Mallorca bei Gewalt gegen Frauen weiter als Deutschland: Warum der Fall Collien Fernandes vs. Christian Ulmen in Palma untersucht wird
Das Gericht in Palma prüft derzeit, ob im Fall Collien Fernandes ein Straftatbestand vorliegt. Zugleich zeigt der Fall, wie konsequent Spanien bei Gewalt gegen Frauen und beim Umgang mit Deepfakes vorgeht

Collien Fernandes zeigte ihren Ex-Mann Christian Ulmen in Palma an. / dpa
Der Fall Collien Fernandes gegen Christian Ulmen dominiert derzeit die deutsche Nachrichtenwelt. Die Moderatorin hat ihren Ex-Mann am 2. Dezember beim Gericht in Palma wegen Identitätsanmaßung, Verletzung von Geheimnissen, öffentlicher Beleidigung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Drohung angezeigt. Das bestätigte eine Gerichtssprecherin der MZ.
Grundsätzlich geht es um sogenannte Deepfakes, das Erstellen von gefälschten Videos. Es gilt die Unschuldsvermutung. Das Gericht auf Mallorca prüft derzeit, ob ein Straftatbestand vorliegt. Dass Fernandes die Anzeige auf der Insel eingereicht hat, liegt jedoch nicht nur am Wohnort Palma.
"Deutschland kann noch viel von Spanien lernen"
Die MZ hat in den vergangenen Jahren immer wieder über das Thema geschlechtsspezifische Gewalt berichtet. Die Spanier sind in diesem Punkt schlichtweg fortschrittlicher als die Deutschen. "Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie intensiv sich diese Gesellschaft mit dem Thema Gewalt gegen Frauen auseinandersetzt. Da können wir sehr viel von lernen", sagte etwa Maria Margarete Gosse, deutsche Botschafterin in Madrid, im MZ-Interview. Unter anderem hat Spanien eine eigene Staatsanwaltschaft, die sich diesem Thema widmet.
Praktisch nach jedem Fall tödlicher häuslicher Gewalt wird auf Mallorca zu Schweigeminuten und Kundgebungen aufgerufen - so wie an diesem Sonntag - mit Untertützung von Collien Fernandes - auch in Berlin eine Demonstration geplant war.
Gerade aus deutscher Perspektive ist die Beachtung, die der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt auf Mallorca und in ganz Spanien erfährt, bemerkenswert hoch. Während das Bundeskriminalamt erst 2024 erstmals ein inhaltlich erschreckendes „Bundeslagebild“ über geschlechtsspezifische gegen Frauen gerichtete Straftaten veröffentlichte – 938 Mädchen und Frauen wurden 2023 in Deutschland Opfer von Tötungsversuchen, 360 von ihnen starben –, werden die entsprechenden Statistiken in Spanien seit Jahren analysiert und thematisiert.
Viele Anzeigen bei der Polizei
Laut dem spanischen Innenministerium waren im September 2025 auf den Balearen 4.295 aktive Fälle von Geschlechtergewalt verzeichnet, die polizeilich bearbeitet werden. Die Ermittlungen sind sowohl der Nationalpolizei als auch der Guardia Civil anvertraut. Letztere Beamte werden in den kleineren Inselgemeinden tätig, wenn es um häusliche Gewalt geht. Die Nationalpolizei dagegen beschränkt auf Mallorca ihr Wirken bei häuslicher Gewalt auf die beiden größten Städte Palma und Manacor. „Hier vergeht kein Tag, an dem niemand kommt“, sagt der Chef der zuständigen Einheit, Eduardo Pérez. An guten Tagen seien es „nur“ vier bis fünf Anzeigen im dritten Stock. An schlechten deutlich mehr. „Und das allein in Palma.“
Egal ob Policía Nacional oder Guardia Civil – die Vorgaben, wie sich die Beamten in einem mutmaßlichen Fall von häuslicher Gewalt verhalten müssen, sind dieselben. Beide Sicherheitsapparate arbeiten mit dem übergreifenden System VioGén2. Auf der digitalen Plattform ist ein schneller Datenaustausch möglich. Damit verknüpft sind moderne Technologien, die helfen sollen, dass polizeiliche Schutzmaßnahmen möglichst schnell und effizient umgesetzt werden können. Aber auch der vorgeschriebene Umgang mit den mutmaßlichen Opfern ist vereinheitlicht.
Sowohl die Beamten der Guardia Civil als auch die der Policía Nacional müssen sich an ein Protokoll des spanischen Innenministeriums halten – die Hilfestellungen in den Guardia-Civil-Wachen in den Inseldörfern sollen dieselben sein wie bei der Hauptwache der Policía Nacional in Palma.
Spanien auch in Sachen Deepfakes schon weiter
Und während in Deutschland jetzt im Eilverfahren ein Gesetzesvorhaben erarbeitet wird, um Deepfakes strafbar zu machen, ist Spanien schon einen Schritt weiter. Am 13. Januar befürwortete die spanische Regierung einen Gesetzesvorentwurf. In der zugehörigen Pressemitteilung heißt es: "Der Vorentwurf führt wichtige Neuerungen ein, insbesondere beim Einverständnis zur Nutzung unseres Bildes im digitalen Umfeld. Erstmals wird es als unzulässig angesehen, die Stimme oder das Bild einer Person ohne deren Zustimmung für Werbe- oder kommerzielle Zwecke zu verwenden, wenn dabei künstliche Intelligenz oder ähnliche Technologien (Deepfakes) eingesetzt werden."
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