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Schafe statt Luxus: Diese Influencerin zeigt Mallorcas anderes Gesicht

Die mallorquinische Influencerin und Werbefachfrau Kika Márquez zeigt auf ihren Accounts ein Mallorca fernab von Strand und Luxus. Ein Besuch

Kika Márquez hilft ihrer Familie gerne bei der Versorgung der knapp 200 Schafe.

Kika Márquez hilft ihrer Familie gerne bei der Versorgung der knapp 200 Schafe. / Nele Bendgens

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Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Zwischen den großen grünen Blättern blinzelt die brennende Junisonne Mallorcas hindurch und malt helle Muster auf den Boden. Die meisten Bananen sind noch ein wenig grün. Mit geübtem Griff und einem langstieligen Messer löst die 26-jährige Mallorquinerin Kika Márquez ein Bündel von der Staude. Sie weiß genau, wann der richtige Moment zum Ernten ist. „Hier hat alles seinen eigenen Rhythmus“, sagt sie, während sich kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn bilden. Es ist später Nachmittag, und die Luft steht schwer über dem Grundstück ihrer Großeltern im Es Pla im Inselinneren Mallorcas. Die Bananenstauden habe sie einst selbst angepflanzt, erzählt die Großmutter. Erst nach drei vergeblichen Versuchen habe sie damals den richtigen Platz dafür gefunden. An diesem Ort ist auch Kika Márquez genau dort, wo sie am allerliebsten ist.

Kika Márquez bei der Bananen-Ernte für den Eigenbedarf.

Kika Márquez bei der Bananen-Ernte für den Eigenbedarf. / Nele Bendgens

Das ländliche Inselleben: Mallorca abseits von Strand und Party

Auf ihrem Instagram-Profil @kiikamarquez folgen ihr knapp 8.500 Menschen, die Mehrheit davon ist zwischen 25 und 35 Jahren alt und lebt auf der Insel. „Ich bin nur eine einfache Mallorquinerin, die zeigen möchte, dass Mallorca viel mehr zu bieten hat als Strände und Partys!“ steht als Motto unter ihrem Account. Auf ihren Bildern ist zu sehen, wie sie bei Sonnenuntergang Schafe füttert oder Zucchini aus dem Beet holt. Oder sie erklärt den Unterschied zwischen frisch geerntetem Salat und dem aus dem Supermarkt. Man könnte Márquez eine Landwirtschafts-Influencerin nennen, aber das beschreibt sie nicht vollständig. Ihr Projekt ist eher ein Gegenentwurf zur Schnelligkeit und zur oberflächlichen Darstellung der Insel in den sozialen Medien. „Mallorca ist so viel mehr als Luxus und Strand, das darf nicht verloren gehen“, sagt sie, während ihr kleiner Hund „Kuss“ ihr um die Beine springt.

Sehnsucht nach dem Ursprung

Die Werbe- und PR-Frau kehrte der Insel zunächst vier Jahre lang für ihre Ausbildung den Rücken. Sie studierte auf dem Festland, in der Tschechischen Republik sowie in Ungarn. Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Mallorca zurück und arbeitete in der Werbebranche. „Aber mir ging es nicht gut. Ich fühlte mich leer und traurig und verstand nicht, was mit mir los war“, sagt Márquez. Sie kündigte ihren alten Job und begann, mehr auf dem Land zu arbeiten. In Sencelles, wo sie lebt, legte sie einen Gemüsegarten an. Und an den Wochenenden fuhr sie oft nach Hause, um ihrer Mutter auf dem Hof zu helfen, auf dem sie auch ihre Kindheit verbracht hatte.

Der Garten ihrer Großeltern ist Kikas Wohlfühlort.

Der Garten ihrer Großeltern ist Kikas Wohlfühlort. / Nele Bendgens

Sobald sie den Kontakt zur Natur wiedergewann, ging es ihr besser: „Ich fühlte mich großartig und sagte mir: ‚Seht her, genau das liebe ich!‘“ In der Schule sei sie ihr ganzes Leben lang als Landmädchen ausgelacht worden, aber das sei ihr mittlerweile egal. „Ich möchte zeigen, dass wir vom Land nicht dumm sind, sondern genauso gebildet“, sagt sie. Alles, was sie bisher über das ländliche Mallorca in den sozialen Netzwerken gesehen habe, seien nur Inhalte, um sich darüber lustig zu machen. „Dabei ist das, was wir hier haben, einfach wunderschön“, sagt Kika Márquez, und ihre Begeisterung wirkt ansteckend.

Kikas Großvater legte die Blumenfelder an.

Kikas Großvater legte die Blumenfelder an. / Nele Bendgens

Zwischen Kräuterbeeten, die nach Rosmarin und Thymian riechen, gibt es im Garten ihrer Großeltern Beete mit Erdbeeren, Tomaten, Artischocken, Gurken, Zucchini, Zwiebeln und Salat. Gleich daneben wachsen Blumen, die man in keinem Blumenladen auf der Insel findet – alte Sorten, deren Namen nur noch die Großmutter kennt und die Márquez gerade lernt, um das botanische Wissen zu erhalten. Ihr mittlerweile verstorbener Großvater war Gärtner und hatte die Blumenfelder mit viel Leidenschaft angelegt. Kikas Geschwister haben kein Interesse an der Landwirtschaft. Sie hingegen will die Ländereien einmal übernehmen. Momentan arbeitet sie wieder in einer Werbeagentur. Sie hat aber schon Pläne für eigene Projekte, die noch nicht verraten werden dürfen.

Die Uhren ticken anders in der Natur

Neben Schweinen und Hühnern besitzt ihre Familie fast 200 Schafe. Sie leben auf drei Herden verteilt ausschließlich im Freien. „Wir schauen jeden Tag nach den Tieren, ob es ihnen gut geht“, sagt Kika Márquez, während sie einen Eimer mit frisch geschnittenem Grünzeug für die Schafe füllt. Die Tiere kennen das Geräusch ihrer Schritte und kommen neugierig näher. Als sich das Hündchen dazugesellt, nimmt die Herde Reißaus. Nur der Leitbock stellt sich ihm in den Weg und stampft als Drohgebärde mit den Hufen auf den Boden.

Sobald Kikas Hund Kuss dazukommt, laufen die Schafe davon.

Sobald Kikas Hund Kuss dazukommt, laufen die Schafe davon. / Nele Bendgens

Nach dem Besuch bei der jungen Frau kann man ihre Liebe für das Landleben nachvollziehen. Die Uhren in der Natur ticken anders, jeglicher Stress aus der Stadt scheint weit entfernt. Man hört nur die Vögel zwitschern, die Schafe blöken oder die Bananenblätter rascheln, sobald eine leichte Windböe aufkommt. Wer Kika Márquez auf Instagram folgt, lernt mit ihr darüber hinaus auch etwas über das Klima, die alten Anbaukulturen und das Essen der Insel. Und was ein Garten leisten kann, wenn mehrere Generationen ihm dafür Zeit geben.

Informationen

Kika Márquez

Mallorquinische Landwirtschafts-Influencerin

IG: kiikamarquez

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