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Streit um Franco-Denkmal Sa Feixina: Wie die Zentralregierung dem Rathaus Palma in die Parade gefahren ist

Die spanische Regierung veranlasst in letzter Minute die Entfernung des Franco-Denkmals Sa Feixina. Und nun?

„Hail Mary“ aus Madrid

„Hail Mary“ aus Madrid

Patrick Schirmer Sastre

Es ist das, was man im American Football ein „Hail Mary“ nennt. Ein Verzweiflungspass in den letzten Sekunden des Spiels in der vagen Hoffnung auf ein Wunder. Diesmal nicht ausgeführt von einem tollkühnen Quarterback, sondern von einer Staatssekretärin im Ministerium für Demokratisches Gedenken in Madrid. Doch das Ergebnis ist nicht minder eindrucksvoll.

Es ist Donnerstagvormittag (26.3.), als der Stadtrat von Palma zur monatlichen Vollversammlung zusammentritt. Etliche Entscheidungen stehen an. Unter anderem soll das aus der Franco-Zeit stammende Denkmal Sa Feixina nach jahrelangem politischen und juristischen Zank endgültig unter Schutz gestellt werden.

Eine Nachricht platzt herein

Wenige Minuten bevor abgestimmt wird, platzt eine Nachricht herein. Das Ministerium in Madrid hat kurzerhand veranlasst, das einem Leuchtturm nachempfundene Denkmal zu entfernen. Es wird in den Katalog jener Symbole und Elemente aufgenommen, die dem demokratischen Gedenken widersprechen. Die Begründung: Das 1948 fertiggestellte Werk gedenkt der fast 800 Toten des faschistischen Lagers im Spanischen Bürgerkrieg. Sie kamen beim Untergang des Kreuzers „Baleares“ in der Schlacht am Kap Palos ums Leben. Das Denkmal ist somit, zumindest aus Ministeriumssicht, Teil des vom Franco-Regime geförderten „Gefallenen-Kults“.

Das vertikale Erscheinungsbild und die dominante Stellung im öffentlichen Raum ließen sich nicht von den Werten trennen, die dem Denkmal zugrunde gelegen hätten. Die 22 Meter hohe Stele muss in einer öffentlichen Einrichtung verwahrt werden. Eine zukünftige öffentliche Ausstellung schließt das Ministerium aus.

Aus Erstaunen wird Wut

Bürgermeister Jaime Martínez und seine Stadträte von der konservativen Volkspartei (PP) und der rechtsextremen Vox-Partei können ihr Erstaunen zunächst nicht verbergen. Doch schnell verwandelt es sich in Wut. „Das Rathaus wird alle erforderlichen rechtlichen Mittel ausschöpfen, um unser Recht durchzusetzen“, poltert Stadtplanungsdezernent Óscar Fidalgo.

Die Opposition lacht sich derweil ob der Rückendeckung aus Madrid ins Fäustchen. Es nützt ihr wenig. Die Abstimmung findet trotz der unsicheren Rechtslage statt. Mit den Stimmen von PP und Vox ist Sa Feixina nun unter Schutz gestellt. Zumindest theoretisch. Denn wie es weitergeht, ist völlig unklar.

Unterstützung bekommt die Stadtverwaltung vom Denkmalschutzverband ARCA. Dieser geht davon aus, dass das Madrider Manöver vor Gericht kaum Bestand haben wird. Der Verband Memòria de Mallorca, der sich die Aufarbeitung von Bürgerkrieg und Diktatur zur Aufgabe gemacht hat, feiert hingegen das Vorgehen der Regierung. Die beiden Verbände stehen stellvertretend für die beiden Argumente der Debatte. Auf der einen Seite der Erhalt eines Bauwerks von anerkanntem architektonischem Wert. Auf der anderen Seite der Abriss von Denkmälern des Unrecht-Regimes. Und mittendrin Politiker und Funktionäre, die sich nicht zu schade sind, jegliche politische Manöver und juristische Sperenzchen in die Wege zu leiten, um Recht zu bekommen. Gewonnen hat bislang niemand.

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