Sparkasse will weiteren Umgang mit umstrittenem Plakat am Flughafen "prüfen"
Finanzgruppe bestreitet aber Bezugnahme auf Party-Exzesse auf der Insel. Indes weigert sich der Flughafenbetreiber Aena, das Plakat abzunehmen

Die auf Mallorca umstrittene Sparkassen-Werbung am Parkhaus des Flughafens Son Sant Joan. / Miquel A. Borràs / Efe
Auf Mallorca geht der Streit um eine deutsche Sparkassen-Werbung am Flughafen von Palma weiter. Nachdem der Flughafenbetreiber Aena bekannt gab, dass er das riesige Banner nicht, wie von der Balearen-Regierung verlangt, abzuhängen gedenkt, konterte Vizeministerpräsident Antoni Costa am Freitagmittag (29.5.), dass die Geduld der Balearen-Regierung am Ende sei und man weiter eine öffentliche Entschuldigung erwarte. Indes bezeichnete in Deutschland ein Sprecher der Sparkassen-Finanzgruppe den auf Mallorca hergestellten Bezug zum exzessiven Partytourismus als "schwer nachvollziehbar", ließ aber die Möglichkeit offen, den Umgang mit dem Plakat "zu prüfen".
"Werbung braucht Aufmerksamkeit, deswegen muss sie zuspitzen", so der Sparkassen-Sprecher gegenüber der Mallorca Zeitung. Die Finanzgruppe werbe "für ein unabhängiges europäisches Zahlungsverkehrssystem, nicht für eine bestimmte Art der Freizeitgestaltung". Zu keiner Zeit sei beabsichtigt gewesen, "mit dem Plakat die Gefühle der Einwohnerinnen und Einwohner der Insel zu verletzen."
"Sollte das in einzelnen Fällen passiert sein, so nehmen wir das sehr ernst und werden daher den weiteren Umgang mit diesem Plakat prüfen“, so der Sprecher. Es sei wichtig, sich mit der Kritik ehrlich auseinanderzusetzen. "Dazu gehört dann eben auch, gegebenenfalls zu reagieren und das Plakat zu ersetzen. Wir schauen uns das genau an."
Doppeldeutiger Slogan sorgt für Ärger
Auf dem Banner steht auf Deutsch der Satz: „Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen.“ Der Slogan bezieht sich auf Wero, ein Echtzeit-Bezahlsystem, mit dem Sparkassen-Kunden Geld von Handy zu Handy senden können – ähnlich wie bei Bizum in Spanien. Der Ärger entzündet sich vor allem an der Doppeldeutigkeit des deutschen Slogans. Wörtlich spielt „beglichen“ auf das Bezahlen kleinerer Geldschulden an. Auf Mallorca empört jedoch die Anspielung auf die Formel „Was auf Mallorca (oder in Las Vegas oder wo auch immer) passiert, bleibt auf Mallorca (oder in Las Vegas oder wo auch immer)“.
Diese Redewendung wird im Spanischen häufiger im Party-Kontext benutzt - im Sinne von alles geht, solang keiner davon erfährt. Kritiker sehen deswegen in der Sparkassen-Werbung eine Botschaft, die die Insel als rechtsfreien Partyraum für deutsche Urlauber erscheinen lasse. Auch die Verwendung des Begriffs „Malle“ hatte dem balearischen Tourismusminister Jaume Bauzá aufgestoßen. Dass diese Abkürzung keineswegs immer abfällig gemeint ist, mag er vielleicht nicht wissen.
Flughafenbetreiber gibt nicht nach
Der spanische Flughafenbetreiber Aena weist diese Interpretation zurück. Das großformatige Banner an der Fassade des Parkhausgebäudes fördere keineswegs den Exzesstourismus auf Mallorca, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Vielmehr handle es sich um eine kommerzielle Kampagne für eine digitale Zahlungslösung. Deswegen werde es, anders als von der Balearen-Regierung gefordert, auch nicht abgehängt.
Tourismusminister Jaume Bauzà hatte Aena zuvor offiziell aufgefordert, das Banner „unverzüglich“ entfernen zu lassen. In einem Schreiben an Aena-Präsident Maurici Lucena und den Direktor des Flughafens Palma, Tomás Melgar, bezeichnete Bauzà es als „absolut inakzeptabel“, dass eine strategische Infrastruktur wie der Flughafen Botschaften verbreite, die schädliche Stereotype über Mallorca transportierten.

Passagiere am Flughafen auf Mallorca. / Clara Margais / dpa
Aena weist Verantwortung für das Image der Insel zurück
Aena widersprach dieser Lesart nun ausdrücklich. Das Unternehmen erklärte, der Flughafen von Palma sei nicht der Erzeuger touristischer Nachfrage. Die Besucherzahlen hingen vielmehr vom Reiseziel selbst und vom touristischen Angebot Mallorcas ab. Der Flughafenbetreiber sieht sich damit nicht in der Verantwortung für das Image, das einzelne Werbekampagnen möglicherweise hervorrufen.
Bereits zuvor hatten neben der Balearen-Regierung auch Vertreter der Opposition scharfe Kritik geübt. Die linksgrüne Regionalpartei Més sprach von einer beleidigenden Kampagne und brachte sogar einen Antrag ins Parlament ein, um die Entfernung der Werbung zu fordern. Més-Per-Mallorca-Sprecher Lluís Apesteguia wertete die Anzeige als weiteres Beispiel für eine respektlose Behandlung Mallorcas durch Aena.

Der Megapark warb 2023 am Flughafen Mallorca im Pop-Art-Stil für seine Party-Künstler / MZ
Großflächige Werbung ist am Flughafen Mallorca seit Jahren üblich. Neben den großen Vergnügungslokalen Megapark und Bierkönig buhlen dort auch immer wieder Immobilienunternehmen wie Engel & Völkers und Autovermieter wie Sixt um Aufmerksamkeit.
Die Debatte hat damit auch eine politische Dimension, die über das einzelne Werbebanner hinausgeht. Die Balearen fordern seit Längerem mehr Mitsprache bei der Verwaltung ihrer Flughäfen. Aena, ein börsennotiertes Unternehmen mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung, wehrt sich gegen solche Forderungen. Der Streit um die Sparkassen-Werbung liefert der Inselpolitik nun ein weiteres Argument in der Auseinandersetzung um den Flughafen Palma.
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