Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

"So kann es nicht weitergehen": Wo Mallorca bereits Anfang März aus allen Nähten platzt

Ob in der Bar, im Bus oder beim Schlendern durch Urlaubsorte wie Sóller: Vielen Einheimischen fällt auf, dass auf der Insel jetzt schon auffällig viel los ist und die Saison jedes Jahr früher zu beginnen scheint

Die Busfahrer in Palma kommen täglich mit vielen Urlaubern ein Kontakt

Die Busfahrer in Palma kommen täglich mit vielen Urlaubern ein Kontakt / Nele Bendgens

Während es an der Playa de Palma Ende Februar noch relativ ruhig zugeht und die ersten Urlauber in den wenigen geöffneten Hotels eintrudeln, könnte man anderswo meinen, Mallorca stecke schon in der Hochsaison. Bei leichtem Wind und milden Temperaturen sind Mallorcas Strände und Promenaden vor Anbruch der Saison zwar noch angenehm leer, ganz anders sieht es jedoch in den Städten aus. Gerade in Palma und Sóller hat der Trubel bereits begonnen, volle Terrassen und Innenstädte sind hier Anfang März keine Seltenheit. Fragt man nach den Gründen, stößt man immer wieder auf dieselbe Antwort: Viele haben das Gefühl, dass die Saison auf der Insel immer früher startet. Und das nicht unbedingt zur Freude aller Einheimischen.

Wer nach Sóller will, muss sich früh anstellen

Ein Samstagvormittag Ende Februar an der Estació Intermodal in Palma. Es ist kurz nach 11 Uhr. Die Wetter-App macht für den heutigen Tag Hoffnung: Sonne, ein paar Wolken, kein Wind. Der Anzahl der Menschen nach zu urteilen, scheinen viele diesen Tag für einen Ausflug nutzen zu wollen.

Auf der Anzeigetafel leuchtet die Busnummer 204. Ziel: Port de Sóller. Abfahrt: 11.35 Uhr. Eine halbe Stunde ist es noch hin und doch hat sich bereits eine kleine Schlange vor der Haltestelle gebildet. 10 Minuten später warten schon knapp 30 Leute. Immer wieder kommen einige Urlauber an den Anfang der Schlange und schauen etwas verdutzt, als sie die Haltestellennummer mit der Anzeigetafel abgleichen und feststellen, dass hier wirklich alle auf denselben Bus warten. Mit trüber Miene heißt es dann hinten anstellen und hoffen, dass man irgendwie noch mitkommt.

Bereits jetzt nimmt die Warteschlange für den Bus 204 nach Port de Sóller kein Ende.

Bereits jetzt nimmt die Warteschlange für den Bus 204 nach Port de Sóller kein Ende. / Jette Minks

"Ein Wahnsinn. Aber was soll man machen?"

Um dieser Unsicherheit zu entgehen, hat sich Valentina Giraldo (Name von der Redaktion geändert) extra früh auf den Weg zum Busbahnhof gemacht. "Ich komme immer schon ungefähr 25 Minuten vor Abfahrt her. Sobald ich sehe, dass der Bus in seine Haltestelle einbiegt, stelle ich mich an. So habe ich dann einen Platz sicher", erzählt sie.

Mit der besonders bei Urlaubern beliebten Buslinie 204 von Palma nach Port de Sóller fährt Giraldo täglich zur Arbeit. "Ich habe kein Auto und bin auf den Bus angewiesen, um nach Palmanyola zu kommen", erklärt die Kellnerin. Fragt man sie danach, wie sie es findet, dass die tägliche Warteschlange für den Bus jetzt schon so lang ist, zuckt sie nur mit den Schultern: "Una locura (ein Wahnsinn). Aber was soll man machen? Ich hoffe einfach, pünktlich zur Arbeit zu kommen".

Sóller gleicht manchem Septembertag

Das volle Bild in der Buslinie 204 spiegelt sich dann auch in Sóller wieder. Es ist Samstag, Markttag. Die Sonne scheint. Die Terrassen sind größtenteils bis auf den letzten Stuhl gefüllt: Familien, Wandergruppen, Sportler mit Rennrädern im Schlepptau. "Wie es momentan ist, kenne ich es eigentlich nur vom September", erzählt eine Kellnerin des Ca'n Nadal, das direkt in der Ortsmitte an der Plaça de la Constitució liegt. "Es ist auffällig, wie viele Deutsche jetzt schon hier sind. Dort müssen irgendwelche Ferien oder Feiertage sein, anders kann ich mir das nicht erklären", spekuliert sie.

Sóllers Innenstadt Ende Februar

Sóllers Innenstadt Ende Februar / Jette Minks

Saison beginnt anscheinend immer früher

Ähnlich sieht es auch schon an einigen Orten in Palma aus. Die Terrassen der besonders bei deutschen Urlaubern beliebten Bar Bosch am Paseo del Borne sind Ende Februar proppenvoll. "Es ist viel mehr Arbeit als in den vergangenen Jahren um dieselbe Zeit. Es ist mein drittes Jahr hier, aber so voll war es Ende Februar und Anfang März noch nicht", fällt Kellner Fabio M. auf. "Natürlich kommt es mal vor, dass bei besonders schönem Wetter mehr los ist als sonst, aber so viele Tage in Folge ist es echt ungewöhnlich", sagt der Kolumbianer.

Der Großteil der Kunden bestehe dabei aus Deutschen, aber auch einige Engländer und Spanier finden ihren Weg in die Bar. "Ich habe das Gefühl, dass die Saison einfach jedes Jahr früher beginnt. Anfangs hatte man in den Wintermonaten weniger zu tun und konnte seinen Körper etwas schonen. Jetzt ist die Arbeitsbelastung schon sehr früh sehr hoch", sagt der Kellner. "Für das Trinkgeld ist es aber natürlich sehr gut."

Die besonders bei Deutschen beliebte Bar Bosch.

Die besonders bei Deutschen beliebte Bar Bosch. / Privat

Öffentlicher Nahverkehr bereits überfordert

Zwei Dinge fallen besonders auf Mallorca auf: Erstens scheinen einige Bars und Restaurants jetzt schon ungewöhnlich voll zu sein und geben den Kellnern ein Gefühl von Hochsaison. Zweitens wirkt der öffentliche Nahverkehr bereits vor Frühlingsbeginn an einigen Stellen völlig überfordert. Neben der Buslinie 204 zwischen Palma und Port de Sóller ist auch die Linie 25 der EMT-Busse zwischen Arenal und Palma teilweise schon so voll, dass anstelle des Zielorts nur noch "Bus complet" aufleuchtet und Urlauber und Einheimische dazu zwingt, auf den nächsten Bus zu warten.

Gestrandet in Deià

Auch am vergangenen Wochenende (28.2./1.3.) in Deià schauten 20 Personen nicht schlecht, als die Tramuntana-Linie 203 zwischen Port de Sóller in Richtung Palma voll besetzt an ihnen vorbeirauschte. Die Taktung im Winterfahrplan für die Route liegt zwischen 70 und 90 Minuten. Eine andere Anbindung gibt es nicht.

Als ein deutsches Ehepaar schließlich versucht, mit einem Taxi vom Tramuntana-Örtchen zurück nach Palma zu kommen, klingt die Antwort der Taxizentrale wenig erfreulich: Bis ein Auto da ist, dauert es circa 45 Minuten. Und preislich liegt die Fahrt dann bei circa 75 Euro. "Dann warten wir lieber und hoffen, dass der nächste Bus nicht auch so voll ankommt", entscheiden sich die beiden Deutschen, die zum Wandern auf die Insel gekommen sind.

Busfahrplan muss sich anpassen

Auch Richard C. muss weitere 70 Minuten in Deià auf den Bus nach Palma warten. Der Kolumbianer arbeitet momentan in einem Restaurant im Tramuntana-Ort und nimmt dort Reparaturarbeiten vor. "Ich habe eine Acht-Stunden-Schicht hinter mir und möchte einfach nur nach Hause. Der Bus ist so voll, weil viele Urlauber aus Port de Sóller mit ihm nach Valldemossa fahren. Nach Palma wollen die wenigsten", erklärt er. Auch ihm fällt auf, dass mehr los ist als sonst.

In seinem Fall zum Leid der Arbeitnehmer auf der Insel. "Ich hoffe, dass sich der Fahrplan etwas anpasst und die Leute, die von der Arbeit einfach nur nach Hause wollen, auch die Chance haben, das zu tun", sagt er. "Mallorca lebt vom Tourismus, aber wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen".

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents