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Gentrifizierung am Meer: Einheimische fühlen sich aus dem Hafen von Port d’Andratx verdrängt

Bootsbesitzer in Andratx wehren sich gegen Verdrängung durch steigende Liegeplatzgebühren nach Konzessionswechsel

Einige Bootsbesitzer, die fortan hunderte Euro mehr im Monat für ihren Liegeplatz in Port d'Andratx zahlen müssen.

Einige Bootsbesitzer, die fortan hunderte Euro mehr im Monat für ihren Liegeplatz in Port d'Andratx zahlen müssen. / Manu Mielniezuk

Die Gentrifizierung hat die Küste Mallorcas erreicht. Besitzer kleiner Boote im Hafen von Port d'Andratx wehren sich dagegen, aus ihrem angestammten Liegeplatz verdrängt zu werden. "Mit dem Meer passiert jetzt dasselbe wie mit dem Wohnraum: Wir Mallorquiner werden verdrängt, damit der Hafen von Andratx mit Ausländern gefüllt werden kann“, sagt einer der Bootsbesitzer der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca".

Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, haben mehrere Betroffene den Verein Associació d’Usuaris i Amarristes del Port d’Andrat x (Vereinigung der Nutzer und Liegeplatzinhaber des Hafens von Andratx) gegründet. Der Verein wirft der balearischen Hafenbehörde Ports IB vor, die Verdrängung der bisherigen Nutzer zu begünstigen. Grund sei, dass Ports IB den Preissteigerungen der neuen Hafenkonzessionärin IP3M keinen Riegel vorschiebe.

Nach einem turbulenten Rechtsstreit, der bis ins Jahr 2003 zurückreicht, hat IP3M nun endgültig die Konzession für den Hafen übernommen. Bislang war dieser seit 1968 vom Segelclub Club de Vela Port d’Andratx verwaltet worden. Mit dem Betreiberwechsel wurden mehrere Boote, die jahrelang als fest im Hafen liegende Basis-Boote galten, nun als Gastlieger eingestuft. Die Folge sind Preiserhöhungen von bis zu 600 Prozent bei den Liegeplätzen.

Preiserhöhungen kurz vor dem Sommer

„Früher habe ich in der Nebensaison weniger als 200 Euro im Monat bezahlt, jetzt sind es 1300 Euro. Ich bin seit acht Jahren hier“, sagt Pau Herrera. Er bezeichnet sich selbst als „Arbeiter“ und betont, dass er mit seinem Segelboot kaum Treibstoff verbrauche. „Viele glauben, jeder mit einem Boot sei reich. Aber das stimmt nicht. Manche Gebrauchtwagen kosten mehr.“

Pau Herrera wurde der Preis für seinen Liegeplatz in Port d’Andratx um 600 % erhöht.

Pau Herrera wurde der Preis für seinen Liegeplatz in Port d’Andratx um 600 % erhöht. / Manu Mielniezuk

Betroffen sind rund 50 Boote. Die Liegeplatznutzer kritisieren außerdem das Vorgehen des Unternehmens: Die Änderungen seien ihnen nur rund 20 Tage vor Beginn der Sommersaison mitgeteilt worden – zu einem Zeitpunkt, an dem es auf Mallorca praktisch unmöglich sei, noch einen anderen Liegeplatz zu finden.

„Wer bisher 3000 Euro bezahlt hat und nun 5000 zahlen soll, merkt das vielleicht kaum. Uns aber vertreibt man“, sagt Javier Carvajal. Er liegt seit elf Jahren im Hafen, sein Liegeplatz soll nun 500 Prozent mehr kosten.

Javier Carvajal muss mit einem wesetlich teureren Liegeplatz rechnen.

Javier Carvajal muss mit einem wesetlich teureren Liegeplatz rechnen. / Manu Mielniezuk

Sorge um Verdrängung der Einheimischen

„Der Club de Vela hatte immer ein besonderes Gespür für Mallorquiner und Einheimische. Das hat die neue Konzessionärin offensichtlich nicht. Früher wurde immer versucht, für Anwohner einen Platz freizuhalten“, sagt Oliver.

Der Verein schließt auch rechtliche Schritte nicht aus. Man sehe in dem Vorgehen einen schweren Eingriff in die Rechte der bisherigen Nutzer.

„Am Ende geht es darum: Ich habe 270 Euro im Monat bezahlt, jetzt verlangen sie 1300 Euro für meinen Llaüt (traditionelle Jollen der lokalen Fischer). Wir werden alle gehen müssen, weil wir das nicht bezahlen können. Sie vertreiben diejenigen, die Raons (Schermesserfische) und Tintefische fischen, und machen Platz für Motorboote und ausländische Yachten. Wir werden verschwinden“, sagt Javier Truyol.

Javier Truyol zahlte monatlich 270 Euro für seinen Liegeplatz. Jetzt soll er 1.300 Euro zahlen.

Javier Truyol zahlte monatlich 270 Euro für seinen Liegeplatz. Jetzt soll er 1.300 Euro zahlen. / Manu Mielniezuk

Verein fordert Lösungen von der Verwaltung

Der neue Verein schlägt der Verwaltung verschiedene Lösungen vor. Die radikalste wäre, die Konzession zu widerrufen und IP3M zu entschädigen. Daneben setzt der Verein aber auch auf Verhandlungen.

„Es gibt einen Bereich mit fast 200 Liegeplätzen, der neu ausgeschrieben werden muss. Bis die Ausschreibung abgeschlossen und entschieden ist, wer diesen Bereich verwaltet, könnte man die Konzessionsabgabe für IP3M senken und die Preise für die Betroffenen stabil halten“, erklärt Toni Oliver, einer der Sprecher der neuen Vereinigung.

Zudem fordert der Verein, dass in den Bedingungen der neuen Konzession festgelegt wird, dass der Club de Vela die Verwaltung übernimmt – über eine gemeinnützige Einrichtung, eine Art Sozialmarina. Dort sollten Boote bis zwölf Meter Länge liegen können, zu erschwinglicheren Preisen.

Vorwürfe gegen die Inselregierung

Die Vereinigung wirft der Inselregierung außerdem vor, IP3M entgegenzukommen, statt die neue Betreiberfirma wegen der starken Preiserhöhungen zu bremsen. So hätten Ports IB und IP3M vereinbart, die Konzessionsabgabe für drei Jahre zu senken. Begründet worden sei die Senkung damit, dass die Personalkosten im Hafen höher seien als bei anderen Konzessionen. Die Betroffenen kritisieren: Während IP3M entlastet werde, müssten die bisherigen Liegeplatznutzer deutlich höhere Preise zahlen.

Nach Darstellung der Liegeplatznutzer hat die Balearen-Regierung in den vergangenen Jahren immer wieder Entscheidungen getroffen, die der Konzessionärin zugutekamen.

Zum konkreten Punkt der gesenkten Konzessionsabgabe äußert sich die Inselregierung nicht und verweist darauf, dass Nutzer bei Streitigkeiten den Rechtsweg beschreiten könnten. Die Verwaltung betont außerdem, dass die Einstufung als Basis- oder Gastlieger nicht von Ports IB vorgenommen worden sei, sondern vom Club de Vela auf Grundlage der vorliegenden Informationen.

Tarife und Stellungnahmen

Bei den Tarifen verweist die Balearen-Regierung darauf, dass diese vom Konzessionär im Rahmen der Konzession festgelegt würden. Sie seien überprüft worden und mit den Preisen vergleichbarer Anlagen, etwa der Yachtclubs in der Bucht von Palma, vergleichbar.

IP3M war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Das Unternehmen war in der Vergangenheit mit Joan Verger verbunden, dem früheren Präsidenten der Hafenbehörde und des Vizepräsident des Inselrats für die konservative Volkspartei PP. Der Politiker starb 2013, bevor er im Fall Mar Blau vor Gericht gestellt werden konnte. Im Mittelpunkt des Falls standen Korruptionsvorwürfe bei der Hafenbehörde.

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