„Die Deutschen bringen das Geld“: Islamfeindliche Attacke auf Schülerin in Valldemossa-Bus
Bei dem Ausflug waren auch deutsche Austauschschüler dabei. Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen Einheimischen und Ausländern in den überfüllten Bussen zu Spannungen kommt

Palmas Bildungs- und Gleichstellungsdezernentin Lourdes Roca zu Besuch im IES ses Estacions / Rathaus Palma
In den überfüllten Valldemossa-Bussen kommt es derzeit gehäuft zu Streit zwischen den Einheimischen, auf der einen Seite, und Urlaubern sowie Ausflüglern auf der anderen. Nun nehmen sie auch rassistische Züge an. Bei einem Ausflug nach Valldemossa ist eine Schülerin der Schule IES Ses Estacions islamfeindlich beleidigt worden. Auch deutsche Austauschschüler waren dabei. Palmas Bildungs- und Gleichstellungsdezernentin Lourdes Roca besuchte daraufhin am Montag (20.4.) die Schule und sicherte den Betroffenen die Unterstützung der Stadt zu. Das Rathaus verurteilte den Vorfall scharf.
Was ist passiert?
Die rassistische Anfeindung ereignete sich am Sonntag (19.4.) bei einem Ausflug nach Valldemossa. Eine Gruppe von 15 Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 bis 17 Jahren hatte in der Tramuntana-Gemeinde eine Wanderung gemacht und wartete an der Bushaltestelle auf die Rückfahrt nach Palma, berichtet der Lehrer Salvador Alberola, der bei dem Ausflug dabei war, gegenüber der MZ. Anwesend waren auch deutsche Jugendliche, die im Rahmen eines Erasmus-Austauschs an der Wanderung teilnahmen.
Laut Angaben des Lehrers war die Lage schon vor dem Einstieg in den Bus angespannt: Viele Urlauber wie auch Anwohner warteten auf den Bus. Die Schule hatte für diesen Anlass im Vorfeld eine Gruppenreservierung für die Busfahrt getätigt, sodass die Schülerinnen und Schüler samt den Lehrern mit einem bestimmten Bus zurückfahren konnten. Als der Bus ankam, stiegen sie "wie es ging" ein, doch ein Anwohner versuchte sich die ganze Zeit vorzudrängeln und rief dabei verärgert „fuck tourists“ und "locals go first".
Pöbeleien an der Bushaltestelle
Im Bus eingestiegen, setzte er seine Tiraden fort. Laut dem Lehrer richtete sich sein Hass zunächst gegen einen britischen Urlauber, doch dann nahm er eine der Schülerinnen ins Visier. Das Mädchen mit Kopftuch war mit zwei anderen Schülerinnen als letzte der Gruppe in den Bus eingestiegen und stand direkt neben dem Randalierer. Laut dem Lehrer sagte er zu der Schülerin mit Hidschab: „Die Deutschen bringen das Geld, nicht wie die Muslime, die sich auf Kosten des Staates durchschmarotzen“.
Die Schülerin war von der Anfeindung sichtlich getroffen und fing an zu weinen. Alberola versuchte, sie zu beruhigen, und sprach mit ihr. Auf dem Handy tippte sie ihre Gedanken ein und zeigte sie ihrem Lehrer. Sie schrieb: "Dieser Vorfall macht mich traurig, weil ich an all die Anfeindungen denken muss, die meine Eltern hier erlebt haben müssen".
Daraufhin wollte der Lehrer den Randalierer auf sein Verhalten ansprechen. "Siehst du nicht, dass du sie zum Weinen gebracht hast?", sagte er zu dem Mann. Dieser zeigte jedoch wenig Einfühlungsvermögen gegenüber der Schülerin und erwiderte nur: "Ihr müsst sie besser erziehen". Der Lehrer suchte auch das Gespräch mit dem Busfahrer, aber dieser winkte ab: "So etwas kommt jeden Tag vor", sagte er.
Lehrer drängt auf Anzeige
In Palma angekommen, ermutigte der Lehrer die Schülerin, den Vorfall anzuzeigen, doch sie hatte Angst vor dem Mann und wollte zunächst nicht weiter dagegen vorgehen. Doch der Lehrer wollte die Sache nicht auf sich ruhen lassen. "So eine rassistische Anfeindung muss Konsequenzen haben", sagt Alberola.
Mittlerweile hat die Schule den Vorfall angezeigt. Bei der Nationalpolizei konnten die verantwortlichen Lehrer die Busreservierung sowie Bilder und Videos des Mannes vorlegen. "Es sollte einfach sein, den Täter zu fassen", sagt Alberola. Die Schülerin möchte nun ebenfalls Anzeige erstatten.
Auch das Rathaus leitete den Fall an das Mallorca-Transportkonsortium CTM weiter. Dieses verurteilte das Geschehen ebenfalls und betonte, man setze sich für einen sicheren und respektvollen öffentlichen Nahverkehr ein.
Stadt sagt Unterstützung zu
Bei ihrem Besuch im IES Ses Estacions sprach Roca mit der Schulleitung und erinnerte daran, wie wichtig es sei, diskriminierende Vorfälle konsequent zu melden. Die Dezernentin betonte, Palma und Mallorca seien Orte, in denen das Zusammenleben auf gegenseitigem Respekt und kultureller Vielfalt beruhe. Solche Vorfälle seien inakzeptabel und stünden nicht für die Mehrheit der Bevölkerung.
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