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Homophober Angriff auf Händler auf dem Markt von Pere Garau: Stadt Palma suspendiert mutmaßlichen Täter

Ein bekannter Verkäufer auf dem Markt von Pere Garau war von einem Kollegen geschlagen und homophob beschimpft worden. Das Rathaus zog jetzt Konsequenzen

Nach homophoben Angriff: Viel Applaus und Solidarität für Verkäufer in Pere Garau

Redaktion DM

Nach einem homophoben Vorfall auf dem Obst- und Gemüsemarkt von Pere Garau hat die Stadt Palma am Dienstag (7.4.) Konsequenzen gezogen und den mutmaßlichen Angreifer als Verkäufer auf den städtischen Märkten vorsorglich suspendiert. Er soll einen anderen Händler am Donnerstag vergangener Woche beschimpft und attackiert haben. Zuvor war ein zunächst beiläufiger Zwischenfall beim Bedienen einer Kundin eskaliert.

Der betroffene Verkäufer ist Miquel Gili und betreibt gemeinsam mit seiner Schwester an einer Ecke des Platzes einen der beliebtesten Stände auf dem Markt. Er hatte eine Kundin bedient und wollte ein fehlendes Produkt an einem benachbarten Stand holen – eine übliche Praxis auf dem Markt. Dabei trat er auf eine Bodenfliese nahe dem Stand des späteren Angreifers. Dieser reagierte laut Schilderung des Opfers sofort aggressiv, beschimpfte ihn homophob und wurde schließlich handgreiflich. Während der Attacke soll er Gili unter anderem als „maricón“ ( Schwuchtel) beleidigt haben.

Viele Stammkunden haben Miquel sehr lieb.

Der attackierte Marktverkäufer Miquel Gili an seinem Stand. . / B. Ramón

Die Schwester von Miquel Gili versuchte einzugreifen, doch auch sie bekam einige Schläge ab. Ihr Bruder erlitt eine Verstauchung am linken Arm – besonders problematisch wegen früherer Verletzungen, weshalb der Arm nun eingegipst ist – sowie eine Wunde am Ellbogen.

Bereits zuvor ein angespanntes Verhältnis

Anwohner aus umliegenden Gebäuden filmten den Vorfall, der im Umfeld des Marktes große Empörung auslöste. Ein Freund des Opfers machte die Attacke zusätzlich in den Sozialen Medien bekannt. Gili erstattete Anzeige bei der Polizei, die Ermittlungen aufgenommen hat. Mehrere Händler erklärten ebenso wie der Betroffene selbst, dass es schon zuvor ein angespanntes Verhältnis zu dem mutmaßlichen Täter gegeben habe.

Das Rathaus hat den Angreifer vorsorglich untersagt, seine Verkaufstätigkeit auf städtischen Märkten auszuüben. Da der Stand, an dem der Mann bislang verkaufte, einem anderen Inhaber gehört, werde dieser Stand zudem vorsorglich an einen anderen Platz vor der Markthalle verlegt. Nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen will die Stadt prüfen, ob weitere Maßnahmen nötig seien, die auch andere beteiligte Personen betreffen könnten.

Solidaritätskundgebung am Vormittag

Am Dienstag (7.4.) versammelten sich rund 60 Personen auf dem Platz des Marktes zu einer Solidaritätskundgebung. Unter den Teilnehmern waren neben Händlern und Stammkunden auch die Marktleiterin Paquita Bonnin sowie Politiker verschiedener Parteien und Vertreter der Stadt Palma, darunter Umweltdezernent Llorenç Bauzà und Sozialdezernentin Lourdes Roca. Die Anwesenden applaudierten dem Opfer wiederholt und forderten, den mutmaßlichen Angreifer dauerhaft vom Markt auszuschließen. Der Mann war an diesem Tag nicht erschienen. Der Obst- und Gemüsemarkt vor der Markthalle von Pere Garau findet dienstags, donnerstags und samstags statt.

Der Betroffene zeigte sich sichtlich bewegt von der Unterstützung. Er habe nicht mit einer derart großen Resonanz gerechnet und betonte, dass ihn vor allem die Solidarität seiner Kollegen und Kunden gestärkt habe. Gleichzeitig stellte er klar, dass er keine öffentliche Inszenierung wolle: Er wünsche sich vor allem Ruhe und ein normales Leben.

So eskalierte die Situation

Nach seinen Angaben war die Attacke der Höhepunkt eines länger bestehenden Konflikts. Es habe bereits zuvor Beleidigungen und Spannungen gegeben. Die Situation sei eskaliert, nachdem er sich gegen eine homophobe Beleidigung gewehrt und die Angreifer als homophob bezeichnet habe.

Neben den körperlichen Verletzungen leidet Miquel nach eigenen Worten weiterhin unter den psychischen Folgen. Er habe Angstzustände, Schlafprobleme und Appetitverlust. Gleichzeitig zeigte er sich überwältigt von der breiten Unterstützung, deren Ausmaß er selbst noch kaum erfassen könne.

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