Uni stellt Professor, der neugeborenes Baby mehrfach misshandelt haben soll, vom Dienst frei
Ein Dozent der UIB soll seinen Säugling von Geburt an wiederholt geschlagen und geschüttelt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft und den Entzug der elterlichen Sorge.

Das Baby musste im Krankenhaus behandelt werden / Redaktion DM
Schwere Vorwürfe gegen einen Professor der Balearen-Universität (UIB): Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca fordert 15 Jahre Haft für den Mann, weil er sein neugeborenes Baby in Palma verprügelt haben soll. Den Ermittlungen zufolge soll der Dozent das Kind von dessen Geburt an bis zu seiner Einlieferung ins Krankenhaus im Alter von eineinhalb Monaten „häufig und mit großer Intensität“ geschlagen und geschüttelt habe.
Wie es indem Bericht der Staatsanwaltschaft heißt, stellten die Ärzte mehrere Knochenbrüche am ganzen Körper des Kleinen fest, der sechs Monate brauchte, um sich zu erholen. Obwohl die Mediziner keine Folgeschäden festgestellt haben, schließen sie nicht aus, dass solche in Zukunft auftreten könnten. Die Leitung der Uni teilte am Samstag (6.6.) mit, dass der Beschuldigte in beidseitigem Einvernehmen für eine gewisse Zeit vom Dienst freigestellt wird, bis sich die Umstände aufklären.
Geschüttelt und gedrückt
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Professor fünf Straftaten wegen Misshandlung und Körperverletzung im familiären Umfeld vor. Der Angeklagte hat diese Woche vor Gericht ein Sachverständigengutachten vorgelegt, um diese Vorwürfe zu widerlegen. Darin waren Experten zu dem Schluss gekommen, dass die Verletzungen des kleinen Jungen „mit einem versehentlichen Sturz vereinbar sein könnten“. Dieses wird nun geprüft, was dazu geführt, dass die mündliche Verhandlung auf das kommende Jahr verschoben werden muss. Die Mutter des Babys war nach Bekanntwerden des Falls ebenfalls festgenommen worden, wurde letztlich jedoch entlastet.
In ihrer Anklageschrift mit vorläufigen Schlussfolgerungen vertritt die Staatsanwaltschaft die Auffassung, dass der Mann seit der Geburt des Babys Ende 2023 „ein Klima systematischer körperlicher Misshandlung“ gegenüber dem Säugling geschaffen habe. Die Staatsanwaltschaft beschreibt vier verschiedene Angriffe. Der erste ereignete sich, als das Kind, das noch keinen Monat alt war, in der Obhut seines Vaters blieb und untröstlich zu weinen begann. Der Professor schüttelte es kräftig, damit es aufhörte zu weinen. Einige Tage später kam es zu einem identischen Vorfall, und das Baby begann aus Mund und Nase zu bluten, weshalb es schließlich eine Woche lang in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.
Zahlreiche Knochenbrüche
Am 20. Januar 2024 schüttelte der Angeklagte den Kleinen erneut mindestens zweimal, damit er aufhörte zu weinen. Als ihm dies nicht gelang, platzierte er ihn zwischen seinen Beinen, um ihn bewegungsunfähig zu machen, und drückte fest zu. Der schwerste Angriff ereignete sich in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar. Vater und Mutter hatten vereinbart, dass er sich in den frühen Morgenstunden um das Kind kümmern würde, damit sie sich ausruhen konnte. Das Baby wachte infolge von Husten auf, und der Mann schlug ihm laut Darstellung der Staatsanwaltschaft „in der Absicht, die körperliche Unversehrtheit des Minderjährigen anzugreifen, damit er sich beruhige“ wiederholt heftig auf den Rücken und zog und verdrehte ihm die Arme. Er hörte erst auf, als er „ein Knacken“ hörte und sah, dass einer der Arme des Babys herabhing.
Der Angeklagte und seine Frau brachten das Kind daraufhin ins Krankenhaus Son Espases. Die Ärzte stellten fest, dass das sieben Wochen alte Baby Brüche am Schlüsselbein, an beiden Oberarmknochen, an mehreren Rippen und am Schienbein hatte, außerdem Blutergüsse und Mikroblutungen im Kopf sowie einen Schiefhals. Die Mediziner bescheinigten, dass diese Verletzungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden waren, und führten sie auf Misshandlungen zurück. Daher alarmierten sie, wie es das Protokoll vorsieht, das Bereitschaftsgericht und die Nationalpolizei. Der Richter entzog den Eltern vorsorglich das Sorgerecht, und diese wurden einige Tage später festgenommen. Sie kamen mit einem Annäherungsverbot gegenüber dem Baby wieder auf freien Fuß. Das Ermittlungsverfahren gegen die Mutter wurde später eingestellt, da die Ermittlungen sie von den Angriffen entkoppelten.
Haftstrafe und Entschädigung
Das Baby blieb mehrere Tage im Krankenhaus, benötigte Rehabilitation und brauchte sieben Monate, um sich von den Verletzungen zu erholen. Die Staatsanwaltschaft führt aus, dass die Ärzte keine Folgeschäden festgestellt hätten, dass jedoch „angesichts des Alters des Patienten und des Wachstumsprozesses, in dem er sich befindet, nicht ausgeschlossen werden kann“, dass solche später auftreten, sowohl körperlicher als auch psychischer Art.
Insgesamt fordert die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Gefängnis und den Entzug der elterlichen Sorge sowie eine Entschädigung der Mutter des Babys in Höhe von 35.000 Euro.
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