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"Wendepunkt in Mallorcas Geschichte": Bergung des alten römischen Schiffswracks an der Playa de Palma hat begonnen

Die Galeere ist bereits 2019 gefunden worden. Jetzt soll das Wrack endlich den Meeresgrund verlassen

Arbeiten beginnen: Römisches Schiffswrack an der Playa de Palma wird geborgen

UIB

Seit 1.600 Jahren ruht eine römische Galeere am Meeresgrund an der Playa de Palma. Seit Dienstag (10.3.) ist es endlich so weit: Die Überreste des Frachtschiffs vor Can Pastilla werden geborgen. "Heute ist ein sehr wichtiger Tag, der einen Wendepunkt in unserer Geschichte, unserer Gesellschaft und unserer Kultur markiert. Wir sind sehr begeistert, dieses Projekt voranzutreiben", erklärt der Präsident des Inselrats, Llorenç Galmés. Dutzende Menschen sind an der Aktion, darunter Taucher, Archäologen, Historiker und Sicherheitskräfte.

Nach langwierigen Vorbereitungsarbeiten, die bereits im April 2025 starteten, ist inzwischen klar, wie das Schiff gehoben werden soll: Experten wollen die Galeere in mehreren Einzelteilen an Land holen. Ursprünglich wurde auch die Bergung des Schiffes in einem Stück ins Auge gefasst. Da der Kiel, der das gesamte Schiff zusammenhält, aber fehlt, wäre diese Methode zu riskant gewesen. Die Bergung wurde zuvor mit einer Replik des Wracks an Ort und Stelle erprobt.

Jetzt wird es ernst. „Es ist eine komplexe Aufgabe. Wir freuen uns sehr, heute damit beginnen zu können. Und es ist ein sehr, sehr wichtiger Moment, wegen der Bedeutung des Wracks, wegen seiner Einzigartigkeit und auch, weil es in gewisser Weise das Unterwassererbe Mallorcas insgesamt an den ihm gebührenden Platz rückt, denn wir verfügen über einen spektakulären Reichtum an Kulturgütern“, erklärt der Forscher Miquel Àngel Cau-Ontiveros, Co-Direktor des Bergungsprojekts.

Cau-Ontiveros erklärte, dass die Bergung der Überreste des römischen Schiffes unter anderem durch die „Gefahr” motiviert war, dass es durch beispielsweise Stürme weiter beschädigt wird. Er kündigte außerdem an, dass im Oktober alle Fundstück der Galeere ausgestellt werden, es jedoch noch Jahre dauern wird, bis das rekonstruierte Schiff ganz zu sehen sein wird.

So läuft die Bergung in den kommenden Tagen ab

In den nächsten Tagen werden Taucher den Sand absaugen, der das Wrack bedeckt, und nach Schätzungen von beteiligten Archäologen wird es in zwei Wochen vollständig freigelegt sein. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine sehr gründliche Dokumentation der Schiffsarchitektur, der Bauweise und anderer detaillierter Informationen, anhand derer festgelegt wird, welche Teile nach und nach aus dem Meer geborgen werden sollen.

Das sich bereits im Einsatz befindende Wasserteam wird durch ein weiteres Landteam unterstützt, das in einem direkt am Strand eingerichteten Labor arbeiten wird, um alles, was aus dem Wasser kommt, zu registrieren.

Ausstellung ist geplant

Sobald alle Überreste aus dem Meerwasser gehoben sind, sollen sie zur Festung San Carlos nahe Portopí am Hafen von Palma gebracht werden. Dort ist ein spezieller Entsalzungspool gebaut worden, in dem das Holz des Schiffes mehrere Monate lang gelagert werden soll. Danach ist vorgesehen, das Schiff zusammen mit seiner Ladung auszustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wo genau, das ist bisher nicht klar.

Wrack galt als Sensationsfund

Das zwölf Meter lange und fünf Meter breite Wrack stammt ursprünglich aus dem 4. Jahrhundert vor Christus und wurde 2019 zufällig vor Ses Fontanelles am westlichen Ende der Playa de Palma entdeckt. Der Fund des römischen Schiffs galt damals als Sensation, denn das Wrack und dessen Ladung befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand – bei Fundstücken aus dieser Zeit eine große Seltenheit. An Bord befinden sich rund 320 Amphoren – die meisten noch unbeschädigt oder sogar komplett verschlossen.

In Amphoren wie dieser wurde Wein über das Mittelmeer geschifft.

In Amphoren wie dieser wurde Wein über das Mittelmeer geschifft. / Guillem Pérez

Drei Dutzend Experten mit Auswertung beschäftigt

Einige von ihnen enthielten Olivenöl, andere Wein oder fermentierte Fischsauce. Zu den Entdeckungen gehören auch beispielsweise Symbole eines Christusmonogramms sowie der römischen Jagdgöttin Diana. Insgesamt drei Dutzend Experten sind mit der Auswertung beschäftigt, ein auf drei Jahre angelegtes, von Inselrat und Landesregierung finanziertes Projekt, das Arqueomallornauta getauft wurde.

Jahrhundertelang unter Sand begraben

Dass sich das Wrack und dessen Lieferung so gut gehalten haben, liegt wohl daran, dass es über Jahrhunderte hinweg von Sand bedeckt und auf diese Weise bestens geschützt war. Das Boot hatte ursprünglich in Carthago Spartaria abgelegt, also in der heutigen Gegend von Cartagena an der Küste von Murcia. Das Ziel dürfte Rom gewesen sein, deren Einwohner damals die wichtigsten Konsumenten von Importprodukten waren. Mallorca war zu der Zeit jedoch nicht nur eine strategische Station im Netz der Handelsrouten, sondern auch selbst Zielort von zahlreichen Lieferungen.

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