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"Das mindert die Lebensqualität": Was Kritikern zufolge in Palma an fast jeder Ecke fehlt

Öffentlicher Raum kann ein Ort der Begegnung sein. Doch in Palma fehlt es dafür an ganz grundlegenden Voraussetzungen

Palma genießen macht Spaß - zumindest, wenn man auch mal verschnaufen kann

Palma genießen macht Spaß - zumindest, wenn man auch mal verschnaufen kann / Guillem Bosch

Sich kurz nach einem Fußmarsch hinsetzen, ausruhen, vielleicht ein paar Sonnenstrahlen genießen - all das gehört zu den schönsten Momenten im Alltag vieler Menschen. In Palma ist das aber gar nicht so einfach. Tatsächlich ist es in der Inselhauptstadt fast unmöglich, sich kostenlos hinzusetzen und den öffentlichen Raum zu genießen. Die Gastro-Terrassen nehmen den Großteil der Plätze ein. Und Bänke sind oft besetzt - oder es gibt schlicht keine.

Ort der Begegnung

Sitzprobleme bekommt man auch auf dem zentralen Platz Plaça d’Espanya. Hier gibt es zwar mehrere Bänke, aber einige ohne Rückenlehne. Andere haben in der Mitte eine Metallstange, damit Obdachlose dort nicht schlafen oder sich tagsüber hinlegen können. Abgesehen davon reichen die Sitzgelegenheiten hier nicht aus. Fast immer sind sie besetzt, viele weichen notgedrungen auf die Mauer rund um das Denkmal von Jaume I aus - nicht gerade bequem.

Auch wenn sie oft übersehen werden, spielen Bänke im Alltag vieler Menschen eine wichtige Rolle. „Die öffentliche Bank ist ein Ort der Begegnung: Es gibt Leben, die sich verändern, weil man eine in der Nähe des eigenen Hauses hat, und ihr wird nicht die Bedeutung beigemessen, die sie verdient“, sagt Sonia Jichi, Sprecherin der Vereinigung von Fußgängern auf der Insel "Vianants Mallorca".

Manchmal muss man mit Geländern vorlieb nehmen

Manchmal muss man mit Geländern vorlieb nehmen / Guillem Bosch

„Schlüssel für die Mobilität“

„Sie sind ein zentrales Element der Mobilität und tragen direkt zum sozialen Zusammenhalt und zur Lebensqualität im öffentlichen Raum bei. Ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität brauchen sie, um längere Wege zurücklegen zu können. Außerdem ermöglichen sie allen, sich dort aufzuhalten und sie auf unterschiedliche Weise zu nutzen“, ergänzt Jichi.

Zu den Menschen, die unter dem Mangel an Bänken leiden, gehört Feli Marcos, 80 Jahre alt, wohnhaft im Viertel Sa Llotja. Sie geht morgens und nachmittags mit ihrem einige Jahre älteren Mann spazieren. „Es fehlen Bänke. Ältere Menschen müssen gehen, aber wir werden auch müde. Normalerweise gehen wir Richtung sa Feixina, dort gibt es immerhin einige. Die Bevölkerung auf Mallorca ist überaltert. Das ist ein Bedürfnis der Stadt“, erzählt sie am Telefon. Im Hintergrund mischt sich ihr Mann lachend ein: „Es gibt mehr Alte als Bänke“ und „Es fehlen Bänke und es gibt zu viele Touristen“. Feli ergänzt sofort: „Im Zentrum, wenn die Kreuzfahrttouristen kommen, müssen wir uns mit den Ellbogen einen Weg nach Hause bahnen.“

„Man könnte ruhig einige mehr aufstellen, damit man sich ausruhen kann. Wir gehen auch zur Stadtmauer, und manchmal bleiben wir dort oder bei den Bänken am Meer stehen, aber sie sind nicht gut ausgerichtet. Man sitzt mit dem Rücken zum Meer“, sagt die Seniorin.

Ein weiteres Beispiel nennt sie aus dem Stadtzentrum: „Auf der Avinguda Alexandre Rosselló gibt es keine Bänke, und wenn man sich setzen will, muss man in ein Café gehen – und man will nicht immer etwas konsumieren. Es braucht Bänke. Überall in der Stadt.“

7.500 Bänke in Palma

In Palma gibt es 7.500 Bänke, davon mehr als 800 im Zentrum. „Ihre Installation und Platzierung richtet sich nach den in den Barrierefreiheitsvorschriften festgelegten Kriterien“, teilt das Rathaus mit.Trotzdem werden mehr Sitzmöglichkeiten gefordert. „Es fehlen viele Orte zum Sitzen, nicht nur im Zentrum, sondern in der ganzen Stadt. Positiv ist immerhin, dass zunehmend neben den Bushaltestellen Bänke aufgestellt werden“, sagt Josep Maldonado, Architekt und Einwohner von Palma.

Eine Bank richtig zu platzieren, damit sie ihren Zweck erfüllt, ist aufwendig. „Man muss Dinge wie den Baumbestand berücksichtigen. Im Sommer sollten sie Schatten spenden, und im Winter, wenn die Blätter gefallen sind, sollte die Sonne dorthin gelangen“, erklärt er und ergänzt: „Dass man im Zentrum bezahlen muss, um sich auszuruhen, sollte einem zu denken geben.“

Auf manchen zentralen Plätzen ist eine Bank kaum zu finden. Auf der Plaça Major beispielsweise gibt es Terrassen, aber keine Bänke. Gleiches gilt für die Plaça del Banc de s’Oli und die Plaça d’en Coll. Und auf der Plaça de l’Olivar gibt es nur eine einzige. „Wir haben einen öffentlichen Raum, der übermäßig von den Terrassen der Bars in Beschlag genommen wird. Tatsächlich sind einige der wenigen öffentlichen Bänke verschwunden, um Platz für die Terrassen zu schaffen“, sagt Àngels Fermoselle, Vizepräsidentin der Denkmalschutzvereinigung ARCA.

Ein weiterer Grund für den Mangel an Aufenthaltsorten ist der geringe Anteil an Fußgängerzonen. „Im Vergleich zu anderen Städten liegen wir weit zurück. Palma hat nur 4 Prozent der Straßen für Fußgängerinnen und Fußgänger, während Städte wie Bilbao, Valencia oder Barcelona an die 20 Prozent heranreichen“, argumentiert Jichi.

Wirtschaftlicher Faktor

Der wirtschaftliche Aspekt erklärt den Mangel an Raum für die Einwohner mit: „Wo es Straßen mit breiten Gehwegen, Fußgängerzonen oder Plätze gibt, wird der öffentliche Raum am Ende von Terrassen überbelegt. Deren Erweiterung und wirtschaftliche Rentabilität werden gegenüber der Nutzung durch die Bürger priorisiert.“

Nach Jichis Ansicht könnten Bänke auch dem lokalen Handel helfen, während in den letzten Monaten viele traditionsreiche Geschäfte schließen mussten. „Die Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor, aber die Privatisierung des öffentlichen Raums mindert letztlich die Lebensqualität. Wenn keine Menschen auf der Straße sind – abgesehen von den Terrassen –, ist es schwierig, dass sie auch in die kleinen Geschäfte gehen. Der lokale Handel braucht mehr Zulauf, besonders in den weniger zentralen Vierteln, und öffentliche Bänke sind dafür ein grundlegendes Element“, sagt sie.

Beispiele, die funktionieren

Trotz des Mangels gibt es auch positive Beispiele. „Auf dem Paseo Marítimo kann ein Raum für soziale Begegnung entstehen, und genau das brauchen wir in allen Stadtvierteln von Palma“, betont Jichi. Maldonado nennt ein weiteres Beispiel: „Es müsste auf allen Plätzen der Stadt so viel Bänke geben wie am Rathausplatz Plaça del Cort.“

Bänke sind zudem Orte sozialer Begegnung. „Sie erfüllen eine grundlegende Funktion und können sich positiv auf das Stadtbild auswirken und dazu beitragen, die Stadt lebensfreundlich zu machen – wenn wir Modelle finden, die ästhetisch integriert sind und unserer Kultur nahestehen“, sagt Fermoselle. „Die Bank lädt zum Nachdenken und Beobachten ein, sie ist kein Hindernis, sondern ein Element, das Kommunikation, Austausch und eine Stadt fördert, die für ihre Bewohner da ist“, unterstreicht die Vizepräsidentin von ARCA.

Für Jichi sollte das Recht auf die Nutzung des öffentlichen Raums für alle Bürger gewährleistet sein: „Die Realität ist jedoch, dass die Straße, die noch immer weitgehend zugunsten des Autoverkehrs gestaltet ist, ältere Menschen isoliert und in ihren Häusern einsperrt.“

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