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"Deutsche, Deutsche überall": Neue Schmiererei in Palma wirft Fragen auf

Die MZ hat ihre Leser gefragt, welche Meinung sie zu dem Schriftzug auf einer Hauswand im Stadtzentrum haben

"Deutsche, Deutsche überall!" steht auf der Hauswand im Stadtzentrum von Palma.

"Deutsche, Deutsche überall!" steht auf der Hauswand im Stadtzentrum von Palma. / Ismael Velázquez

Sarah López

Sarah López

Dass auf Mallorca Schmierereien auftauchen, die etwas mit Deutschen zu tun haben, kommt immer wieder vor. Einige enthalten direkte Botschaften an Deutsche, die Insel zu verlassen – wie im vergangenen Jahr in Santanyí, als deutsche Geschäfte mit „Deutsche raus“ beschmiert wurden. Bei einer neuen Schmiererei im Zentrum von Palma ist auf den ersten Blick jedoch nicht ganz klar, ob damit tatsächlich eine Anfeindung gemeint ist. An einer Hauswand im Carrer Sant Domingo in der Altstadt steht in roter, frakturähnlicher Schrift „Deutsche, Deutsche überall“.

Ist diese Schmiererei eine Hassbotschaft? Wie wirkt sie auf Deutsche auf Mallorca? Wir haben in unseren sozialen Netzwerken ein Bild des Graffitis mit unseren Lesern geteilt und sie gefragt, was sie davon halten. Unter den mehr als 600 Kommentaren gingen die Meinungen auseinander. Ein Überblick über die verschiedenen Sichtweisen auf den Schriftzug:

Stimmt doch

Nicht wenige sehen in der Botschaft schlicht eine Tatsachenbeschreibung. „Passt zu 100 Prozent“, antwortet etwa eine Userin auf die Instagram-Story. Auf Facebook ist eine Nutzerin ähnlicher Meinung: „War grad auf Mallorca. Habe mehr Deutsch als Spanisch gehört.“ Ein anderer User bringt es so auf den Punkt: „Wir interpretieren da etwas hinein, das dort nicht steht. Da steht, dass Deutsche überall sind. Diese Aussage ist vollkommen richtig. Deutsche sind Weltmeister im Reisen.“

In den Kommentaren wird auch immer wieder deutlich, dass viele MZ-Leser den Unmut der Einheimischen verstehen. „Einfach haben es die Einheimischen nicht“, schreibt jemand unter das Bild. Eine weitere Leserin schildert das doppelschneidige Schwert der aktuellen Situation auf der Insel: „Ich mache mindestens zweimal im Jahr Urlaub auf Mallorca. Auf der einen Seite kann ich den Unmut verstehen: Mieten wie bei uns in Hamburg, München oder Berlin bei gleichzeitig geringerem Gehalt. Auf der anderen Seite: Wie würde Mallorca ohne Touristen aussehen? Keine nennenswerte Industrie – und nur vom Export von Orangen, Zitronen und Olivenöl zu leben, wird schwierig.“

Waren es Deutsche?

Eine interessante Theorie macht sich in den Kommentaren breit: Was wäre, wenn die Urheber der Schmiererei gar keine Einheimischen, sondern Deutsche waren? „Ich befürchte fast, dass es Deutsche waren, die das geschrieben haben – wegen der altdeutschen Schrift. Und Spanier würden das Ausrufezeichen so nicht setzen, sondern eins am Anfang und eins am Ende“, schreibt jemand.

Eine weitere Person erklärt, dass sich die Wirkung für sie je nachdem, wer es geschrieben hat, verändert: „Einheimische als Kritik – dann ist durchaus etwas Wahres dran. Deutsche im Nationalstolz – ziemlich widerlich.“

Auch andere sehen in der Schmiererei eine vermeintliche Nazi-Komponente. „Ekelhaft, weil es doch sehr an alte Zeiten erinnert“, schreibt jemand auf Facebook und meint damit vor allem die Schriftart. Ein weiterer aufmerksamer Leser fragt sich, ob die Schmiererei in Verbindung mit der ersten Zeile des Deutschlandliedes „Deutschland, Deutschland über alles“ steht. Falls die Urheber tatsächlich eine ähnliche Botschaft im Sinn hatten – also eine Parole, die später zusammen mit der ersten Strophe der Nationalhymne in der NS-Zeit missbraucht wurde, um Expansionspolitik und Überlegenheitsdenken zu propagieren –, würde das die Theorie, dass es keine Einheimischen waren, noch stärker stützen. Viele Mallorquiner kennen den Zusammenhang dieses Satzes mit der NS-Zeit nicht unbedingt.

Kam nicht gut an

Dann gibt es einige Leser, die die Nachricht geschmacklos finden. Nicht, weil sich darin Nazi-Parolen verbergen könnten, sondern weil es ein Angriff auf deutsche Urlauber sein könnte, die der Insel nichts Böses wollen. „Peinlich für alle Deutschen, die Spanien mit Respekt und Anstand begegnen“, schreibt etwa jemand auf Instagram.

Durch solche Botschaften fühlen sich einige auf der Insel nicht mehr willkommen. Einer schreibt: „Die Urlauber sollten die Insel für ein paar Jahre meiden. Das würde vielleicht klarmachen, woher das Geld kommt.“ Andere ärgern sich darüber, dass solche Nachrichten immer nur an Deutsche gerichtet werden: „Was ist eigentlich mit dem Rest der Touristen? Es gibt wirklich alle Nationen auf der Insel. Woher kommt der Hass auf die Deutschen?“, fragt sich ein Nutzer auf Facebook.

Nicht wenige sehen in solchen Botschaften Rassismus und Extremismus. Einer schreibt auf Facebook etwa: „In Deutschland würde man das als rechtsradikale Schmierereien bezeichnen.“

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