Kutschfahrten in Palma: Letzte Chance für Pferdekutschen vor dem Sommer 2027?
Während andere Gemeinden längst von Pferde- auf Elektrokutschen umgestellt haben oder dabei sind, hinkt Palma noch hinterher. Die meisten Kutscher sind dafür, doch Bürokratie und offene technische Fragen im Rathaus bremsen den Umstieg

Könnten 2027 komplett aus dem Stadtbild von Palma verschwinden: Pferdekutschen. | FOTO: NELE BENDGENS
Urlauber, die sich per Pferdekutsche durch Palmas Innenstadt chauffieren lassen wollen, sollten die kommenden Monate nutzen. Vielleicht wird es die letzte Gelegenheit sein. Wenn es nach Plan läuft, sind die von Tieren gezogenen galeras schon im kommenden Sommer aus dem Stadtbild verschwunden.
Alcúdia
Andernorts auf der Insel ist dies bereits geschehen und die Pferdekutschen wurden durch Elektro-Gefährte ersetzt. In Alcúdia waren im Frühjahr 2025 erstmals rot-weiße Elektrokutschen unterwegs. Bis Ende Oktober desselben Jahres waren alle caleseros der Gemeinde, die weiterfahren wollten, gezwungen, ebenfalls auf E-Kutschen umzusteigen. Keiner habe hingeworfen, bestätigt der MZ die zuständige Gemeinderätin Azahara Machado. „Im Gegenteil. Sie sind alle sehr zufrieden.“ Immerhin könnten sie nun auch bei hohen Temperaturen fahren, und das Tierwohl stehe ihnen nicht im Weg. Auch bei den Urlaubern in der Gemeinde kämen die Elektrokutschen – in Alcúdia gibt es zehn davon – gut an.
Sant Llorenç des Cardassar
Das Rathaus von Sant Llorenç des Cardassar hat ebenfalls schon im vergangenen Jahr beschlossen, dass die Pferdekutschen Elektrokutschen weichen müssen. Anfang Juni dieses Jahres hat die Gemeindeverwaltung eine entsprechende Verordnung abgeändert. Sie sieht vor, dass Elektrokutschen künftig als Transportmittel im Gemeindegebiet unterwegs sein dürfen. Derzeit sind laut einem Rathaus-Sprecher in den Sommermonaten rund um die Avinguda de Ses Palmeres in der Nähe vom Strand von Sa Coma fünf Pferde- und zwei Elektrokutschen unterwegs. Mittelfristig soll es nur noch Elektrokutschen geben.
Capdepera
Die benachbarte Gemeinde Capdepera hat die tierbetriebenen Fahrzeuge schon im Herbst 2016 aus Ortschaften wie Cala Ratjada verbannt. Dem vorausgegangen war ein für ein Pferd tödlicher Zusammenstoß mit einem Fahrzeug. Auch deswegen entschieden die Verantwortlichen, den Kutschern die sechs Lizenzen nicht zu verlängern. Seither müssen Urlauber ganz auf Kutschfahrten verzichten.
Nachzügler Palma
Die Kutscher von Palma haben die Umstellung ihrer Kollegen auf Elektrokutschen genau beäugt. Erst waren sie noch skeptisch, mittlerweile aber hätten sich über 90 Prozent von ihnen mit dem Gedanken angefreundet, sagt Venancio Vargas, der Sprecher von Palmas Kutscher-Vereinigung. „Nur zwei oder drei sind sich noch nicht ganz sicher, ob sie umsteigen werden, aber auch sie sind nicht komplett gegen die Elektrokutschen.“
Vor allem in der Balearen-Hauptstadt dürften die Auswirkungen der Umstellung auffallen: Im Stadtgebiet gibt es insgesamt 28 Kutscher-Lizenzen. Damit ist Palma mit Abstand die Gemeinde mit den meisten Kutschen. 24 der Kutscher dürfen im Zentrum und grob zwischen Porto Pi und Portixol fahren, die restlichen vier sind hauptsächlich an der Playa de Palma unterwegs. Sie bringen die Urlauber etwa zu ihren Hotels oder von einem Balneario zum anderen.
Laut Vargas ziehe sich die Umstellung für ihn und seine Kollegen hin. „Ein Teil von uns würde die Elektrokutschen gerne schon Mitte kommenden Jahres in Betrieb nehmen. Doch alles hängt davon ab, wie schnell die Verantwortlichen im Rathaus vorankommen“, sagt er. Dort will man auf MZ-Anfrage kein genaues Datum nennen. „Nach mehreren Sitzungen zwischen den Kutschern und dem für Mobilität zuständigen Stadtrat ist der Plan, die Elektrokutschen so bald wie möglich in Betrieb zu nehmen. Die Verabschiedung der neuen Gemeindeverordnung erfordert jedoch den Abschluss der entsprechenden Verwaltungsabläufe und die Vorlage des Textes zur Genehmigung durch den Gemeinderat, was einen gewissen Zeitaufwand mit sich bringt“, formuliert eine Sprecherin etwas umständlich. Auch juristische und technische Gutachten müsse man noch einholen.
Zum Umstieg auf Elektrokutschen zwingen wird das Rathaus Palmas Kutscher nicht. Die abgeänderten Gemeindeverordnung sehe künftig sowohl den Betrieb von Pferde- als auch Elektrokutschen vor. Tierschützer werden darüber nicht erfreut sein. Immer wieder machten in den vergangenen Jahren bei Social Media Bilder von am Boden liegenden Pferden die Runde, die der Hitze nicht standhielten. Der Shitstorm unter den Veröffentlichungen war jedes Mal groß.
Vargas hat dennoch den Eindruck, dass es immer weniger Beschwerden gibt: „Viele lassen uns wissen, dass ihnen die Pferdekutschen besser gefallen.“ Auch bei einem MZ-Aufruf auf Facebook zu der Frage, wo die Leser zuletzt auf Mallorca mit Kutschen fuhren, pochten zwar zahlreiche Kommentatoren auf den Tierschutz. Ein Nutzer namens Hein Rich findet Pferdekutschen aber toll. „Hat was von Nostalgie“, schrieb er unter dem Post. Auch Bine Schmalbein ist vor Jahren mal mit einer Pferdekutsche gefahren. „Aber mit Elektrokutschen würde ich nicht fahren, völliger Blödsinn“, so ihre Worte.
Bevor Palmas Kutscher ihre Bestellungen in Auftrag geben, warten sie noch auf das Okay vom Rathaus. Schließlich handelt es sich um kostspielige Fahrzeuge, und die Kutscher müssen die Kosten selbst tragen. Zwischen 40.000 und 45.000 Euro müssen sie pro Gefährt aufbringen. „Das Rathaus hat uns immerhin zugesichert, dass es versucht, Subventionen von der Zentralregierung zu bekommen“, sagt Venancio Vargas.
Doch keine deutschen Kutschen
Die galeras eléctricas geben die Kutscher sehr wahrscheinlich bei einer auf dem spanischen Festland ansässigen Firma in Auftrag. „Sie haben auch die Kutschen von Alcúdia gebaut und entwickeln derzeit einen Prototypen für uns. Er soll im September fertig sein“, sagt Vargas. Statt in Rot-Weiß wie die in der Gemeinde im Norden sollen Palmas Kutschen eher in unauffälligen Farben wie Schwarz, Braun, ähnlich wie die bisherigen, gehalten sein. „Die Kutschen in Alcúdia sind eher im Strand-Look. Unsere sollen ans Zentrum von Palma angepasst etwas eleganter werden“, so der 24-Jährige, der schon als kleiner Junge zusammen mit seiner Familie im Kutschgeschäft mithalf. „Mit 18 Jahren habe ich dann erst meinen Autoführerschein gemacht, den man als Kutscher zwingend haben muss, um selbst eine Kutsche fahren zu können“, erzählt er.

Rechts: Klaus Roider vor der Kutsche, die er nach Mallorca gebracht hat. / Privat
Der Deutsche Klaus Roider muss sich indes einen Traum abschminken. Der Landshuter war im April auf der Insel, um Palmas Kutschern seine in Niederbayern angefertigten Elektrogefährte mit deutschem Kennzeichen schmackhaft zu machen. Sie zu kaufen, ist den hiesigen Kutschern aber letztlich zu riskant. „Sie sind in Spanien nicht zugelassen“, so Vargas. „Das war mir bewusst“, sagt Roider. In anderen Ländern habe er ähnliche Probleme gehabt, diese aber mittlerweile durch entsprechende Anpassungen gelöst.
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