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Obdachlose nach zwölf Jahren aus altem Gefängnis vertrieben: So lief die Räumung auf Mallorca

Die ehemalige Haftanstalt an der Ringautobahn war einer der größten Zufluchtsorte für Menschen ohne Unterkunft auf Mallorca

Das alte Gefägnis wurde nun endlich geräumt.

Das alte Gefägnis wurde nun endlich geräumt. / GUILLEM BOSCH

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Nach einem langen Hin und Her ist es am Mittwoch (10.6.) dazu gekommen: Das alte Gefängnis von Palma ist größtenteils geräumt. „Das ist ein wichtiger Tag, denn nach zwölf Jahren ist die Anlage leer“, verkündete Palmas Bürgermeister Jaime Martínez nach Abschluss der Räumung, die von Beamten der National- und Ortspolizei vollbracht wurde.

Der Prozess zur Rückgewinnung des Geländes hatte bereits im Februar begonnen. Vor zwei Wochen hatte ein Richter die Zwangsräumung bestätigt – wegen erheblicher Sicherheitsrisiken für die Menschen, die bis zuletzt in der früheren Haftanstalt lebten. Zuletzt waren es etwa 70 Personen gewesen, Anfang des Jahres lebten noch 206 Menschen dort.

Verlief ohne größere Zwischenfälle

Die Beamten hatten um 12 Uhr mit der Zwangsräumung begonnen. Der Einsatz verlief schrittweise und ohne größere Zwischenfälle. Gegen 16 Uhr bezifferte Martínez die Zahl der Menschen, die das Gelände verlassen hatten, auf 51. Die Polizei soll in den kommenden Tagen weiter vor Ort bleiben, damit ehemalige Bewohner ihre Habseligkeiten abholen können. Übernachten dürfen sie dort aber nicht mehr.

Viele verließen das alte Gefängnis mit Einkaufswagen, in denen sie ihre wenigen Besitztümer verstauten.

Viele verließen das alte Gefängnis mit Einkaufswagen, in denen sie ihre wenigen Besitztümer verstauten. / MANU MIELNIEZUK

Viele verließen das alte Gefängnis mit Einkaufswagen, in denen sie ihre wenigen Besitztümer verstauten. Zunächst hielten sich zahlreiche Betroffene in dem Park neben dem Gebäude auf. Später entschieden sich die meisten, zur Feuerwehrwache von Palma im Gewerbegebiet Son Morro zu gehen. Dort wurden provisorische Container aufgestellt, in denen sie vorübergehend für zwei Nächte unterkommen können. Die Wohneinheiten sind klimatisiert, verfügen über Betten, die das Rote Kreuz beisteuerte. Dennoch können die ehemaligen Gefängnisbewohner sich nicht rund um die Uhr dort aufhalten, sondern nur zwischen 19.30 und 9 Uhr.

Fünf Personen haben Hilfeangebote angenommen

Die Räumung war seit Monaten angekündigt. Dennoch überraschte einige Bewohner der Einsatz. Einige kamen gerade von der Arbeit, als sie die Beamten in der ehemaligen Haftanstalt vorfanden. Sie wurden aufgefordert, ihre Sachen zusammenzupacken und das Gelände zu verlassen. Am Ausgang sollen die Mitarbeiter der Sozialdienste der Stadt Palma ihnen mögliche Unterbringungslösungen anboten haben.

Martínez erklärte, die Stadt und andere Verwaltungen hätten die verfügbaren Hilfsangebote unterbreitet. Fünf der 51 Personen hätten bereits Angebote des Bistums, von La Sapiència und der Caritas angenommen. Diese umfassten Unterkunft, Arbeit und Ausbildung. Er dankte zudem der Ortspolizei für ihren Einsatz.

Einige der Betroffenen widersprachen gegenüber Medien der Darstellung der Stadt, man habe ihnen Wohnalternativen angeboten. „Ich komme von der Arbeit, und sie haben uns plötzlich rausgeworfen“, sagte ein Mann namens Jonathan gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Besonders belastend sei die Lage, weil seine Frau im dritten Monat schwanger sei und sie nicht wüssten, wohin. Eine Miete könne er sich nicht leisten.

Jonathan lebte bis Mittwoch noch im alten Gefängnis.

Jonathan lebte bis Mittwoch noch im alten Gefängnis. / Guillem Bosch

Auch Bilardino, der für drei Jahre in der alten Haftanstalt lebte, weiß nicht, wohin. "Ich werde im Park schlafen", sagte er.

Zukunftspläne

Ganz ohne Unmut verlief die Räumung nicht. „Bürgermeister, gib mir die Schlüssel zu deinem Haus!“, rief eine Bewohnerin Martínez zu. Andere verließen das Gebäude mit wütenden Kommentaren. Insgesamt blieb die Lage aber friedlich.

Um eine erneute Besetzung zu verhindern, soll in den kommenden Tagen ein Videoüberwachungssystem installiert werden. Auch die Polizeipräsenz auf dem Gelände soll vorerst bestehen bleiben.

Ganz abgeschlossen ist die Räumung allerdings noch nicht: Die ehemaligen Wohnungen der Gefängnisbeamten, die ebenfalls besetzt sind, bleiben vorerst unberührt. Für diesen Bereich muss die Stadt ein eigenes Verfahren einleiten.

Kurz vor der Zwangsräumung: So sieht es im alten Gefängnis in Palma aus

Redaktion DM

Danach würde nichts mehr im Weg stehen, um das alte Gefängnis abzureißen. Auf dem Gelände sollen 139 Sozialwohnungen entstehen, die vorübergehend an bestimmte Gruppen vergeben werden sollen – darunter junge Menschen, Senioren und Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind. Zudem sind eine neue Zufahrt zur Ringautobahn sowie eine Vergrößerung des angrenzenden Kreisverkehrs vorgesehen.

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