30.000 Quadratmeter für umstrittene Energiespeicheranlagen: Palma wird Teil des Batterie-Booms auf Mallorca
Der Boom der Energiespeicher auf Mallorca erreicht Palma: Vier private Projekte sind geplant, doch Kritiker warnen vor Greenwashing und davor, dass der Raumordnungsplan nicht eingehalten wird

Auch in der Gegend um Son Hugo in Palma soll eine neue Speicheranlage entstehen / Redaktion DM
Der Boom der Energiespeicheranlagen auf Mallorca geht weiter. Nach dem in den vergangenen Monaten bereits mehrere Projektpläne in verschiedenen Inseldörfern Schlagzeilen gemacht haben, ist jetzt auch Palma an der Reihe. Im Stadtgebiet sollen vier Batteriespeicheranlagen errichtet werden - auf insgesamt rund 30.000 Quadratmetern Fläche. Aktuell befasst sich das balearische Energieministerium mit der Ausarbeitung des Projekts.
Konkret handelt sich der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" zufolge um Anlagen, die über verschiedene Punkte des Gemeindegebiets verteilt sein werden, einige davon auf Flächen mit landwirtschaftlicher Nutzung. Sie sind dafür gedacht, Energie in großen Batteriecontainern zu speichern, um sie anschließend in das Stromsystem einzuspeisen. Dadurch wäre das Netz vor etwaigen kurzzeitigen Ausfällen geschützt. Die vier Projekte gehen auf private Initiative zurück und werden damit begründet, den Überschuss an Energie aus Solarparks zu speichern.
Vier Standorte

Auch im Bereich Son Hugo soll eine Speicheranlage entstehen / Redaktion DM
Das erste dieser Projekte ist "BESS Llatzer I", vorgesehen auf einem 1.300 Quadratmeter großen städtischen Grundstück zwischen dem Carrer Son Pobanya und Carrer Manacor. Die Anlage wird über acht Container mit Lithiumbatterien verfügen, außerdem über zwei Transformatorstationen, ein Kontroll- und Schutzzentrum sowie einen Kontrollraum. Ihre Speicherkapazität wird 39.284 kWh betragen.
Hinzu kommt das Speichersystem "Agrupación Agustí", geplant am Camí dels Reis, Nummer 2, in der Nähe der Straße Richtung Establiments. Das Grundstück, das als Agrarfläche eingestuft ist, hat eine Fläche von 8.963 Quadratmetern, von denen 1.240 von der Anlage belegt werden. Das Projekt umfasst sieben Container mit Lithiumbatterien sowie Wechselrichter, Transformatoren und weitere zugehörige elektrische Infrastruktur.
Das dritte Projekt wird in dem Carrer San Francisco de Sales Nummer 118 angesiedelt, neben der Pferderennbahn Son Pardo. Es handelt sich um das Speichersystem "Agrupación Catalina, das 950 Quadratmeter innerhalb eines 16.503 Quadratmeter großen Grundstücks belegen wird. Die Anlage sieht 25 Container mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien, fünf Mittelspannungstransformatoren, eine Schalt- und Messstation sowie die gesamte notwendige elektrische Infrastruktur vor.
Das vierte Verfahren betrifft Agrupación Son Oms BESS, auf einem Gelände, das als Bereich von intensivem agrarischem Interesse eingestuft ist, mit einer Fläche von 2.000 Quadratmetern, von denen 659 bebaut werden. Auf dieser Fläche werden 16 Batteriecontainer sowie Wechselrichter, Transformatoren und eine Schalt- und Messstation installiert.
Besser planen statt überstürzen
Die Vorhaben stoßen - wie auch in den anderen Inselorten - nicht nur auf Zustimmung. Angesichts des „Booms“ forderte die Bürgerplattform „Renovables sí, pero així no“ (Erneuerbare Energien ja, aber nicht so) jetzt erneut ein Moratorium, um die Ansiedlung dieser Anlagen unter Beteiligung von Fachleuten und Anwohnern zu planen, statt sie "überstürzt" aus dem Boden zu stampfen.
Die Sprecherin der Bürgerplattform, Margalida Rosselló, vertritt die Auffassung, dass diese Anlagen nicht einfach als grüne Infrastruktur dargestellt werden können, weil sie ihrer Ansicht nach nicht zwangsläufig mit der Produktion erneuerbarer Energie verbunden sind. Rosselló warnt, dass es sich um Speichersysteme handelt, die an das allgemeine Stromnetz angeschlossen sind. „Das sind keine grünen Energien, das sind Batterien zur Speicherung von Energie, die im Energiemix gekauft und verkauft wird“, fasst sie zusammen. In dieselbe Richtung gehend betont sie, dass, wenn diese Anlagen nicht direkt an eine konkrete Photovoltaikanlage gekoppelt sind, die Energie, die sie aufnehmen, aus jeder beliebigen Quelle stammen kann, ob erneuerbar oder nicht.
Die Plattform ist daher der Ansicht, dass hinter diesen Projekten vor allem eine industrielle und geschäftliche Tätigkeit steht. „Zuerst kam der Boom der Solarparks und jetzt passiert dasselbe mit den Lithiumbatterien“, sagt sie.
Rosselló kritisiert außerdem, dass viele dieser Initiativen auf ländlichem oder landwirtschaftlichem Boden geplant werden, obwohl sie ihrer Meinung nach auf Industrieflächen konzentriert werden sollten. Die Raumordnung müsse strenger eingehalten werden.
"Greenwashing"
Die Kritik der Plattform geht über die territoriale Einordnung hinaus und richtet sich auch gegen das Image, mit dem diese Art von Projekten präsentiert wird. „Das ist grünes Marketing, das ist Greenwashing“, sagt Rosselló, die den Verwaltungen vorwirft, die Planung den Unternehmen zu überlassen, die an der Förderung dieser Anlagen interessiert sind. „Wir fordern, dass die Planung nicht von denen gemacht wird, die die Gewinne einstreichen werden, sondern von der Bürgerschaft“, fordert sie. /somo
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