Rettungsschwimmer in Calvià schlagen Alarm: Zu wenig Personal, zu kurze Zeiten, marode Türme
Rund 60 Rettungsschwimmer protestieren vor dem Rathaus gegen prekäre Arbeitsbedingungen und mangelnde Abdeckung an den Stränden

Etwa 60 Menschen demonstrierten vor dem Rathaus von Calvià. / Unio Socorristes Calvià
Die Rettungsschwimmer von Calvià haben am Montagmorgen (6.7.) vor dem Rathaus protestiert. Rund 60 Personen versammelten sich mit Fahnen, Trommeln, Trillerpfeifen, Sonnenschirmen und Plakaten mit Aufschriften wie „SOS“ oder „Schluss mit den prekären Verhältnissen im Rettungsdienst von Calvià“. Mit der Aktion wollte das Personal des Strandüberwachungsdienstes auf die Lage aufmerksam machen, in der sich der Dienst befindet.
Von 30 Stränden nur elf überwacht
Zu den wichtigsten Kritikpunkten der Rettungsschwimmer gehört die Abdeckung des Dienstes. Ariel Gauna, Sprecher der Unión de Socorristas de Calvià, erklärte, dass von den rund 30 Stränden der Gemeinde nur elf dauerhaft überwacht würden. Diese Zahl hält er für unzureichend, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten.
Das Rathaus weist diese Kritik zurück und betont, man erfülle die Vorschriften und Empfehlungen der Generaldirektion für Notfälle der Balearenregierung. Die drei Strände von Palmanova, die drei Strände von Peguera, Santa Ponça und Magaluf verfügten über Rettungsschwimmerteams. An kleineren und weniger stark frequentierten Stränden wie Illetes, Portals Nous, Cas Català und Cala Vinyes setzten die Konzessionäre sogenannte reaktive Rettungsschwimmer ein.

Protest der Rettungschwimmer vor dem Rathaus Calvià. / Unio Socorristas Calvià
Gerade diese reaktiven Rettungsschwimmer werden von den Beschäftigten besonders kritisch gesehen. Gauna erklärt, die 2017 von der Generaldirektion für Notfälle der Balearen-Regierung eingeführte Kategorie breche mit den Grundpfeilern des Rettungsdienstes: überwachen, vorbeugen und retten. In vielen Fällen handele es sich um Liegenvermieter oder Strandbar-Mitarbeiter, denen Rettungsschwimmeraufgaben zugewiesen würden, ohne dass sie präventive Überwachungsarbeit leisteten. „Der reaktive Rettungsschwimmer überwacht nicht, beugt nicht vor, und wenn er eingreifen muss, ist es oft zu spät. Diese Figur ist sehr umstritten, und ihr Einsatz ist leichtsinnig“, sagt der Gewerkschaftsvertreter. In Calvià werde dieses Modell in den Monaten März, April und November genutzt, da die regulären Rettungsschwimmer von Mai bis Oktober arbeiteten.
Die Gemeinde verteidigt dagegen, dass diese Fachkräfte über dieselbe Qualifikation verfügten wie die übrigen Rettungsschwimmer und diese Aufgaben im Einklang mit den Vorgaben der Generaldirektion für Notfälle mit anderen Tätigkeiten vereinbarten.
Arbeitszeiten
Ein weiterer Streitpunkt sind die Einsatzzeiten. Die Rettungsschwimmer fordern, dass der bis 19.30 Uhr verlängerte Dienst, der derzeit nur im Juli und August gilt, auch auf den Juni ausgeweitet wird. Sie argumentieren, dass die Strände auch nach 18 Uhr noch stark besucht seien.
Das Rathaus entgegnet, der Überwachungsdienst laufe seit 2024 von Mai bis Oktober von 10 bis 18 Uhr. Im Juli und August werde er um eineinhalb Stunden bis 19.30 Uhr verlängert. Am Strand Palmira in Peguera gelte diese Verlängerung bis Mitte Oktober.

Rettungsschwimmer protestieren die Sicherheitslage der Strände vor dem Rathaus. / Unio Socorristes Calvià
Infrastruktur
Auch die Infrastruktur ist Teil der Forderungen. Die Rettungsschwimmer kritisieren, dass mehrere Wachtürme Mängel aufwiesen und nicht den Vorschriften zur Verhütung von Arbeitsrisiken, insbesondere den Schutz vor Hitze, entsprächen.
Das Rathaus weist auch diese Vorwürfe zurück und versichert, alle Türme erfüllten die geltenden Vorschriften. Zudem erinnert die Gemeinde daran, dass 2024 an den überwachten Stränden neue Wachtürme installiert worden seien. An Stränden mit neuer Konzession hätten die Betreiber außerdem neue Rettungsposten eingerichtet, wo es zuvor keine gegeben habe.

Archivbild eines Rettungsschwimmers auf Mallorca / Borràs
Die Gemeinde verweist außerdem auf weitere Verbesserungen im vergangenen Jahr. Dazu gehörten die Verstärkung der Überwachung auf dem Wasser mit zwei zusätzlichen Jetskis und mehr Bootsführern sowie die Anschaffung neuen Materials für Menschen mit eingeschränkter Mobilität – sowohl für überwachte Strände als auch für Strände mit geringem Risiko. Allerdings räumt das Rathaus ein, dass es in diesem Sommer in Magaluf und Santa Ponça wegen des vorübergehenden Fehlens eines Konzessionärs punktuell zu Verzögerungen bei der Installation einiger barrierefreier Dienste gekommen sei. Diese Situation sei inzwischen gelöst.
Die Rettungsschwimmer betonen, dass die derzeitigen Bedingungen seit zwei Jahren bestünden. Sie erinnern daran, dass der Vertrag mit dem beauftragten Unternehmen MareSave noch zwei Jahre läuft. Dennoch sehen sie die Lösung in der Verantwortung des Rathauses. „Wir hängen ausschließlich vom politischen Willen ab. Ein Vertrag darf nicht zulassen, dass Menschen sterben“, sagt Gauna. Zugleich räumt er ein, dass bei jeder Verhandlung auch das Konzessionsunternehmen beteiligt werden müsse.
Das Rathaus wiederum betont, dass arbeitsrechtliche Forderungen an das beauftragte Unternehmen und nicht an die Verwaltung zu richten seien. Zudem bedauert die Gemeinde „den Alarmismus, den die Rettungsschwimmer unter Einwohnern und Touristen zu erzeugen versuchen“. Sie verteidigt, dass die Strände von Calvià „höchste Sicherheit“ böten und die Vorgaben der Generaldirektion für Notfälle erfüllten, in einigen Bereichen sogar überträfen.
Beide Seiten kommen an diesem Dienstag bei dem vom Bürgermeister einberufenen Treffen zusammen. Dort wollen die Vertreter der Rettungsschwimmer ihre Forderungen vortragen, um eine Lösung des Konflikts zu erreichen.
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