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Gewalt gegen Frauen: Nirgendwo in Spanien wurden 2025 so viele Fälle angezeigt wie auf den Balearen

Die Balearen verzeichnen erneut die höchste Rate geschlechtsspezifischer Gewalt in Spanien. Gerichte registrierten 2025 mehr Anzeigen, tausende Betroffene und hunderte Schutzmaßnahmen. Nicht alle Opfer wollten reden

Die Anzahl der Anzeigen wegen Geschlechtergewalt auf den Balearen ist gestiegen

Die Anzahl der Anzeigen wegen Geschlechtergewalt auf den Balearen ist gestiegen / Pixabay / Alexa

In keiner Region in Spanien sind im vergangenen Jahr so viele Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt zur Anzeige gebracht worden, wie auf den Balearen. Bereits zuvor war die Anzahl auf Mallorca und den Nachbarinseln höher gewesen als im Rest des Landes.

Nicht alle wollen aussagen

Wie aus Daten hervorgeht, die der Oberste Gerichtshof der Balearen jetzt veröffentlichte, gingen im vergangenen Jahr 2025 insgesamt 7.933 Anzeigen im Bereich "violéncia de genero" ein. Das sind 1,9 Prozent mehr als im Jahr 2024. In 7.263 der Fälle waren Frauen die Opfer der tätlichen Angriffe im familiären Umfeld - ein Prozent weniger als in den Statistiken des Vorjahres.

Wie weiter aus den Daten hervorgeht, machten im vergangenen Jahr 1.240 Frauen, die Gewalt erlitten hatten, von ihrem Recht Gebrauch, nicht gegen den Täter auszusagen und zu schweigen. Das sind 23,5 Prozent mehr als im Vorjahr und laut der Studie eine "besorgniserregende" Tendenz. 654 dieser Frauen hatten die spanische Staatsangehörigkeit, in den 586 übrigen Fällen handelte es sich um Ausländerinnen.

Anzeige persönlich oder durch Angehörige

In 4.719 Fällen reichten die Frauen die Anzeigen selbst ein und gingen persönlich zur Polizeidienststelle oder zum Gericht. In 378 Fällen erstatteten Angehörige Anzeige, in 1.670 Fällen waren es zudem die Sicherheitskräfte, die die Anzeigen veranlassten. Insgesamt erhielten die Gerichte im vergangenen Jahr 909 ärztliche Verletzungsberichte von Opfern, die von den Sicherheitskräften oder von Hilfsdiensten betreut worden waren, sowie 257 weitere, die von anderen Behörden bearbeitet wurden.

Von den 7.263 Frauen, die Gewalt im familiären Umfeld erlitten, hatten 4.025 die spanische Staatsangehörigkeit. Die übrigen 3.238 waren Ausländerinnen verschiedener Nationalitäten. Insgesamt wurden 2.218 Anträge auf Schutzanordnungen gestellt, doch nicht alle wurden bewilligt. So erließen die Richter in 1.734 Fällen Schutzmaßnahmen, während die übrigen 483 abgelehnt wurden.

Bei einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen im vegangenen November in Palma

Demonstration gegen Gewalt an Frauen im vergangenen November in Palma. / B. Ramón/ Manu Mielniezuk

Mehr Vertrauen ins Justizsystem?

Es ist keine Neuigkeit, dass die Balearen die führende Region beim Anteil der Gewalt gegen Frauen sind, wie es sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat. Der Prozentsatz wird pro 10.000 Frauen berechnet. Während die Zahl auf nationaler Ebene bei 74 Opfern pro 10.000 Frauen liegt, erreicht die Quote auf den Balearen 115,8. Dieser Anstieg der Fallzahlen tritt nicht nur im Archipel auf, sondern wiederholt sich auch in Navarra, der Valencianischen Gemeinschaft, den Kanaren, Murcia, Andalusien und Madrid.

Gleichzeitig kann der Anstieg der Anzeigen aber auch auf ein gewachsenes Vertrauen in das Justizsystem zurückzuführen sein - die Frauen trauen sich schlichtweg vermehrt, die Missstände zur Anzeige zu bringen, die sie zuvor verschwiegen haben. Tatsächlich dürfte die Dunkelziffer noch immer deutlich höher liegen - auf dem spanischen Festland genau wie auf den Inseln.

Generell gilt Spanien im internationalen Vergleich als Vorreiter im Kampf gegen Geschlechtergewalt. Schon seit vielen Jahren werden die Fälle systematisch analysiert. Sowohl die Sicherheitskräfte als auch das Justizsystem sind für das Thema sensibilisiert und verfügen über spezielle Protokolle und Abteilungen. Auch im Umgang mit digitaler sexueller Gewalt und Deepfakes wird Spanien als fortschrittlich angesehen.

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