Verwilderte Hühner auf Mallorca: Gemeinde Calvià greift zu drastischer Maßnahme
Wilde Hühner und Hähne breiten sich auf Mallorca immer weiter aus. In Calvià reagierte das Rathaus mit einem umstrittenen Eingriff – und das Problem betrifft laut Experten längst nicht nur diese Gemeinde.

In der Gemeinde Calvià wurden nun zahlreiche ausgewilderte Hühner erschossen. / Redaktion DM
Verwilderte Hühner und Hähne, die sich immer weiter vermehren – auf Mallorca ist dieses Phänomen derzeit an vielen Orten zu beobachten. Die Gemeinde Calvià hat in den vergangenen Wochen drastische Schritte unternommen, um die Population zu verringern: Im Gebiet Sa Porrassa setzten Experten Luftgewehre mit Schrotmunition ein. Denn die Tiere gefährdeten nicht nur die Verkehrssicherheit, sondern auch die öffentliche Gesundheit, so die Begründung der Stadtverwaltung. Nicht alle begrüßen das Vorgehen.
Kritik von Anwohnern
Wir MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, kritisieren einige Anwohner die Aktion scharf. Dies sei nicht die richtige Art gewesen, das Problem anzugehen, so einige Bürger. Zumal sich Anwohner angeboten hätten, die Tiere auf Bauernhöfen unterzubringen, um ihre Tötung zu vermeiden. Gleichzeitig versicherte man im Rathaus, dass Beschwerden aus der Nachbarschaft überhaupt erst dazu geführt hätten, diesen Weg zu gehen.
Fünf Tage lang und während der Nachtstunden schossen beauftragte Spezialisten auf die Vögel. Diese hatten sich in der Umgebung der Piraten-Showhalle und des ehemaligen Wasserparks, auf dessen Gelände das Mallorca Live Festival stattfindet, stark vermehrt. Die Einsätze wurden nach Angaben aus Gemeindekreisen von der Ortspolizei von Calvià überwacht.
Das Rathaus, das von einem Pakt aus Konservativen (PP) und Rechtsextremen (Vox) regiert wird, hatte beim Inselrat von Mallorca um Genehmigung für diesen Eingriff gebeten. Dieser hatte jedoch beschieden, dass eine solche Erlaubnis nicht erforderlich sei, da es sich nicht um eine jagdbare Art handle, also nicht um Wild im jagdrechtlichen Sinne, wie dieselben Quellen ergänzen.
Verkehrsunfälle und Infektionsgefahr
Die Gemeinde argumentiert, dass es in diesem Gebiet mehrere Verkehrsunfälle gegeben habe, an denen vor allem Motorräder beteiligt gewesen seien, weil die Tiere unkontrolliert auf die Straßen liefen. Zudem verweist sie auf Krankheiten wie die Vogelgrippe – zumal im nahegelegenen Feuchtgebiet Sa Porrassa viele Zugvögel anzutreffen seien, was eine Infektionsgefahr weiter erhöhe. Tatsächlich war erst vor Kurzem bei Wildvögeln in der Gegend die Newcastle-Krankheit, eine atypische Geflügelpest, nachgewiesen worden. Mehrere Menschen hätten die Hühner zudem gefüttert, einige auch ihre Eier mitgenommen. Dies trage weiter zu Gesundheitsrisiken bei.
Gleichzeitig sagte das Rathaus auch den Tauben den Kampf an, die sich in der Umgebung der Kirche des Orts Calvià stark vermehrt hatten. In diesem Fall war der Inselrat von Mallorca tatsächlich für die Erteilung der Genehmigung zuständig. Nach Erhalt der Erlaubnis beauftragte die Gemeinde spezialisiertes Personal, um auch diese Tiere zu töten.
Kein lokales Problem
Calvià ist mit dem Wildhühnerproblem wahrlich nicht allein. Wie der Leiter des Natura Parc, Mariano Mas, am Donnerstag (19.3.) im Gespräch mit der MZ berichtete, sei die unkontrollierte Vermehrung ausgewilderter Hühner und Hähne in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Grund dafür sei, dass die Tiere keine natürlichen Feinde auf der Insel haben und häufig von Menschen gefüttert würden. Auch siedelten sich die wilden Populationen oft in der Nähe von Wildkatzenkolonien an, die regelmäßig gefüttert werden, und täten sich an diesem Futter gütlich. Mas vermutet, dass etwa die Hälfte aller Mallorca-Gemeinden Probleme mit dieser Art von Tieren hätten. "Wichtig ist, sie nicht zu füttern und ihr Vokommen beim jeweiligen Rathaus zu melden", so der Experte.
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