"Ich fühle mich alleine, im Stich gelassen und einfach vergessen" - Junge Mallorca-Deutsche sitzt in Dubai fest
Eine Freundin lud Julia Post ein, sie nach Dubai zu begleiten. Nach dem Ausbruch des Nahost-Konflikts kommt die 24-Jährige nun nicht wieder heim - und erlebt vor Ort Angst und Ungewissheit

Am Anfang der Reise war die Welt bei Julia Post noch in Ordnung. / Privat
Ihr Geburtstagsgeschenk hatte sich Julia Post aus Calvià eigentlich anders vorgestellt. Ihre beste Freundin schenkte der 24-jährigen Mallorca-Deutschen eine Reise nach Dubai. Ihr Rückflug wurde nun aber - genau wie der von vielen anderen Insulanern - wegen des Nahost-Konflikts storniert. Zwischen Bombenalarm und allgemeiner Ungewissheit weiß die junge Frau nicht, wie sie zurück auf die Insel kommen soll. "Die Lage ist ziemlich belastend", sagt sie der MZ.
Eigentlich sollte Post bereits am Sonntag (1.3.) mit Eurowings die Heimreise antreten. "Der Flug wurde storniert. Die Airline schrieb per Mail, dass sie mir ein Hotel stellen würde", sagt die Deutsche. Dem war aber nicht so und es sollte die bislang letzte Nachricht sein, die sie von der Fluglinie erhielt.
Zum Glück direkt eine Wohnung gefunden
"Im Internet heißt es, Eurowings würde ab dem 15. oder 16. März wieder fliegen. Bis dahin muss ich aber meinen Job als Rezeptionistin auf Mallorca wieder antreten und kann nicht solange warten", sagt Post. Zumal die Lage weiter ungewiss ist. Per Telefon habe das Eurowings-Callcenter gesagt, dass es völlig überlastet ist und derzeit keine weiteren Anfragen beantworten kann.
"Ich habe mich mit anderen deutschen Urlaubern hier vernetzt, die alle zwei Tage das Hotel wechseln müssen", sagt die 24- Jährige. "Alle Zimmer sind voll. Die Urlauber werden beim Bombenalarm immer in die Tiefgarage geschickt." Sie selbst hatte Glück, dass ihre Freundin nach Dubai auswanderte und sofort eine Wohnung fand, in der sie nun auch unterkommt. "Regelmäßig bekommen wir Nachrichten auf das Handy: Erst auf Arabisch, dann auf Englisch. Auch wir haben eine Tiefgarage, die wir dann beim Bombenalarm schnellstmöglich aufsuchen."
Nächsten Flug gebucht - direkt wieder storniert
Für Donnerstagmorgen (5.3.) buchte sich Post einen Flug für gut 1.000 Euro bei Emirates, Zuerst nach Kopenhagen, dann nach Berlin und für weitere 464 Euro von dort nach Mallorca. Am Mittwochabend die schlechte Nachricht: Auch diese Reise wurde storniert. "Ich habe es im spanischen, deutschen Callcenter und bei der Nummer für Dubai versucht. Es geht bei Emirates keiner ans Telefon", sagt Post. "Dabei sind am Donnerstag doch Flüge nach Frankfurt geflogen. Im Internet heißt es, ab Samstag gehen die nächsten Flüge." Dann will die Airline aber erstmal den Stau an Passagieren abarbeiten. Wer weiß, wann die Mallorca-Deutsche an der Reihe wäre.
Flughafen ruft Wucherpreise auf
In ihrer Not suchte sie schon den Flughafen auf und fragte persönlich nach. Schließlich fliegt auch Reisekonzern Tui die Urlauber in Sondermaschinen aus. "Ein Mitarbeiter des Airports sagte mir, ich müsste 15.000 Euro bezahlen. Dann könne er schauen, was er machen kann", sagt Post. "Bei den Sonderflügen ist zudem unklar, ob es nach Berlin oder New York geht."
So gehen das Warten und die Angst weiter. Post schickte der MZ Videos, die blutende Menschen am Flughafen und Flugkörper im Himmel zeigt. "Diese Situation ist für mich psychisch extrem belastend. Ich fühle mich alleine, im Stich gelassen und einfach vergessen", so die 24-Jährige.
Das sagt Eurowings dazu
"Wir setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, um unsere Gäste sicher nach Hause zu bringen", heißt es bei der Eurwoings-Pressestelle auf MZ-Anfrage. Zu EInzelfällen könne man aber keine Stellung beziehen. Allgemein gilt:
"Aufgrund der aktuellen Situation im Nahen Osten und den damit verbundenen massiven Einschränkungen des Luftverkehrs werden die Airlines der Lufthansa Group
- Flüge von und nach Larnaca ab dem 7. März wieder aufnehmen
- Flüge von und nach Dubai und Abu Dhabi bis einschließlich 10. März aussetzen
- Flüge von und nach Dammam bis einschließlich 10. März aussetzen
- Flüge von und nach Amman und Erbil bis einschließlich 15. März aussetzen
- Flüge von und nach Tel Aviv bis einschließlich 22. März aussetzen
- Flüge von und nach Beirut bis einschließlich 28. März aussetzen
- Flüge von und nach Teheran bis einschließlich 30. April aussetzen
Betroffene Fluggäste können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den vollständigen Ticketpreis zurück. Weitere Informationen zu Umbuchungen und Rückerstattungen finden Gäste auf den Kunden-Websites aller Lufthansa Group Airlines. Grundsätzlich empfehlen wir unseren Fluggästen, sich unbedingt über unsere Website oder App informiert zu halten und ihre Kontaktdaten (E-Mail, Handynummer) zu hinterlegen.
Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die für unsere Fluggäste entstehen. Sobald es die Lage vor Ort und die damit verbundenen Luftraumsperrungen erlauben, werden wir über zusätzliche Flüge aus der Region entscheiden, um unseren Gästen baldmöglichst eine Heimreise anbieten zu können. Die Lufthansa Group beobachtet und bewertet kontinuierlich die Sicherheitslage im Nahen Osten und steht hierzu in engem Kontakt mit den Behörden. Die Sicherheit für Passagiere und Crews hat für die Lufthansa Group stets oberste Priorität."
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