Der Bürgermeister von Palma hat sich verplappert: Ortspolizisten auf Mallorca sind stinksauer
Jaime Martínez versprach höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Daraus ist bislang nichts geworden. Nun verschärfen die Beamten die Proteste

Bürgermeister Jaime Martínez (hinten) rutschte das Herz in die Hose. / CSIF/Europa Press
Damit hatte Jaime Martínez nicht gerechnet. Bei einer Präsentation des Bürgermeisters mischten sich Gewerkschaftsvertreter von Palmas Ortspolizei unter das Publikum, standen mittendrin auf und wandten dem Politiker den Rücken zu – als Protestaktion zu den andauernden Tarifverhandlungen. „Er hat vor Schreck das Mikrofon fallen lassen“, freuten sich die Gewerkschaftler. „Auf unsere Aktion ging er bei seiner Rede dann aber nicht ein.“
Mateo Terrasa kritisiert den Protest. Er ist selbst Ortspolizist und steht der Gewerkschaft UGT in Palma vor. „Ich bin immer für den Arbeitskampf zu haben. Aber solche spontanen Aktionen verurteile ich“, sagt er der MZ. „Da geht es in erster Linie um Rücksicht auf die Kollegen.“ Denn bei der Veranstaltung präsentierte Martínez eine Beamtenschule. Und nicht nur die Polizei befinde sich im Clinch mit dem Rathaus. „Alle Beamten sind wegen der Arbeitsbedingungen stocksauer.“
Auf den Bürgermeister ist der UGT-Chef aber auch nicht gut zu sprechen. „Dort können wir nicht hin“, sagt er vor dem MZ-Interview mit Blick auf eine Bar an der Plaça Santa Eulalia. „Da sitzt er gerade.“ Während des Gesprächs verstummt Terrasa plötzlich und flüstert anschließend. Ein Mann aus der Presseabteilung des Rathauses hatte sich an den Nebentisch gesetzt. Der Feind hat halt überall seine Augen und Ohren.
Versprechen, Fristen und Tarifstreit
Doch was ist eigentlich los? Palmas Ortspolizei arbeitet nach veralteten Dienstplänen und Vorgaben. Jaime Martínez hatte vollmundig Versprechungen gemacht. Jeder Polizist solle ab dem 1. Januar 2026 31.000 Euro netto erhalten. Eine saftige Gehaltserhöhung beim derzeitigen Durchschnittsverdienst von etwa 25.000 Euro. Blöderweise hielt sich der Bürgermeister nicht an seine Ansage. „Es war eine politische Tölpelei, ein konkretes Datum und ein konkretes Gehalt herauszuposaunen, wenn die entsprechenden Verträge noch nicht unterschrieben sind“, sagt Terrasa.
Denn ganz so einfach ist es nicht. Vor der Gehaltserhöhung muss das Rathaus erst einmal jeden einzelnen Arbeitsplatz der rund 800 Ortspolizisten inspizieren. Dabei werden Risiken, Aufgaben und Verantwortungen erfasst, die bei der Stellenbewertung einfließen. Das dauert seine Zeit. Nachdem das vom Bürgermeister versprochene Datum nicht eingehalten wurde, will sich das Rathaus derzeit keine neue Frist setzen.
Einige Dokumente seien nicht mehr gültig gewesen und hätten verhindert, dass die neuen Tarife eingeführt würden, meinte unlängst Stadträtin Mercedes Celeste. Terrasa vermutet, dass das Rathaus das versprochene Gehalt herunterhandeln möchte. Dagegen werden sich die Gewerkschaften verständlicherweise wehren.
Es geht nicht nur ums Geld. Die Ortspolizisten fordern zudem eine völlig neue Herangehensweise an ihren Job. „Die aktuellen Regeln fußen auf den Bedingungen von vor 25 Jahren. In der Zeit ist die Bevölkerung Palmas von 150.000 auf knapp 500.000 Leute gewachsen“, sagt Terrasa. Die Anzahl an Ortspolizisten ist nicht proportionell gestiegen. „Wir wollen den Bürgern ein Freund und Helfer sein, wissen aber, dass wir unter den Umständen eine schlechte Arbeit abliefern.“
Personalmangel, Nachtbetrieb und neue Anforderungen
Knifflig sei es in den Nächten von Donnerstag bis Sonntag, wenn viele Leute ausgehen. „In mancher Nacht sind gerade mal zwei Streifen in ganz Palma im Einsatz. Wir reden hier von sechs Polizisten. Das ist eine Schande“, sagt der Gewerkschafter. Bei manchen Verstößen sei es klar, dass die Polizei nichts machen kann. „Wenn ein Auto in einer fremden Ausfahrt parkt, brauchen wir zwei bis drei Stunden, bis wir da sind.“ Einfach den Abschleppwagen anrufen ist nicht erlaubt.
Zumal die Stadt immer mehr von den Ortspolizisten fordert. Man denke an die verschärften Benimmregeln, die das Rathaus im vergangenen Jahr einführte. Theoretisch sollen die Beamten verstärkt unter anderem Rad- und Rollerfahrer, Obdachlose und Personen, die in Wohnwagen schlafen kontrollieren. „Letzteres ist ein Steckenpferd des Bürgermeisters“, sagt Terrasa. Im Zuge der Benimmregeln sollte eigentlich auch ein striktes Alkoholverbot an der Playa de Palma und anderen Zonen eingeführt werden. Bis heute sind die Polizisten nicht angewiesen, das strikt umzusetzen. Es komme auf den gesunden Menschenverstand und jeden einzelnen Beamten an, ob es ein Strafzettel gebe, so Terrasa.
Anders sieht es bei den Saufgelagen aus. „Da zeigen wir Präsenz und beten, dass sich die Situation einzig durch unser Erscheinen löst.“ Aus dem Streifenwagen aussteigen und der trinkwütigen Masse die Stirn bieten, sei angesichts des fehlenden Personals keine gute Idee. „Da bekommen wir am Ende nur Prügel ab.“ Die Gelage fänden in einer rechtlichen Grauzone statt, die besser schwarz oder weiß wäre.
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