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Wenn die Meteoriten "wie Regen fallen": Dieses himmlische Schauspiel können Sie jetzt auf Mallorca sehen

Mit den Lyriden steht in der Nacht vom 21. auf den 22. April das erste große Spektakel eines an astronomischen Spektakeln reichen Jahres an

Besonders gut sind Sternschnuppen im Gebirge zu beobachten. Auf Mallorca ist dies die Serra de Tramuntana, auf diesem Bild sind es die Berge rund um den Walchensee in Bayern.

Besonders gut sind Sternschnuppen im Gebirge zu beobachten. Auf Mallorca ist dies die Serra de Tramuntana, auf diesem Bild sind es die Berge rund um den Walchensee in Bayern. / Matthias Balk / DPA

Mirko Perković

Mirko Perković

Der Himmel erwacht, wenn die Insel schläft. In der Nacht vom 21. auf den 22. April 2026 erlebt Mallorca das erste große Sternschnuppen-Feuerwerk des Jahres. Bis zu 18 glühende Meteore pro Stunde werden über das Mittelmeer rasen – ein himmlisches Schauspiel, das niemand verpassen sollte.

Es ist der Höhepunkt der Lyriden, eines der ältesten bekannten Meteorströme der Menschheitsgeschichte. Schon vor über 2.700 Jahren beobachteten die alten Chinesen dieses Phänomen und notierten ehrfürchtig, wie die Sterne „wie Regen fielen“. Jetzt ist es wieder so weit: Die Erde durchkreuzt auf ihrer Bahn um die Sonne die gigantische Staubwolke des Kometen C/1861 G1 (Thatcher).

Wenn diese winzigen, oft nur sandkorngroßen kosmischen Trümmerteile mit unglaublichen 177.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre rasen, verglühen sie blitzschnell – und ziehen als strahlende Leuchtspuren über den mallorquinischen Nachthimmel.

Perfekte Bedingungen für das Sternen-Kino

Die Lyriden gelten unter Astronomen zwar nicht als der intensivste Schauer des Jahres, aber sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie produzieren auffallend helle Meteore. Gelegentlich tauchen sogar sogenannte Feuerkugeln auf – Sternschnuppen, die so extrem hell leuchten, dass sie für Sekundenbruchteile die Umgebung erhellen können.

In diesem Jahr meint es der Kosmos zudem besonders gut mit den Beobachtern auf den Balearen. Der Meteorstrom ist vom 14. bis 30. April aktiv, sein Maximum wird für die Nacht vom 21. bis zum 22. April erwartet. Der Mond erreicht erst am 24. April das erste Viertel; in der Peaknacht ist die Mondstörung deshalb gering. Das sorgt nach Mitternacht für ein gutes Beobachtungsfenster mit vergleichsweise dunklem Himmel.

Sternschnuppen von einem Strand auf Mallorca betrachtet.  | FOTO: GABRIEL RODAS

Sternschnuppen von einem Strand auf Mallorca betrachtet. / GABRIEL RODAS

Die dunkelsten Ecken der Insel: Hier fliegen die Meteore am schönsten

Um das Spektakel in seiner vollen Pracht zu erleben, muss man allerdings den hell erleuchteten Touristenzentren und der Hauptstadt Palma den Rücken kehren. Lichtverschmutzung ist der größte Feind jedes Sternenguckers. Doch Mallorca hat glücklicherweise noch Gebiete, in denen die Nacht wirklich dunkel ist.

Die unangefochtene Nummer eins für Hobby-Astronomen ist die majestätische Serra de Tramuntana. Weit oben, etwa am Puig Major oder in der abgeschiedenen Gegend rund um das Kloster Lluc, bietet das Gebirge ideale Bedingungen. Die Luft ist klar, das Streulicht der Küstenstädte wird von den Bergen abgeschirmt.

Wer nicht in die Berge fahren möchte, findet im Inselinneren perfekte Alternativen. Das kleine Dorf Costitx beherbergt nicht umsonst das einzige astronomische Observatorium der Insel. Die gesamte Region rund um Costitx gilt als „Dark Sky“-Gebiet mit exzellenter Sicht. Auch im Südosten der Insel, fernab der großen Hotelanlagen, bietet der Naturpark Mondragó einen wunderbaren Zufluchtsort für Sternenbeobachter.

Geduld und ein klarer Blick nach Nordosten

Das himmlische Feuerwerk erfordert weder teure Ausrüstung noch astronomisches Fachwissen. Im Gegenteil: Ferngläser oder Teleskope sind sogar hinderlich, da sie das Sichtfeld extrem einschränken. Die Lyriden flitzen oft quer über das gesamte Himmelsgewölbe, auch wenn ihr Ursprung – der sogenannte Radiant – im Sternbild Leier (Lyra) liegt. Dieses Sternbild steigt in der zweiten Nachthälfte im Nordosten immer höher.

Der beste Platz ist eine einfache Isomatte oder ein Liegestuhl. Wer sich warm einpackt – die Aprilnächte können abseits der Küste und in den Bergen noch empfindlich frisch werden – und den Blick entspannt nach oben richtet, hat die besten Chancen. Wichtig ist nur, dem Auge Zeit zu geben. Es dauert rund 20 bis 30 Minuten, bis sich die Pupillen vollständig an die absolute Dunkelheit angepasst haben. Jeder Blick auf das grelle Smartphone-Display macht diese Anpassung sofort wieder zunichte.

Wenn das Wetter mitspielt und der Himmel über dem Mittelmeer wolkenlos bleibt, versprechen die Nächte zwischen dem 21. und dem 23. April ein unvergessliches Erlebnis zu werden. Ein stilles Feuerwerk über der Lieblingsinsel – man muss nur wach bleiben, nach oben schauen. Und sich etwas wünschen.

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