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"Sie leben auf des Messers Schneide": Die Caritas warnt vor sozialer Ausgrenzung von immer mehr Menschen auf Mallorca

Die Balearen häufen immer mehr Reichtum an - zumindest einige wenige. Gleichzeitig steigt die Anzahl derer, die trotz Arbeit nicht mehr über die Runden kommen, berichtet die Organisation

Zahlreiche Menschen müssen in Wohnmobilen wohnen, wie hier in Son Güells, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können.

Zahlreiche Menschen müssen in Wohnmobilen wohnen, wie hier in Son Güells, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. / Guillem Bosch

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Verantwortliche der Caritas auf Mallorca üben scharfe Kritik am Wirtschaftsmodell auf den Balearen. Wie die Leiterin Esther Romero am Donnerstag (4.6.) bei der Vorstellung des Caritas-Jahresberichts 2025 betonte, erlebten die Inseln aktuell eine "schmerzhafte Paradoxie": Sie schafften Wohlstand und Arbeitsplätze, verdrängten aber gleichzeitig die verletzlichsten Menschen. "Diese Ungleichheit ist zu einem strukturellen Phänomen geworden. Das derzeitige Wirtschaftsmodell ist nicht in der Lage, diesen wachsenden Teil der Bevölkerung zu integrieren", sagte die Verbandsleiterin.

Jeder Fünfte sozial ausgegrenzt

Den vorgestellten Daten zufolge leben 233.000 Menschen - also 19 Prozent der balearischen Bevölkerung oder auch nahezu jeder Fünfte - in sozialer Ausgrenzung. Dabei sei soziale Ausgrenzung ein Phänomen mit zahlreichen Ausprägungen, erklärte Esther Romero weiter. Dieses gehe weit über fehlendes Einkommen hinaus und betreffe auch die Bereiche Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnen, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Teilhabe.

Wie die Caritas-Leiterin erläuterte, betrifft dies sowohl allein lebende Rentner als auch junge Menschen, die die Hoffnung verloren haben, sich ein eigenes Leben aufbauen zu können, und Arbeitnehmer, die trotz eines Gehalts nicht bis zum Monatsende kämen. "Mit punktuellen Hilfen lösen wir das grundlegende Problem nicht", sagte Romero.

Die Caritas-Mallorca-Vorsitzende Esther Romero mit Mallorcas Bischof Sebastià Taltavull bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025

Die Caritas-Mallorca-Vorsitzende Esther Romero mit Mallorcas Bischof Sebastià Taltavull bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025 / G.P.

Wohnraum als wichtigster Faktor der Verwundbarkeit

Wenig überraschend: Die Wohnungsnot und die horrenden Mietpreise sind dem Bericht zufolge die wichtigsten Faktoren der Ausgrenzung auf den Balearen. Nach Angaben von Caritas leiden 29 Prozent der Bevölkerung unter wohnraumbezogener Ausgrenzung, sei es, weil sie unter unangemessenen Bedingungen leben, unter Unsicherheiten leiden oder weil die Mieten eine so hohe Belastung darstellen.

Die durchschnittliche Monatsmiete beträgt auf Mallorca laut der Cáritas rund auf 1.598 Euro - eine Summe, die sich viele alleine nicht leisten können. Schätzungsweise lebten daher etwa 100.000 Menschen in überbelegten oder gesundheitsgefährdenden Verhältnissen. Konkret wohnten 49,5 Prozent der von der Caritas betreuten Personen in beengten Wohngemeinschaften. "Das ist kein Zuhause, es sind Räume zum Überleben", erklärte sie.

Die Verantwortliche der Caritas warnte außerdem davor, dass bereits eine einfache Erhöhung der Miete viele Familien in die Ausgrenzung treiben könne. Tatsächlich wendeten sich 44,15 Prozent der Menschen, die im vergangenen Jahr von der Organisation betreut wurden, zum ersten Mal an die Einrichtung. "Heute leben sie auf Messers Schneide und haben erlebt, wie ihre Sicherheit zerbrochen ist", erklärte sie.

Prekäre Arbeitsbedingungen

Ein weiterer im Bericht hervorgehobener Aspekt ist die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Nach Angaben der Caritas befindet sich jede siebte erwerbstätige Person aufgrund von Arbeitsplatzunsicherheit und niedrigen Löhnen in einer Situation der Verwundbarkeit. Romero wies zudem darauf hin, dass die Mehrheit der Menschen, die Hilfe beantragen, Frauen sind, auch wenn die Leistungen letztlich der gesamten Familie zugute kommen.

Zudem hob Romero hervor, dass sich 57 Prozent der betreuten Personen irregulär auf den Inseln aufhalten, was ihren Zugang zum Arbeitsmarkt enorm erschwert. Deshalb unterstützt die Einrichtung Regularisierungsprozesse. "Es sind Menschen, die für das System unsichtbar sind, gefangen in einem Leben im Verborgenen, das einen Faktor struktureller Diskriminierung darstellt", erklärte sie.

Die Direktorin fügte hinzu, dass die Herkunft zu einem Risikofaktor geworden sei und dass Ausgrenzung die ausländische Bevölkerung besonders stark treffe. Die Quote der sozialen Verwundbarkeit liege in dieser Gruppe doppelt so hoch wie bei den Einheimischen. Viele Migranten, erklärte sie, konnten ihre Studienabschlüsse nicht anerkennen lassen und seien daher zu prekären Beschäftigungsverhältnissen verdammt.

Forderung: Langfristiger Sozialpakt

Angesichts dieser Situation fordert die Caritas einen Systemwechsel, der die Menschen ins Zentrum stellt und von Fragen wie ihrem wirtschaftlichen Nutzen abkoppelt. Romero sprach sich für einen Sozialpakt aus, der Wohnen als wirksames Recht versteht, ehrgeizige soziale Wohnungspolitik vorantreibt, den öffentlichen Wohnungsbestand erhöht und missbräuchliche Preissteigerungen bremst.

Die Einrichtung fordert außerdem, den Schutz von Kindern zu stärken, eine gesunde Ernährung für alle Minderjährigen zu gewährleisten und die garantierte Sozialrente neu zu gestalten, damit sie das staatliche Mindesteinkommen schnell und wirksam ergänzen kann. Die Organisation warnt zudem vor einer Tendenz zur Verringerung öffentlicher Hilfen und weist darauf hin, dass rund 75 Prozent ihrer Finanzierung aus privaten Beiträgen stammen.

Geldsegen durch Spenden

Tatsächlich habe sich die wirtschaftliche Situation der Caritas Mallorca im Jahr 2025 verbessert, nachdem sie zuvor fünf Jahre lang Verluste von mehr als 1,1 Millionen Euro angehäuft hatte. Die Entspannung der Finanzen erklärt die Vereinigung vor allem durch Spenden in Form von Erbschaften, die im vergangenen Geschäftsjahr mehr als 2,2 Millionen Euro betrugen. Dank dieser außerordentlichen Mittel wird die Caritas in den kommenden Jahren ihre Programme für Direkthilfe, sozialberufliche Eingliederung und Zugang zu Wohnraum verstärken können.

Romero betonte, dass diese Situation es der Einrichtung ermögliche, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. "Unabhängig davon, wer regiert, können wir den einen wie den anderen immer sagen, was wir sehen", erklärte sie. "Wir werden immer an der Seite derjenigen stehen, die es am meisten brauchen." /somo

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