Von "Koloniale Misshandlung" bis "Respektlosigkeit": Deutsche Sparkassenwerbung am Flughafen auf Mallorca erzürnt die Gemüter
Ein großflächiges Sparkassen-Banner am Flughafen Palma sorgt für Empörung. Besonders der Begriff „Malle“ und die doppeldeutige Botschaft stoßen Politikern sauer auf. Dabei spielt auch ein Missverständnis eine große Rolle

Das Sparkassen-Banner an Palmas Flughafen sorgt für Wirbel auf Mallorca / Ismael Velázquez
Ein Werbebanner der deutschen Sparkasse-Gruppe, das derzeit einen Teil der Außenfassade des Parkhausgebäudes an Palmas Flughafen ziert, sorgt auf Mallorca für Wirbel. "Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen", steht dort auf Deutsch. Der Slogan bezieht sich auf die Echtzeit-Zahlungslösung Wero, mit der sich Nutzer der Sparkasse in Sekundenschnelle Geld von Handy zu Handy senden können, ähnlich wie bei dem US-amerikanischen Anbieter PayPal oder dem spanischen System Bizum. So gesehen hat der Spruch also nichts Verwerfliches an sich - von der unschönen Begrifflichkeit "Malle" einmal abgesehen. Zumal andere Unternehmen wie Sixt, Megapark oder Bierkönig am Flughafen regelmäßig ähnlich prominente Werbung präsentieren, die sich an Urlauber richtet.
"Verdienen mehr Respekt"
Doch auf der Insel kommt der Sparkassen-Slogan offensichtlich besonders schlecht an. Der balearische Tourismusminister Jaume Bauzà ging sogar so weit, den Flughafenbetreiber Aena in den sozialen Netzwerken öffentlich dafür zu kritisieren, die Anbringung der großflächigen Werbung erlaubt zu haben.
Die Werbung vermittele ein Bild von Mallorca, das auf Exzessen beruht und dem Qualitätsmodell widerspricht, das die öffentlichen Institutionen der Inseln fördern. „Das ist inakzeptabel, wir verdienen viel mehr Respekt“, prangerte er an. Als erste hatte die Zeitung "ARA Balears" sich über die Werbung echauffiert.
Wohl auch, weil viele den zweideutigen Spruch nicht mit der Begleichung von kleineren Geldschulden in Verbindung bringen dürften, sondern ihn vor allem als Aufruf interpretieren, Mallorca als rechtsfreies Gebiet zu betrachten, in dem Deutsche machen dürfen, was sie wollen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. In Abwandlung einer geläufigen spanischen Redewendung wäre die Übersetzung dann "Lo que sucede en la isla, se queda en la isla" (Was auf Mallorca geschieht, bleibt auf der Insel).
Vor dem Hintergrund dieses Missverständnisses sieht sich Bauzá wohl genötigt zu unterstreichen, dass die öffentliche Verwaltung daran arbeite, einen „verantwortungsvolleren, nachhaltigeren und mit dem Leben der Einwohner vereinbareren Tourismus" zu fördern. Der Begriff „Malle“ sei zudem eine „touristische Karikatur“, die Mallorca auf ein Reiseziel für „Freigetränke und schnelles Geschäft“ reduziere. Die Botschaft laute, dass die Insel ein „Themenpark der Exzesse“ sei.
Die Balearen-Regierung, die Inselräte und die Gemeinderäte führten seit Jahren eine Debatte über die Grenzen des Tourismusmodells, so der Minister. Deshalb halte er es für widersprüchlich, dass eine Kampagne dieser Art ausgerechnet am wichtigsten Eingangstor der Inseln platziert wird, durch das in diesem Jahr voraussichtlich 20 Millionen Reisende kommen werden.
"Koloniale Misshandlung"
Wie nicht anders zu erwarten schlossen sich auch andere Parteien der Kritik an der Sparkassen-Werbung an. Die linksgrüne Regionalpartei Més brachte gar einen nicht bindenden Antrag ins Parlament ein, um zu fordern, dass die Werbung sofort entfernt wird. Sie sei „beleidigend“ und "repräsentativ für ein Tourismusmodell, das auf der kommerziellen Banalisierung Mallorcas und dem Exzesstourismus“ beruht, heißt es in einer Pressemitteilung von Més.
Gleichzeitig nutzten die Oppositionspolitiker die Gelegenheit, um noch einmal ihre Forderung zu bekräftigen, dass die Balearen mehr Mitspracherecht bei der Verwaltung der Inselflughäfen haben sollten, da die touristische Überfüllung und die Wohnungsnot auf der Insel eng mit der Flughafenpolitik verknüpft sei.
Més-Per-Mallorca-Sprecher Lluís Apesteguia bezeichnete die Sparkassen-Kampagne gar als eine ein weiteres Beispiel für „koloniale Misshandlung“. „Dass Aena diese Werbung am Flughafen Son Sant Joan erlaubt, ist ein weiterer Beweis für die absolute Verachtung; sie handeln offen gegen die Mallorquiner, um uns vollständig auszupressen“, schimpfte er.
Es ist nicht das erste Mal, dass deutschsprachige Werbung auf Mallorca für Diskussionen auf der Insel sorgt. Auch der einstige FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt brachte viele Mallorquiner gegen sich auf, weil er im Jahr 1998 eigenhändig ein Wahlkampfplakat am Flughafen in Palma aufklebte.
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