ausgelöst haben, von dem sich der Mann nicht mehr erholte. In der Wohnung, in der sich der Vorfall ereignete, fanden Ermittler unter anderem Reste von Kokain sowie Alkoholflaschen. Der Mann habe außerdem an psychischen Problemen gelitten und dafür Medikamente verschrieben bekommen.
Möglich sei, dass er sich während des Einsatzes in einem psychotischen Schub befand. Dies könne – so die Einschätzung der Fachleute – zu einer starken Beschleunigung des Herzrhythmus geführt haben, die für sich genommen ebenfalls nicht zwingend tödlich gewesen wäre. Als Erklärung für den Tod gilt daher eine fatale Kombination aus körperlicher Übererregung und Taser-Entladung.
Toxikologische Tests sollen Klarheit bringen
Die Rechtsmediziner entnahmen mehrere Proben, die an ein Labor auf dem spanischen Festland geschickt werden. Dort sollen die genaue Menge von Alkohol und Drogen sowie mögliche Medikamentenrückstände im Körper bestimmt werden.
Außerdem sollen die Untersuchungen klären, ob eine Vorerkrankung des Herzens vorlag, die den Tod begünstigt haben könnte. Auch Unterlagen zur psychiatrischen Vorgeschichte des Mannes werden zusammengetragen. Auf Basis aller Ergebnisse erstellen die Gerichtsmediziner einen Obduktionsbericht, der an das zuständige Gericht geht. Dort laufen bereits Ermittlungen zum Todesfall.
Währenddessen rekonstruiert die Mordkommission weiter den Ablauf der Nacht. Am Donnerstag gegen 4.15 Uhr hatten mehrere Anrufer einen heftigen Streit in einer Wohnung in der Straße Illa de Corfú im Stadtteil Ciutat Jardí gemeldet.
Als die Beamten eintrafen, trafen sie auf einen sehr kräftigen Mann – laut Ermittlern rund 150 Kilo schwer und fast zwei Meter groß. Er sei extrem aggressiv gewesen und habe die Wohnung verwüstet. Seine drei minderjährigen Kinder hätten sich aus der Wohnung in Sicherheit gebracht und bei einer Nachbarin Zuflucht gesucht.
Drei Schüsse – nur der letzte traf
Der Mann habe keinerlei Anweisungen befolgt und sei schließlich auf die Polizisten losgegangen. Daraufhin entschieden sich die Beamten, ihn mit einem Elektroschockgerät zu überwältigen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen lösten sie das Gerät dreimal aus: Der erste Schuss verfehlte den Mann, beim zweiten blieb nur einer der beiden Pfeile stecken. Erst beim dritten Versuch gelang es, die Entladung korrekt anzulegen. Danach sei der Mann zusammengesackt.
Die Beamten versuchten umgehend, ihn zu reanimieren. Auch die später eintreffenden Rettungskräfte des Ib-Salut setzten die Wiederbelebungsmaßnahmen fort, konnten jedoch nur noch den Tod feststellen. Der Einsatz wurde von Bodycams aufgezeichnet, die beim Ziehen des Tasers automatisch aktiviert werden. Die Aufnahmen werden derzeit von der Mordkommission ausgewertet. Hinweise auf ein Fehlverhalten der Beamten gebe es bislang nicht.
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