Streit um Wanderwege auf Mallorca: 800 Menschen protestieren an sagenumwobenem Ort bei Manacor
Die Proteste um gesperrte Wege auf Mallorca nehmen zu. Auch außerhalb der Tramuntana fordern Wanderfreunde offenen Zugang zu geschichtsträchtigen Orten

Für den Protestmarsch wurde die Absperrung ausnahmsweise geöffnet. / Sebastià Sansó
Die Diskussion um die Begehbarkeit beliebter Wanderwege auf Mallorca hat am Ostermontag (6.4.) erneut zahlreiche Wanderfreunde zu Protesten auf die Straße getrieben. Rund 800 Menschen versammelten sich in Manacor, um die Öffnung der geschichtsträchtigen Route sa Roca des Castellet einzufordern. Seit Jahrzehnten halten die Eigentümer der nahegelegenen Häuser die Strecke trotz anhaltenden Interesses der Wanderer geschlossen.
Das Datum der Proteste war mit Bedacht gewählt: Zum einen hat es in den vergangenen Wochen auf Mallorca immer wieder Kundgebungen und Demonstrationen von verärgerten Wanderern und Mountainbikern auf Mallorca gegeben, die Kritik an der begrenzten Begehbarkeit vieler Routen üben. Auch das geplante Gesetz zur Nutzung der Tramuntana steht in der Kritik. Die Stimmung ist entsprechend angeheizt, das Thema in der Szene aktuell. Zum anderen war es in Manacor noch vor etwa 30 Jahren Tradition, sich am Ostermontag zum gemeinschaftlichen Picknick bei sa Roca zu treffen - einem eigentümlichen Felsvorsprung, an dem Legende und den Märchen von Antoni Maria Alcover zufolge ein Riese einen Stein zurückließ, der ihn beim Gehen störte.
Diesmal trafen sich die Protestler am Parkplatz des Geschichtsmuseums. Größter Kritikpunkt der Bürgerplattform Camins Públics i Oberts: Die Gemeinde Manacor hat trotz des großen öffentlichen und historischen Interesses die Wanderroute noch immer nicht in den Katalog öffentlich zugänglicher Wege aufgenommen. „Im vergangenen Juni haben wir ein ausführliches Dossier eingereicht, das das Fortbestehen des Weges seit sogar prähistorischen Zeiten sowie seinen öffentlichen Charakter und seine volkstümliche Nutzung klar belegt“, erklärte Sebastià Matamalas, Sprecher der Protestinitiative.
Ausnahmsweise freier Weg
Immerhin: Der Protestmarsch musste keine Absperrung überwinden, um sa Roca zu erreichen - so hatten es die Organisatoren zuvor mit den Eigentümern ausgehandelt. Ausnahmsweise war der Zugang geöffnet. „In dieser Hinsicht gab es keine Probleme“, sagt Sebastià Gaià „Garba“, der jedoch einräumt, dass man erst vor wenigen Tagen den letzten Teil der Strecke ändern musste, weil es kein Einvernehmen mit den Eigentümern des Weges gab, der von sa Roca bis zum Coll des Vent und Son Macià führt, wo die Wanderung ursprünglich enden sollte. „Sie haben gesagt, dass sie nicht öffnen würden, was uns früher oder später dazu bringen wird, zu einer Einigung zu kommen - vielleicht auf dem Gerichtsweg.“ Schließlich war die Einsiedelei Santa Llúcia der Endpunkt und danach erneut die Torre dels Enagistes.
Trotz der geringen Beteiligung an Ratsmitgliedern bei der Kundgebung gab sich Organisator Matamalas optimistisch gestimmt, dass die Strecke tatsächlich künftig in den Katalog der öffentlichen Wege der Gemeinde eingetragen werden könnte. „Die Bereitschaft des Rathauses scheint gut zu sein“, so Sebastià Matamalas.
Inselweite Proteste
Er und seine Mitstreiter aus Manacor hatten sich in den vergangenen Wochen auch an anderen Protesten auf der Insel beteiligt. Erst Ende März waren rund 500 Wanderfreunde beim Landgut Raixa (Bunyola) zusammengekommen, um dort für einen freien Zugang zu demonstrieren. Auch an der Kritik gegen das geplante Tramuntana-Gesetz sind die Aktivisten aus Manacor beteiligt. Gemeinsam mit Radfahrern und Mountainbikern hatten sie am 29. März in Selva öffentlich für mehr Wegerechte und weniger Beschränkungen plädiert.
Trotz der verschiedenen Schauplätze ist die Problematik in allen Fällen dieselbe: Während Wanderer sich freien Zugang zu traditionellen Wegen wünschen, bemängeln Anwohner oder Eigentümer Ruhestörung und angebliche Beeinträchtigungen der Umwelt - eine Beschuldigung, die Wanderfreunde scharf zurückweisen. Viele von ihnen sehen sich vielmehr als Wächter der Berglandschaft und mit der Natur verbunden.
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