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Neuer Deepfake-Skandal auf Mallorca: Lehrer in Andratx mit pornografischen Fotomontagen attackiert

Durch den Fall um Schauspielerin Collien Fernandes ist das Thema auch in Deutschland aktuell hochbrisant. Auf Mallorca wurde jetzt ein neuer Fall bekannt, in dem online ein Opfer öffentlich verunglimpflicht wurde

Das Lehrerkollegium der Gesamtschule IES Baltasar Porcel in Andratx empörte sich in einer Pressemitteilung über den Angriff.

Das Lehrerkollegium der Gesamtschule IES Baltasar Porcel in Andratx empörte sich in einer Pressemitteilung über den Angriff. / privat

Der Fall um Collien Fernandes und Christian Ulmen hat in Deutschland in den vergangenen Wochen das Thema "Deepfakes" auf die mediale und politische Agenda gebracht. Jetzt ist auch auf Mallorca ein neuer Fall bekannt geworden, in dem Fotomaterial eines Unbeteiligten technisch manipuliert, sexualisiert und online verbreitet worden ist. Wie die Guardia Civil am Mittwoch (31.3.) bekannt gab, wurden sechs mutmaßliche Täter identifiziert. Sie sollen alle etwa 15 Jahre alt sein.

Opfer ist in diesem Fall ein Lehrer der Gesamtschule IES Baltasar Porcel in Andratx. Zunächst berichtete der Radiosender Cadena Ser von den Vorfällen, die sich am 22. März auf einer bekannten Online-Bildungsplattform ereignet haben, die eigentlich für den Datenaustausch zwischen Lehrkräften und Schülern genutzt wird.

Fotomontage mit obszönen Bildern

Von zwei verschiedenen Fake-Profilen aus sollen Jugendliche dort das Gesicht des Lehrers in Fotomontagen auf obszöne pornografische Bilder gesetzt haben. Zudem posteten die Täter Beleidigungen und äußerten sich abfällig über die homosexuelle Orientierung des Lehrers, den sie auch namentlich nannten. Offenbar waren die Daten zwei Tage lang online einsehbar, bis die Lehrkräfte darauf aufmerksam wurden und Anzeige erstatteten. Beamte der Guardia Civil leiteten die Vorfälle gemäß dem Protokoll an die Jugendstaatsanwaltschaft weiter.

Empörung und Verurteilung

Derweil ist die Empörung über die Attacke auf der Insel groß. „Ich schließe mich der entschiedenen Verurteilung der homophoben Angriffe auf einen Lehrer des IES Baltasar Porcel in Andratx an. Dem Lehrer gilt meine volle Unterstützung und mein Vertrauen in die wirksame Anwendung der Protokolle angesichts dieser Vorfälle“, schrieb beispielsweise die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens auf ihrem Konto im sozialen Netzwerk X. Homophobie und Intoleranz hätten in den Klassenzimmern "keinen Platz".

Zuvor hatten sich auch die Lehrkräfte der betroffenen Schule empört über den Vorfall geäußert. Dieser habe „einen eindeutig homophoben Charakter“. Gleichzeitig handele es sich nicht um einen Einzefall, sondern um eine Dynamik, die sich schon seit längerer Zeit hinziehe.

"Kein Einzelfall"

„Wir sind es leid, Beleidigungen, Drohungen, Kränkungen und Verachtungsbekundungen zu erhalten, die sich, weit davon entfernt, Ausnahmen zu sein, nach und nach zu einer allzu gewöhnlichen Realität entwickelt haben. Diese Normalisierung des fehlenden Respekts ist zutiefst besorgniserregend und völlig inakzeptabel“, erklärte das Lehrerkollegium in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

„Was passiert ist, ist kein Einzelfall. Es ist eine Realität, die in Bildungseinrichtungen allgemein erlebt wird und unter der leider auch andere gesellschaftliche Bereiche leiden. Dass diese Vorfälle nach wie vor geschehen zeigt, dass wir es mit einem grundlegenden, tief verwurzelten und kollektiven Problem zu tun haben“, fügten sie hinzu.

So geht Spanien mit Deepfakes um

Es ist nicht das erste Mal, dass in Spanien ein Fall von Deepfake öffentliche Empörung hervorgerufen hat. Bereits 2023 hatte ein Fall in Andalusien für Entsetzen gesorgt. Auch damals waren Jugendliche die Urheber gewesen. Sie hatten minderjährige Mitschülerinnen mit durch KI-manipuliertem Bildmaterial verunglimpflicht.

Die zentralspanische Linksregierung reagierte: Seit Januar 2026 liegt ein Gesetzentwurf vor, der Deepfakes klar regulieren soll: Künftig soll es verboten sein, Bilder oder Stimmen einer Person ohne deren Einwilligung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu verwenden. Für Minderjährige unter 16 Jahren ist eine Zustimmung grundsätzlich ausgeschlossen. Für die Verbreitung drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

Die Behörden in Spanien kommen unterdessen der Forderung vieler Experten nach, im Kampf gegen Deepfakes bestehende Paragrafen anzuwenden, ohne auf neue Gesetze zu warten. Wie genau die Abteilung für Cyberkriminalität bei der Nationalpolizei auf den Balearen vorgeht, lesen Sie hier.

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