"Ich habe Villen von Deutschen voller Müll gesehen": So läuft die Arbeit eines Entrümplers auf Mallorca
Juan José Salvà räumt seit 15 Jahren Häuser und Wohnungen von Menschen mit Messie-Syndrom leer. Neuerdings auch von vielen Deutschen

Eine Wohnung einer vom Messie-Syndrom betroffenen Person in Palma. / Juan José Salvà
Gut in der Selbstvermarktung ist Juan José Salvà zweifelsohne. Der 33-jährige Entrümpler fährt im Gespräch mit der MZ erst einmal auf, in welchen Medien er bereits zu Wort kam. Auch einen beinahe fertig ausformulierten Artikel hat er in der Tasche. Und die Tatsache, dass er derzeit auffällig viele vermüllte Wohnungen und Häuser von Deutschen ausräumen muss, präsentiert er gleich zu Beginn. 2.000 bis rund 15.000 Euro verlangt er dafür – je nach Umfang der Entrümpelung. Die MZ hat ihn zu einem Interview gebeten.
Wieso wird man Entrümpler?
Mein Vater gründete bereits ein Unternehmen, das Häuser leer räumt. Und ich mache den Job jetzt auch schon seit 15 Jahren.
Wie viele Fälle haben Sie seither bearbeitet?
Auf den Balearen habe ich an ungefähr 1.100 Fällen mitgearbeitet. Das Gros der Fälle, in denen das Messie-Syndrom vorliegt, beobachten wir seit der Pandemie. Mit der Quarantäne gab es einen extremen Anstieg der Vermüllungen. Davor hatten wir etwa zehn bis 15 Fälle im Jahr von Menschen mit diesem Problem. Jetzt sind es jeden Monat im Schnitt vier oder fünf. Und seit Jahresbeginn 2026 ist es noch einmal mehr geworden. Vor allem bei Ausländern zeigt sich ein Anstieg.

Entrümpler Juan José Salvà im Dienst. / PRIVAT
Worauf führen Sie das zurück?
Generell kommen die Menschen, die vor Jahrzehnten nach Mallorca ausgewandert sind, jetzt in ein gewisses Alter, viele sind einsam geworden. Betroffen sind alle Nationalitäten, aber es sind auffällig viele Deutsche. Das Problem verschärfen inzwischen auch immer mehr Deutsche, die für drei Monate auf die Insel kommen, für diese Zeit ein Haus anmieten und es innerhalb dieser kurzen Zeit vermüllen. Dass es dazu kommt, liegt oft an mentalen oder familiären Problemen. Häufig geht der Vermüllung eine Trennung voraus.
Warum betonen Sie an dieser Stelle die Ausländer so deutlich?
Ein Deutscher oder allgemein ein Ausländer kennt häufig die Regeln und Protokolle in Spanien nicht. Und oft traut er sich wegen der Sprachbarriere nicht, Kontakt zu den Behörden aufzunehmen, oder weiß noch nicht einmal, an welche Institution er sich wenden muss. Nach meiner Erfahrung führt das wiederum dazu, dass Ausländer deshalb kein großes Vertrauen in die politischen Institutionen auf der Insel haben.
Wie ist das Profil der Deutschen, deren Häuser Sie leer räumen?
Normalerweise betrifft das Vermüllungssyndrom ältere Menschen, aber es gibt auch schon Fälle von 40-Jährigen. Bei den Jüngeren sind es oft Menschen, die von ihren Partnern verlassen wurden. Diese sind häufig nach Deutschland zurückgegangen und haben die andere Person alleine auf der Insel zurückgelassen. Ab 60 betrifft es dann vor allem Menschen, die auf der Insel komplett alleine sind. Sie haben nicht wie die meisten Einheimischen ein familiäres Netz auf Mallorca. Es sind viele Menschen dabei, die Villen besitzen, in Costa de la Calma, in Port d’Andratx oder sonst wo im Südwesten der Insel. Oder auch große Fincas auf dem Land. Im Falle der Deutschen sind es fast nie Mieter in Wohnungen. Ich habe Villen von Deutschen voller Müll gesehen.
Wie viele Deutsche sind betroffen?
Ich gehe von einem bis vier Prozent der Deutschen, die auf der Insel leben, aus. Das kann auch schon damit anfangen, dass die Leute Kleidung horten. Es muss nicht immer Müll sein. Aber irgendwann verlieren diese Menschen dann die Kontrolle über die Situation und die Wohnungen vermüllen.

Wenn die Küche so aussieht, dann ist Juan José Salvà gefragt. / Juan José Salvà
Sie unterscheiden zwischen verschiedenen Stufen der Vermüllung. Welche sind das?
Das unterste Niveau ist eine gewisse Unordnung und eine leichtere Müllansammlung, aber noch mit einer gewissen Kontrolle über die Situation. Das zweite ist eine größere Ansammlung von Müll oder unbrauchbaren Gegenständen, die einen normalen Gebrauch der Wohnung bereits unmöglich macht. Und die letzte Stufe ist eine extreme Verwahrlosung mit einer Menge Müll in der Wohnung, die einhergeht mit der Isolation der Person, die nicht mehr auf die Straße geht. Es muss übrigens nicht immer eine alleinstehende Person sein. Ich hatte auch schon Fälle von deutschen Paaren, die gemeinsam in einer solchen Wohnung lebten und von der Außenwelt isoliert waren.
Welcher Fall mit Deutschen aus der letzten Zeit ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Das war eine etwa 45-jährige Frau, die am Paseo Marítimo in Palma gelebt hat und dementsprechend einen hohen Lebensstandard hatte. Der Eigentümer der Wohnung rief mich an, weil die Mieterin die Miete nicht mehr zahlte. Sie war offenbar an einem Schlaganfall gestorben, zuvor aber schon lange nicht mehr auf die Straße gegangen. Die Wohnung war komplett zugemüllt, die Frau bestellte immer Essen. Zusätzlich war sie Alkoholikerin, in der Wohnung fand sich eine Menge Champagner.
Wer benachrichtigt Sie normalerweise?
Bei Spaniern sind es häufig Angehörige oder Bekannte und Freunde. Bei Ausländern sind es eher Nachbarn oder Eigentümergemeinschaften. Sozialarbeiter zu benachrichtigen, bringt häufig leider nichts. Ich setze mich deshalb dafür ein, gemeinsam mit den Behörden ein Protokoll anzuwenden, das immer gleich ist. Ich habe bereits eins ausgearbeitet.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Institutionen?
Sie ist kaum vorhanden. Die Behörden haben keine Leute oder wollen nicht. Ich weiß nicht, woran es liegt. Es gibt einzelne Sozialarbeiter, mit denen man gut zusammenarbeiten kann, aber das hängt dann sehr von der Person ab.
Haben Sie Kontakt zum deutschen Konsulat?
Nein, bisher nicht. Mich haben schon deutsche Nachbarn bezahlt, damit ich eine Wohnung ausräume. Die Deutschen hier haben andere finanzielle Möglichkeiten als die Spanier. Die Deutschen wollen das Problem aus der Welt. Denn wenn sich der Müll entzündet, haben wir ein riesiges Problem. Allein in Palma sind 2025 zwei Menschen mit Messie-Syndrom bei Bränden ums Leben gekommen. Den Deutschen sollte klar sein, dass sie zu den Sozialdiensten des Rathauses gehen können. Auch ich kann helfen. Deshalb habe ich einen kostenlosen Beratungsservice eingerichtet, um vor allem ausländische Mitbürger zu beraten, damit es gar nicht zu einer solchen Situation kommt.
Haben Sie dafür auch eine psychologische Ausbildung?
Die Ausbildung habe ich mir in den 15 Jahren Berufserfahrung selbst angeeignet.
Was beinhaltet dieser Beratungsservice?
Ich kann die Menschen nicht wie ein Psychologe behandeln. Ich kann ihnen aber zeigen, wie sie selbst aufräumen können, den Müll entsorgen und ihre Wohnung sauber halten können. Die Deutschen haben zwar häufig das Geld für die Reinigung. Ich will aber erreichen, dass sie es erst gar nicht so weit kommen lassen müssen.
Kontakt zu Juan José Salvà und seinem Unternehmen Vaciados Group Luxe: 613-085 1 1 1
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