Ein schwimmendes Zuhause: Unterwegs mit der neuen Mein Schiff Flow
Mit der „Mein Schiff Flow“ hat die Reederei Tui Cruises gerade ein neues Schiff in Betrieb genommen. Die MZ war auf der „Willkommenstour“ mit an Bord

Blick auf den offenen Lesesaal der „Mein Schiff Flow“. Er befindet sich nur wenige Meter über der Wasseroberfläche. / Alexandra Bosse
Die Balkontür steht einen Spalt offen, das gleichmäßige Meeresrauschen dringt in den Raum. Das gleichbleibende Ruckeln der Wellen wirkt wie ein sanftes Wiegen in den Schlaf. Alle Sorgen scheinen weit weg an Land geblieben, während sich der stählerne Koloss leicht schlingernd durch die Fluten des Mittelmeers pflügt. Der Körper entspannt sich merklich. Alltagsstress fällt ab, der Puls wird ruhiger, der Atem tiefer.

Die Flow legt in Palma ab. / Alexandra Bosse
Befreit von Raum und Zeit
Wer einmal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes war, kennt das Gefühl, in einer anderen Welt zu verweilen, sobald man über die Reling das Schiffsinnere betritt. Hier ticken die Uhren anders, die eigene Routine ist außer Kraft gesetzt. So auch an Bord der nagelneuen „Mein Schiff Flow“. Das Schiff ist erst vergangene Woche getauft worden und ist jetzt auf seiner einwöchigen Willkommenstour von Palma über Civitavecchia (Rom), Korsika und Marseille, bevor es von dort wieder zurück nach Mallorca geht. Die MZ ist auf Einladung der Reederei TUI Cruises mit an Bord.

Die Mein Schiff Flow im Hafen von Palma. / Alexandra Bosse
Das auf der italienischen Fincantieri-Werft in Monfalcone gebaute Mega-Hotel zu Wasser kann auf seinen 19 Decks mit knapp 2.000 Kabinen insgesamt fast 4.000 Passagiere beherbergen und ist mit der erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommenen „Mein Schiff Relax“ das zweite Schiff der sogenannten Intuition-Klasse der „Mein Schiff“-Reihe. Für die Einrichtung hat TUI Cruises Gästefeedback ausgewertet. Das Ergebnis: Menschen auf Kreuzfahrtschiffen wollen so viel wie möglich draußen sein und das Meer sehen. 86 Prozent der Kabinen haben einen Balkon – mehr als je zuvor bei TUI Cruises.

Alle Kabinen der Kategorie Suite verfügen auch über eine Hängematte auf dem Balkon / Alexandra Bosse
Im Atrium auf Deck 3 sitzt man auf der Wasserlinie und schaut durch Panoramafenster direkt aufs Meer. Das Restaurant „Atlantic“ im Heck hat eine Fensterfront von Wand zu Wand. Gefühlt gibt es mehr Außenfläche als Innenbereiche.Auch die Passagen sind großzügig und lichtdurchflutet. Man begegnet sich, aber man sitzt nicht aufeinander. „Man kann sich überall dazugesellen, aber nirgends wirkt es überfüllt“, sagt die 32-jährige Krankenschwester Silke, die mit ihrem Mann bereits zum achten Mal an Bord der Flotte ist. „Wir machen zweimal pro Jahr eine Kreuzfahrt mit TUI. Nachdem wir schon von der ‚Relax‘ begeistert waren, haben wir uns richtig auf die ‚Flow‘ gefreut und sind nicht enttäuscht worden“, sagt sie.

Nur eines der zahlreichen Restaurants an Bord: Das Bistro Sur Mer / Alexandra Bosse
Frühmorgens um 8 Uhr bei der Aquagymnastik auf Deck 17 ist es dann aber doch zu voll. „Nur wer angemeldet ist, darf im Pool bleiben“, sagt der Animateur streng und geht seine Liste namentlich durch. Wen er aufruft, der erhält eine Schwimmnudel, alle anderen müssen konsequent raus. „Das ist so typisch deutsch“, findet eine 42-jährige Niederländerin und sucht sich stattdessen ein Plätzchen im kleineren Infinitypool auf der anderen Seite des Decks.

Der Infinity-Pool der "Mein Schiff Flow" lädt zum entspannten verweilen ein. / Alexandra Bosse
Obwohl der Großteil der Passagiere deutlich über 50 ist, gibt es auch genug jüngere Menschen, die die Kreuzfahrten für sich entdeckt haben. Egal ob bei den Sportkursen oder Landausflügen, überall mischen sich die Generationen. Mit dabei ist auch eine sechsköpfige Freundesgruppe von Männern Mitte 20, die besonders das All-inclusive-Konzept an Bord lobt. Alle Speisen und Getränke sind inkludiert, ohne versteckte Zusatzkosten. Die gastronomische Vielfalt an Bord ist so groß, dass man sie in einer Woche nicht komplett durchprobieren kann.

Wer möchte kann an Bord jeden Morgen mit einem frischen Obstteller beginnen. / Alexandra Bosse
Die wahren Helden an Bord sind die Crew-Mitglieder
So beeindruckend Stahl und Glas auf der „Flow“ wirken: Es sind die Menschen, die sie in Bewegung halten. Ein paar Stunden an Bord und man versteht, was gemeint ist: Jeder Blickkontakt wird mit einem fröhlichen Gruß erwidert. Die Reederei beschäftigt nach eigenen Angaben Mitarbeiter aus 40 Nationen. An Bord der „Flow“ besteht die Crew aber augenfällig besonders aus männlichen Asiaten mit Herkunft aus Ländern wie den Philippinen, Indonesien oder Kirgisistan. Sie alle sprechen Deutsch und beantworten jede Frage hilfsbereit mit einem unermüdlichen Lächeln, als hätten sie genau auf diesen Moment gewartet.

Die Mitarbeiter auf der Flow scheinen immer gute Laune zu haben - hier verteilen sie Popcorn und Tacos beim WM-Viewing an Deck / Alexandra Bosse
Sie sind es auch, die die Kabinen zweimal täglich reinigen und abends das Bett aufdecken und eine Schokolade aufs Kopfkissen legen. Manchmal erwartet die Gäste dabei eine kreative Überraschung – das Zudeck ist dann zum Beispiel in Form einer Krake oder eines Seehunds gefaltet – mit Kaffeekapseln der zimmereigenen Maschine als Augen. Jeden Morgen die Gardine an einem anderen Ort zur Seite zu ziehen, hat seinen eigenen Reiz. Die erlebnishungrigen Cruise-Gäste strömen allmorgendlich wie Ameisen von Bord zu einem der zahlreichen Ausflugsbusse, die bereits beim tutenden Einlaufen der „Flow“ am Hafenkai Aufstellung genommen haben.

Sobald die Flow anlegt warten schon die ersten Reisebusse Abfahrtbereit am Kai - hier in Civitavecchia / Alexandra Bosse
Andere lehnen stattdessen entspannt über die Brüstung ihres Balkons und beobachten das Treiben bei einem Kaffee. Anschließend nutzen sie eine der zahlreichen Aktivitäten an Bord, lassen sich in dem großen Spa- und Saunabereich verwöhnen oder faulenzen auf den Sonnendecks. Die Gespräche drehen sich etwa um das vorzeitige WM-Aus und die Extremhitze in Deutschland, wobei hier kaum wer darüber zu grübeln scheint, dass die Hitze auch mit dem eigenen Reiseverhalten zu tun haben könnte. Während sich die Hautfarbe zusehends von Weiß zu Rotbraun wandelt, schaut man hier, gefühlt weit weg von den Problemen der Welt, auf glitzernde Sonnenstrahlen, die sich in der smaragdgrünen Wasserfläche des Hafenbeckens spiegeln.

Sonnenuntergang an Deck der Flow. / Alexandra Bosse
Betritt man nach dem Landausflug wieder das Schiff, erwarten einen nicht nur das überdimensionale Schild mit der Aufschrift „Herzlich willkommen zu Hause“, sondern auch die unermüdliche Freundlichkeit der Mitarbeiter, die einen mit Namen ansprechen. So fühlt sich die „Flow“ dann tatsächlich mit jedem Tag mehr an Bord wie ein Zuhause an. Und wenn am Abend beim Auslaufen des Schiffes gemeinsam der Refrain des Songs „Große Freiheit“ von Unheilig mitgesungen wird, während das Schiff wieder Fahrt aufnimmt und der Tageshafen langsam am Horizont verschwindet, wünscht man sich, noch lange so im Flow bleiben zu können.
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