Gaza-Hilfsflotte: Mallorquiner verletzt auf Kreta, zwei Aktivisten bleiben in Israel in Haft
Einer der Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte, der Mallorquiner Ángel Benítez, ist nach mehreren Tagen ohne Kontakt zu seiner Familie verletzt auf Kreta erneut aufgetraucht

Ángel Benítez, der Mallorquiner der an Bord der Gaza-Hilfsflotte war. / X.B.
Der mallorquinische Aktivist Àngel Benítez aus Inca ist nach dem Stopp der Gaza-Hilfsflotte verletzt auf Kreta wieder aufgetaucht. Zwei weitere Aktivisten, die nach Israel gebracht worden waren, bleiben dagegen vorerst in Haft.
Ein israelisches Gericht in der Küstenstadt Aschkelon verlängerte die Haft des Spaniers Saif Abu Keschek und des Brasilianers Thiago Ávila um zwei Tage. Das teilte die Menschenrechtsorganisation Adalah mit, die die beiden vertritt. Eine israelische Gerichtssprecherin bestätigte die Haftverlängerung bis Dienstag. Adalah sprach von einer "rechtswidrigen Entführung" der beiden Aktivisten durch Israel.
Israel wirft Abu Keschek, der palästinensische Wurzeln hat, Verbindungen zur Terrororganisation Hamas im Gazastreifen vor. Spanien fordert seine sofortige Freilassung. Ávila werden "illegale Aktivitäten" vorgeworfen. Konkrete Beweise wurden bislang nicht vorgelegt.
Die israelische Marine hatte in der Nacht zum Donnerstag westlich von Kreta 21 Schiffe der "Global Sumud Flotilla" in internationalen Gewässern abgefangen und nach eigenen Angaben 175 Menschen festgenommen. Griechenland erklärte sich anschließend bereit, die Festgenommenen aufzunehmen und ihre Rückreise in die Herkunftsländer zu ermöglichen.
Mallorquiner auf Kreta behandelt
Auch der aus Inca stammende Àngel Benítez war an Bord der Hilfsflotte. Der Aktivist engagiert sich bei Inca Mallorca Solidaria und nahm als Vertreter dieser Organisation an der Aktion zur Unterstützung Gazas teil.
Der letzte Kontakt die Familie am Mittwochabend (29.4.) während eines Videoanrufs stattgefunden, berichtet der Xisco Benítez der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". "Plötzlich sagte er zu mir: Warum leuchten sie uns an, und warum kommen Boote auf uns zu? Dann bat er mich aufzulegen. Die Anweisung lautete, die Handys ins Wasser zu werfen", so Benítez.
Danach habe die Familie drei Tage lang nichts von dem jungen Mann gehört. "Ich dachte an das Schlimmste. Ich begann, beim griechischen Konsulat anzurufen", sagt der Vater. Schließlich habe er erfahren, dass Àngel auf Kreta mit einer ausgekugelten Schulter behandelt werde.
Nach Darstellung des Vaters berichtete sein Sohn, dass er und weitere Teilnehmer festgehalten worden seien. "Sie hielten ihn für einen Palästinenser. Sie brachten ihn auf ein Containerschiff, das als Gefängnis vorbereitet war. Sie nahmen ihm alles weg, ließen ihn in Unterhosen zurück und traten auf ihn ein und schlugen ihn mit dem Gewehrkolben", behauptet Benítez.
Seiner Darstellung zufolge wurden zwei weitere Teilnehmer der Flotte nach Israel gebracht, während sein Sohn später freigelassen wurde. "Uns wurde gesagt, sie hätten wie unter Drogen gewirkt, nicht wie Menschen", fügt Benítez hinzu.
Àngel Benítez befindet sich derzeit auf Kreta in einer Schutzeinrichtung, wo er nach Angaben seines Vaters versorgt wird. Er habe Verletzungen an der Schulter, andere Teilnehmer sollen Rippenbrüche erlitten haben.
Vorwürfe vor Gericht
Die Anwältinnen von Adalah erklärten vor Gericht, das gesamte Verfahren sei rechtswidrig. Sie stellten die Zuständigkeit Israels infrage und argumentierten, es gebe keine rechtliche Grundlage für die Anwendung der betreffenden Straftatbestände auf Handlungen ausländischer Staatsangehöriger in internationalen Gewässern. Zudem seien die Festgenommenen ohne rechtliche Grundlage ergriffen worden und hätten von schwerer Misshandlung bis hin zu Folter berichtet.
Die beiden in Israel festgehaltenen Aktivisten sollten demnach vorerst zurück in eine Haftanstalt nahe Aschkelon gebracht werden. Aus Protest gegen ihre Behandlung hätten sie einen Hungerstreik begonnen.
Mehr als 1000 Aktivisten aus verschiedenen Ländern beteiligen sich an der neuen Hilfsflotte. Ihr Ziel ist es, einen humanitären Korridor zu öffnen, um Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen. Die spanische Hilfsorganisation Open Arms teilte am Samstag mit, sie habe zwölf Aktivisten von zwei Schiffen der Global Sumud Flotilla gerettet. Die Boote seien nach dem Eingreifen der israelischen Marine in internationalen Gewässern manövrierunfähig im Mittelmeer getrieben.
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