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Mallorcas Drogen- und Geldwäsche-Mafia: Gerichtsdokumente enthüllen Kontakte zum gefürchteten Kinahan-Clan

Der irische Kinahan-Clan soll mit der im vergangenen Jahr auf Mallorca zerschlagenen Drogen- und Geldwäsche-Mafia um Stefan Milojevic im Drogenhandel zusammengearbeitet haben, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht

Haben Sie diese Männer gesehen? Für das auf die Kinahans ausgesetzte Kopfgeld könnte man sich auf Mallorca ein hübsches Häuschen leisten.

Haben Sie diese Männer gesehen? Für das auf die Kinahans ausgesetzte Kopfgeld könnte man sich auf Mallorca ein hübsches Häuschen leisten. / RTE

Marcos Ollés

Marcos Ollés

In die im vergangenen Jahr bei mehreren Razzien hochgenommene Drogen- und Geldwäsche-Mafia um Stefan Milojevic auf Mallorca war auch der irische Kinahan-Clan verwickelt. Das geht aus aktuellen Gerichtsunterlagen hervor, die der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" vorliegen. Die irische Familienbande gilt als eine der mächtigsten kriminellen Organisationen der Welt.

In abgehörten Gesprächen Milojevics fanden sich laut Ermittlern Hinweise auf Kontakte zu den Kinahans in Dubai, wo sie seit einigen Jahren leben. Die Iren sollten demnach Drogen auf die Balearen liefern. Den abgehörten Gesprächen zufolge schloss Milojevic mit der irischen Mafia eine Vereinbarung über die Lieferung großer Mengen Haschisch zu einem Preis von 1.500 Euro pro Kilo.

Nationalpolizei und Guardia Civil werten diese Kontakte als Beleg für eine „rastlose Suche nach neuen Wegen und Kontakten zu kriminellen Organisationen“. In ihren Berichten beschreiben sie Milojevic als „internationalen Drogenhändler mit Verbindungen zu ausländischen Mafias auf höchstem Niveau“. Neben dem irischen Clan wurden auch Verbindungen zu mafiösen Gruppen aus Albanien, Montenegro und Bosnien festgestellt, die dem Handel mit großen Mengen Kokain und Haschisch dienten.

Verwechslung beim Auftragsmord

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kinahan-Clan auf Mallorca in Erscheinung tritt, auch wenn sein wichtigstes Zentrum in Spanien an der andalusischen Costa del Sol lag. Am 17. August 2016 erschoss ein von den Kinahans beauftragter Auftragskiller in Costa de la Calma im Südwesten der Insel einen Mann. Ziel des Anschlags war laut den Ermittlungen ein Mitglied der rivalisierenden Hutch-Gruppe, mit der sich der Clan in Irland einen blutigen Bandenkrieg lieferte.

Der Täter verwechselte jedoch das Opfer und tötete stattdessen den irischen Urlauber Trevor O’Neill, der keinerlei Verbindung zu den mafiösen Gruppen hatte. Der Schütze konnte fliehen, obwohl ihn die Kamera eines nahegelegenen Geschäfts erfasste. Die irische Polizei identifizierte später den 26-jährigen Glen Clarke als mutmaßlichen Täter des Verbrechens und brachte ihn zudem mit zwei weiteren Auftragsmorden im Auftrag der Kinahans in Verbindung, bei denen ebenfalls das falsche Opfer getroffen worden sein soll. Clarke wurde im Dezember 2016 tot mit einer Schussverletzung in einem Auto in Irland aufgefunden. Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass er sich beim Hantieren mit einer Schusswaffe versehentlich selbst erschossen hatte.

Festnahme in Alcúdia

Die Präsenz der Kinahans auf Mallorca wurde im Juni 2023 erneut deutlich, als die Nationalpolizei in Alcúdia Liam Byrne festnahm, einen der führenden Köpfe des Kartells. Er war aus Dubai auf die Insel gereist, von wo aus Mitglieder des Clans ihre Geschäfte steuern sollen. Nach Erkenntnissen der Ermittler hielt sich Byrne bereits 2016 auf Mallorca auf, als es zu dem tödlichen Irrtum in Calvià kam. Formell angeklagt wurde er in diesem Zusammenhang jedoch nicht.

Eine der mächtigsten Mafias der Welt

Das Kinahan-Kartell gilt als mächtigste kriminelle Organisation Irlands und als eine der bedeutendsten weltweit. Polizeiberichte bringen die Gruppe mit dem internationalen Drogenhandel in Verbindung, insbesondere mit großen Kokainlieferungen von Südamerika nach Europa über Kontakte zu kolumbianischen Kartellen. Darüber hinaus werden dem Clan Verbindungen zu Waffenhandelsgeschäften, Kontakte zu Organisationen wie der Hisbollah sowie Geldwäsche in großem Stil zugeschrieben. Die kriminelle Organisation wurde 1990 von Christy Kinahan gegründet.

Im April 2022 setzte das US-Außenministerium Belohnungen von jeweils fünf Millionen Dollar für Informationen aus, die zur Festnahme des Clan-Patriarchen und seiner beiden Söhne führen. Zudem froren die US-Behörden deren Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten ein.

Das ist das mutmaßliche kriminelle Netzwerk um Stefan Milojevic

Die Verbindungen zwischen dem Kinahan-Clan und Stefan Milojevic unterstreichen die Dimension der Operation Enroque Bal-Manso, die Nationalpolizei und Guardia Civil im vergangenen Jahr auf den Balearen gegen Drogenhandel und Geldwäsche durchgeführt haben. Bisher wurden 74 Personen beschuldigt, 27 von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Sichergestellt wurden nach bisherigen Angaben 687 Kilo Kokain, 2.500 Kilo Haschisch und 1,5 Millionen Euro. Neben Milojevic wurden auch der ehemalige Leiter der Drogenfahndung der spanischen Nationalpolizei, Faustino Nogales, sowie der Anwalt Gonzalo Márquez festgenommen.

Der mit dem Fall befasste Richter in Palma hat inzwischen entschieden, das Verfahren an den Nationalen Gerichtshof abzugeben. Dies hatten mehrere Verteidiger und auch die Staatsanwaltschaft beantragt. Nach Ansicht des Richters liegen die Voraussetzungen dafür vor, dass dieses Gericht die Ermittlungen fortführt und über die Taten urteilt. Bis zu einer Entscheidung des Nationalen Gerichtshofs über die Übernahme des Falls führt der Richter in Palma die Ermittlungen weiter. Gonzalo Márquez soll Ende des Monats auf eigenen Wunsch aussagen.

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