Der Schatz von Ses Fontanelles: Das römische Schiffswrack von der Playa de Palma ist geborgen
Nach drei Monaten Arbeit wurde das letzte Stück des römischen Schiffswracks aus dem 4. Jahrhundert nach Christus geborgen und zum Castillo de San Carlos gebracht

Redaktion MZ
Es ist vollbracht: Nach rund drei Monaten Arbeit wurde am Montagmorgen (29.6.) das letzte Stück des römischen Schiffswracks an der Playa de Palma geborgen. Gegen 6.30 Uhr holten Taucher und Archäologen einen zwölf Meter langen und etwa zwei Meter breiten Abschnitt der Backbordseite aus dem Wasser.
Um die empfindlichen Holzplanken bei der Bergung zu schützen, hatten die Archäologen eine spezielle Metallkonstruktion vorbereitet. Die Wrackteile wurden von unten mit Gurten gesichert und zusätzlich mit einem Kokosfasernetz geschützt, das auch große Lasten tragen kann. Anschließend hoben Taucher die gesamte Konstruktion mithilfe von Hebesäcken vorsichtig vom Meeresgrund. Danach wurde sie von einem Boot der Marine langsam zum Club Marítimo de San Antonio in Can Pastilla geschleppt.
Der Schatz von Ses Fontanelles: Hier wird das römische Schiffswrack an der Playa de Palma geborgen / Manu Mielniezuk
Dort hob ein Kranwagen die Konstruktion gegen 8.30 Uhr an Land. Anschließend wurde sie zum Castillo de San Carlos am Hafen von Palma gebracht, wo sie nun mehr als ein Jahr lang entsalzt werden soll. Der Archäologe Miquel Àngel Cau, der die Operation mitverantwortete, sprach von einem "historischen Tag".
Sensationsfund im Jahr 2019
Das zwölf Meter lange und fünf Meter breite Wrack stammt ursprünglich aus dem 4. Jahrhundert nach Christus und wurde 2019 zufällig vor Ses Fontanelles am westlichen Ende der Playa de Palma entdeckt. Der Fund des römischen Schiffs galt damals als Sensation, denn das Wrack und dessen Ladung befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand – bei Fundstücken aus dieser Zeit eine große Seltenheit. An Bord befanden sich rund 320 Amphoren – die meisten noch unbeschädigt oder sogar komplett verschlossen.

An den Bergungsarbeiten des Wracks waren neben Tauchern auch Archäologen, Historiker und Sicherheitskräfte beteiligt. / FOTO: UIB
Einige von ihnen enthielten Olivenöl, andere Wein oder fermentierte Fischsauce. Zu den Entdeckungen gehören auch beispielsweise Symbole eines Christusmonogramms sowie der römischen Jagdgöttin Diana. Insgesamt drei Dutzend Experten sind mit der Auswertung beschäftigt. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von Inselrat und Landesregierung finanziert.
Über Jahrhunderte von Sand bedeckt
Dass sich das Wrack und dessen Lieferung so gut gehalten haben, liegt wohl daran, dass es über Jahrhunderte hinweg von Sand bedeckt und auf diese Weise bestens geschützt war. Das Boot hatte ursprünglich in Carthago Spartaria abgelegt, also in der heutigen Gegend von Cartagena an der Küste von Murcia. Das Ziel dürfte Rom gewesen sein, deren Einwohner damals die wichtigsten Konsumenten von Importprodukten waren. Mallorca war zu der Zeit jedoch nicht nur eine strategische Station im Netz der Handelsrouten, sondern auch selbst Zielort von zahlreichen Lieferungen. /pss
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