Wetterprognose für Mallorca: Wie ein Hobby-Meteorologe dem staatlichen Wetterdienst den Rang abläuft
Àngel Muñoz begeisterte sich schon als Kind für die Meteorologie. Mittlerweile betreibt der Mallorquiner seinen eigenen Wetterkanal und stellt mitunter sogar den staatlichen Wetterdienst Aemet in den Schatten

Die Daten auf seiner Website werden automatisch aktualisiert. Àngel Muñoz hat reichlich Zeit, das Wetter zu genießen. | FOTO: NELE BENDGENS
Die Sonne scheint Àngel Muñoz förmlich ins Sparschwein. Der 24-Jährige, der sich seinen Lebensunterhalt zuvor als Lieferwagenfahrer verdiente, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Ein gewagter Schritt, der sich inzwischen aber bezahlt macht. Mit seiner Plattform „Meteo de les Illes“ gehört der Mallorquiner nach kurzer Zeit bereits zu den bekanntesten Wetterfröschen der Insel. „Ich will die Vorhersagen für die Leute verständlicher und zugänglicher machen“, sagt er der MZ. Der junge Mann hat bereits mehr Wetterstationen als der staatliche Wetterdienst Aemet auf Mallorca aufgebaut und ist bei Weitem besser ausgerüstet.
„Schon als Kind begeisterte mich die Meteorologie“, sagt Muñoz. „Ich klebte bei Unwettern stundenlang am Fenster und war verblüfft, dass die Gewitterwolken über Palma immer aus der gleichen Richtung kamen.“ Mit den Jahren verlor der Mallorquiner sein Hobby ein wenig aus den Augen. Er machte eine Ausbildung zum Betriebswirt und verdiente sich als Lieferfahrer seine Llonguets. „Wir belieferten die Werkstätten mit Autoteilen. Binnen einer Stunde konnten wir vor Ort sein.“ Da hatte selbst der Logistikgigant Amazon keine Chance. „Viele Mechaniker haben so viel zu tun, dass sie keine Zeit haben, sich die Teile zusammenzusuchen.“
Wie wahrscheinlich jeder Mensch, der den Corona-Lockdown auf Mallorca verbracht hat, steigerte sich Muñoz während der Pandemie in ein Hobby hinein – und kehrte zu seinen Wurzeln zurück. „Ich kontaktierte Meteorologen und brachte mir das Basiswissen rund ums Wetter bei.“ 2023 kaufte er sich eine Wetterstation und gründete seinen Kanal mit Website, eigener App sowie Auftritten bei Instagram und WhatsApp. „Der ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren stark gewachsen.“
Einnahmen durch Sponsoren und Wetterstationen
Der Zuschauerzustrom macht sich bezahlt. Sponsoren stecken dem Mallorquiner hin und wieder einen Hundert-Euro-Schein zu, damit ihr Logo neben dem Wetterbericht erscheint. Clever war zudem die Idee, Wetterstationen zu verkaufen. „Für 250 Euro komme ich persönlich vorbei und installiere die Anlage“, sagt Muñoz. Besonders Schulen sind daran interessiert, die ihren Schülern mehr über die Meteorologie beibringen wollen. Aber auch Golfplätze, Yachthäfen, Hotels und Privathaushalte zählen zu seinen Kunden.
Es ist ein doppelter Gewinn. Àngel Muñoz verdient nicht nur am Verkauf und der Installation, sondern darf anschließend auf die Wetterdaten zugreifen und erhöht so sein Netz auf der Insel. 140 Stationen besitzt „Meteo de les Illes“. Aemet kommt auf 130 Ehrenamtliche – auch Muñoz gehört dazu –, die auf altmodische Art die Daten liefern: jeden Morgen aufstehen und schauen, ob es in den Niederschlagsmesser hineingeregnet hat.
Die Wetterstation, die der 24-Jährige vertreibt, funktioniert vollautomatisch. „Man kann sich den Regenmesser wie einen Löffel mit einem kleinen Loch vorstellen. Der Regen fließt in einen kleinen Becher, der sich leert, wenn er voll ist. Vergleichbar mit den gigantischen Eimern in Wasserparks.“ Dabei handelt es sich nur um wenige Tropfen. „0,3 Milliliter, um genau zu sein.“ Kleinere Messungenauigkeiten durch Staub oder Wasserrückstände gebe es bei dieser Variante. „Wenn das Gerät 50 Liter Niederschlag anzeigt, waren es vielleicht nur 49,5 Liter pro Quadratmeter.“
Schnelle Daten, Modelle und Konkurrenz zu Aemet
Windstärke und -richtung, Temperatur und UV-Strahlung misst die Wetterstation ebenfalls. „Alle 15 bis 30 Sekunden werden die Daten erneuert. Aemet bekommt die Werte erst Stunden später“, sagt Muñoz, der den Beamten des staatlichen Wetterdienstes unterstellt, sich neuen Technologien zu verschließen. Aemet wollte sich nicht zu dem Konkurrenten äußern. „Wenden Sie sich an die Plattform selbst“, schrieb Aemet-Balearen-Chefin Maria José Guerrero kurz angebunden.
Muñoz ist mit seinem Wetterkanal so erfolgreich, dass die Einnahmen das Gehalt des Lieferantenjobs überstiegen. „Mir fehlte die Zeit, und ich musste mich entscheiden. Da ich noch bei meinen Eltern wohne, war der Schritt in die Selbstständigkeit einfacher und nicht so riskant“, sagt er. Seit Oktober setzt er alle Karten auf die Karriere als Wetterfrosch.
Neben seinen selbst gesammelten Daten vertraut er wie die offiziellen Wetterdienste auf verschiedene Vorhersagemodelle. „In erster Linie das US-amerikanische GFS und das europäische Modell ECMWF, wobei beide nicht auf die geografischen Besonderheiten Mallorcas eingehen.“ Für eine präzisere Prognose ein bis zwei Tage vorher sei das AROME-Modell aus Frankreich hilfreich.
Blick auf Meerestemperaturen und Ausbau für Urlauber
Meteo de les Illes zeigt auch die Meerestemperaturen rund um Mallorca. Dafür nutzt Muñoz die Daten, die die Bojen der balearischen Küstenaufsichtsbehörde SOCIB sammeln. „Per Satellit werden die Temperaturen mit einem Infrarotmessgerät in anderthalb Metern Tiefe gemessen“, sagt er. Zuletzt betreibt der 24-Jährige noch eine WhatsApp-Gruppe, in der ihm seine Follower regelmäßig Wetterphänomene und Fotos schicken. Bis zu drei Millionen Menschen sehen seine Posts auf Instagram.
Dabei soll seine Website immer mehr für Urlauber geöffnet werden. Eine englische Übersetzung gibt es bereits. „Mir schwebt mittlerweile auch ein Abo-Modell mit Premiuminfos vor“, sagt der Mallorquiner. Für 3,99 Euro im Monat bekommen Abonnenten Daten zu Pollenflug oder Saharastaub in einzelnen Orten. „Landwirte erhalten einen Hinweis, wenn Schimmel oder Pilzbefall an Bäumen droht. Das lässt sich über die Temperatur und Luftfeuchtigkeit sagen.“
Àngel Muñoz hat mit seiner Plattform zweifelsohne eine Marktlücke gefunden. Denn präzise Wettervorhersagen interessieren fast alle Menschen auf Mallorca.
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